Projekt 40105/01

Ökologisch orientiertes Wasserressourcenmanagement in Engpassregionen akzeptanzorientiert gestalten

Projektdurchführung

IWW Institut für Wasserforschung gemeinnützige GmbH
Wasserressourcenmanagement und Wassertechnologie
Moritzstr. 26
45476 Mülheim

Zielsetzung

Wasser gerät als begrenzte Ressource in ausgewählten Regionen Deutschlands zunehmend unter Druck. Ursachen dafür sind u.a. Bevölkerungswachstum, industrielle Einflüsse und klimawandelbedingte Auswirkungen, wie z.B. erhöhter Bewässerungsbedarf in der Landwirtschaft, Dürren oder Überschwemmungen. Gleichzeitig belasten anthropogene Spurenstoffeinträge die verfügbaren Wasserressourcen. Um die klimawandelbedingte, nachhaltige Schädigung wassersensibler Ökosysteme vorzubeugen, kann ein aktives Gebietswassermanagement ein geeignetes Steuerungsinstrument darstellen. Die zur praktischen Implementierung unabdingbaren wasserrechtlichen Bewilligungsverfahren sind allerdings vielerorts meist sehr langwierig und kostenintensiv. Ein Grund hierfür sind einerseits unklare Stakeholderpositionen zu Beginn des Verfahrens. Andererseits erschwert eine auf Basis subjektiver Interessen geprägte Teilbetrachtung der Maßnahmenwirkungen einen objektiven Entscheidungsfindungsprozess.
An diesem Punkt knüpft das Projekt „ÖkoWasEng“ („Ökologisch orientiertes Wasserressourcenmanagement in Engpassregionen akzeptanzorientiert gestalten“) an, welches von IWW Institut für Wasserforschung gGmbH, gemeinsam mit dem DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. und der Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz GmbH (wvr) bearbeitet wird. Das Projekt zielt darauf ab, einen anwenderorientierten, auf andere Gebiete übertragbaren Leitfaden zur Vorbereitung eines konsensorientierten wasserrechtlichen Bewilligungsverfahrens zu erarbeiten. Dabei werden unterschiedliche Gebietswassermanagementszenarien verglichen und anhand von Ökosystemdienstleistungen bewertet. Zudem sollen Akzeptanzhemmnisse unter den Stakeholdern abgebaut werden, indem sie das geplante Gebietsmanagement konsensual mitgestalten können.
Die Methodenentwicklung und -validierung erfolgt anhand einer Fallstudie im Untersuchungsgebiet der wvr, welches in einer der trockensten und klimawandelsensitivsten Regionen Deutschlands liegt. Die steigenden Trinkwasserbedarfe können über die eingeschränkten Grundwasservorkommen in der Region nicht nachhaltig gedeckt werden. Aus diesem Grund plant die wvr eine weitere, redundante Uferfiltratgalerie nördlich einer bereits bestehenden Anlage. Das Areal der geplanten Anlage liegt in der Rheinaue und umfasst ein Natura 2000-Gebiet. Zur Stützung des Wasserhaushalts wird ein Aquifer Storage Transfer and Recovery System vorgesehen, welches das Kernelement des angestrebten Gebietswassermanagements ist.

Arbeitsschritte

Die Methode der Ökosystemleistungen (ÖSL) dient dazu, die Beiträge von Ökosystemen zum menschlichen Wohlbefinden systematisch zu erfassen und in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Grundlage bildet die CICES-Klassifikation der Europäischen Umweltagentur, die ÖSL in drei Kategorien unterteilt: bereitstellende Leistungen (z. B. Trinkwasserbereitstellung), regulierende und erhaltende Leistungen (z. B. Temperatur- oder Wasserhaushaltsregulierung) sowie kulturelle Leistungen (z. B. Erholung und Freizeitnutzung).
Die praktische Umsetzung erfolgt mithilfe des DESSIN ESS Evaluation Frameworks. Zunächst werden die für das betrachtete Ökosystem relevanten ÖSL anhand der CICES-Klassifikation identifiziert. Anschließend werden sie mithilfe eines Kaskadenmodells strukturiert, um Wechselwirkungen zwischen ökologischen, technischen und gesellschaftlichen Komponenten transparent darzustellen. Auf Grundlage dieser Methodik wird eine indikatorenbasierte Bewertungsmatrix entwickelt, die ökonomische Kennzahlen und ökologische Endpunkte zusammenführt. Ziel ist der Vergleich der Auswirkungen unterschiedlicher Gebietswassermanagementszenarien auf die Bereitstellung von Ökosystemleistungen. Als Referenz dient ein Basisszenario, das auf bestehenden Zukunftsanalysen und Modellierungen, beispielsweise zu Klima- oder Grundwasserentwicklungen, basiert.
Die Stakeholderintegration dient dazu, Interessen, Erwartungen und potenzielle Konflikte frühzeitig zu identifizieren und bei der Entwicklung des Gebietswassermanagements zu berücksichtigen. Hierzu werden relevante Akteure aus Wasserwirtschaft, Naturschutz, Landwirtschaft, Verwaltung und weiteren gesellschaftlichen Gruppen systematisch erfasst und analysiert. Auf Basis bestehender Beteiligungsprozesse und Fachgespräche werden akzeptanzhemmende Faktoren und gemeinsame Interessen identifiziert. Diese Erkenntnisse werden durch leitfadengestützte Interviews mit ausgewählten Stakeholdern ergänzt und validiert. Der Stakeholderprozess ermöglicht es den Akteuren, sich aktiv in die Entwicklung von Lösungsansätzen einzubringen. Dabei können sie Beiträge, Bedarfe und Rahmenbedingungen benennen, um Synergien zwischen unterschiedlichen Nutzungsinteressen zu erschließen und den Nutzen für alle Beteiligten zu erhöhen. Die Ergebnisse werden mit der Bewertung der Ökosystemleistungen verknüpft. Workshops unterstützen die Diskussion, Priorisierung der Ergebnisse und die Entwicklung konsensfähiger Maßnahmen.

Übersicht

Fördersumme

166.577,00 €

Förderzeitraum

03.04.2026 - 03.04.2028

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Schlagwörter

Landnutzung
Naturschutz
Ressourcenschonung
Umwelttechnik