Technische Universität Darmstadt
Institut für Architektur
Fachgebiet Entwerfen und Stadtentwicklung
El-Lissitzky-Str. 1
64287 Darmstadt
Der zunehmende Wechsel zwischen sommerlichen Trockenperioden und Starkregenereignissen stellt Städte vor neue Herausforderungen im Umgang mit der Ressource Wasser. Gleichzeitig weisen Stadien als hochversiegelte und wasserintensive Stadtbausteine besondere Potenziale für dezentrale Wasserkreisläufe auf: Hohe Bewässerungsbedarfe für Spiel- und Trainingsflächen treffen auf große Mengen an Regenwasser sowie auf Grau- und Gelbwasser, die bislang überwiegend ungenutzt abgeleitet werden.
Ziel des Vorhabens ist es, am Beispiel des Millerntor-Stadions des FC St. Pauli ein übertragbares Konzept für ein wassersensitives Stadion zu entwickeln. Untersucht wird, wie lokal verfügbare Wasserressourcen - insbesondere Regen-, Grau- und Gelbwasser sowie gegebenenfalls Filterspülwasser des benachbarten Stadtteilbades - aufbereitet, gespeichert und zur Bewässerung eingesetzt werden können. Perspektivisch soll der Wasserbedarf der Grünflächen weitgehend bis vollständig aus lokalen Ressourcen gedeckt werden. Gleichzeitig wird untersucht, wie enthaltene Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor im Kreislauf gehalten und für die Rasenpflege genutzt werden können.
Das Projekt versteht das Stadion dabei nicht nur als technische Infrastruktur, sondern als Teil des Stadtraums und als sozialen Ort. Die Entwicklung des wassersensitiven Millerntors soll deshalb gemeinsam mit Fans, Nutzer:innen und weiteren relevanten Akteur:innen diskutiert werden. Im Rahmen partizipativer und kommunikativer Formate sollen Anforderungen, Akzeptanz sowie soziale, kulturelle und gestalterische Potenziale frühzeitig in die Konzeption einfließen. Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die nicht nur ökologisch und technisch funktionieren, sondern auch für die Fans und den umgebenden Stadtraum einen sichtbaren und erlebbaren Mehrwert schaffen.
Durch die Verbindung von Wasserrückgewinnung, Nährstoffkreisläufen, wassersensitiver Stadtentwicklung und gesellschaftlicher Teilhabe sollen Frischwasserverbrauch und Düngemitteleinsatz reduziert, die Kanalisation bei Starkregen entlastet und der natürliche Wasserhaushalt gestärkt werden. Das Millerntor-Stadion dient dabei als Reallabor und Demonstrator für Lösungen, die auf weitere Stadien, Arenen und vergleichbare urbane Großstrukturen übertragen werden können.