Projekt 06785/01

Pilotanlage zur automatischen Sortierung und Aufbereitung von Restabfällen

Projektdurchführung

Stadt MünsterAmt für Stadtreinigung und Abfallwirtschaft
Rösnerstr. 10
48127 Münster
Telefon: 0251/6052-45

Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Die Pilotanlage ist eine wesentliches Element bei der Entwicklung des integrierten Restmüllbehandlungskonzeptes der Stadt Münster. In dieser Anlage werden die Siedlungsabfälle mit mechanischen Verfahren sortiert, um Wertstoffe zu gewinnen, die dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt werden sollen. Der Betrieb der RMA und die Optimierung der einzelnen Aggregate wurde verantwortlich vom Ingenieurbüro Dr. Neu Verfahrenstechnik begleitet, während die Konzipierung der Versuche und deren Auswertung dem INFA-Institut für Abfall- und Abwasserwirtschaft oblag. Die wesentlichen Ziele der wissenschaftlichen Begleitung des Pilotanlagenbetriebes sind wie folgt zu beschreiben:
· Ermittlung von Auslegungsdaten für die Großanlage
· Aussagen über die Output ströme
Produkte hinsichtlich Verwertbarkeit
Abfälle hinsichtlich weiterer Behandlungsschritte und/oder Ablagerungsfähigkeit
Abwasser hinsichtlich weiterer Behandlungsschritte
· Ermittlung von Qualität und Quantität der umweltrelevanten Emissionen und Immissionen


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn Anlehnung an die 4 Phasen des Pilotbetriebes sind auch die begleitenden Untersuchungen des INFA zu differenzieren. In den Phasen I und II wurden vom INFA die Versuche 1-5 mit den relevanten, in Münster anfallenden Abfallarten durchgeführt. Schwerpunktmäßig wurde hierbei der zukünftig als besonders mengenrelevant einzustufende Hausmüll untersucht, wobei hier ausschließlich Abfall aus Stadtteilen eingesetzt wurde, in denen die Papier- und Biotonne neben den übrigen Sammelsystemen bereits eingeführt ist.
Zur Ermittlung der für eine Auslegung einer großtechnischen Anlage benötigten Angaben zur Betriebssicherheit und Verfügbarkeit wurden, nachdem die Phase zur Optimierung der Produktqualität weitgehend abgeschlossen werden konnte, Dauerlastversuche (DLV) im Mai/Juni 1998 durchgeführt, bei denen schwerpunktmäßig spezielle betriebstechnische Daten (Anlagendurchsatz, Betriebs-, Wartungs- und Störungszeiten) erhoben wurden.
Während des gesamten Pilotbetriebes wurden die grundlegenden betriebstechnischen Daten sowie die Angaben zu den Massenbilanzen durch das Betriebspersonal aufgenommen.


Ergebnisse und Diskussion

Folgende Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung können zusammengefasst festgehalten werden:
· Werkstoffpotentiale im Input
Der Anteil der trockenen Wertstoffe (Papier, Kunststoffe, Metall, Glas, Holz) liegt zukünftig in Summe bei maximal 50 %, sofern davon ausgegangen wird, dass diese Anteile hinsichtlich ihrer Qualität auch für eine stoffliche Verwertung geeignet sind. Insbesondere beim Holz sind nach vorliegenden Untersuchungen aufgrund der Schadstoffgehalte jedoch bei der stofflichen Verwertung deutliche Einschränkungen vorzunehmen, so dass das für eine Abschöpfung zur Verwertung zur Verfügung stehende Potential geringer ausfällt.
· Anlagendurchsatz und Verfügbarkeit
Während des 3-jährigen Versuchsbetriebes wurden insgesamt ca. 4.600 Mg der in Münster relevanten Abfallarten aufbereitet. Die Auslegungsgröße der Anlage von 3 Mg/h im Mittel wurde während ca. 1.500 Produktionsstunden erreicht. In der übrigen Zeit fand wegen Umbaumaßnahmen und sonstigen Tätigkeiten kein Betrieb statt. Im Rahmen der Dauerlastversuche wurde eine Verfügbarkeit der Pilotanlage von ca. 80 % (inkl. 5 % für An-/Abfahren der Anlage) erreicht. Erfahrungen von Anlagenherstellern und -betreibern zeigen, dass aufgrund der Abfallbeschaffenheit und dessen Heterogenität bei anlagen zur mechanischen Abfallaufbereitung im Dauerbetrieb Anlagenverfügbarkeiten deutlich größer als 80 % als nicht realistisch erscheinen (Willing, 1992, N. N. 1998).
· Energieverbrauch
Die in den Langzeit- und Dauerlastversuchen ermittelten Werte für den Verbrauch an elektrischer Energie liegen in Abhängigkeit der Abfallart bei 210-220 kWh/Mg. Dieser Verbrauch sowie der von der Dr. Neu Verfahrenstechnik für die Großanlage angegebene Wert von ca. 164 kWh/Mg liegen deutlich über den Angaben, die in der Literatur für mechanisch-biologische Anlagen angegeben (ca. 26 kWh/Mg) werden. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass in den herkömmlichen mechanischen Stufen üblicherweise nach der Groß- und Feinzerkleinerung, der Siebung und Sichtung keine weitergehenden Aufbereitungsstufen installiert sind (Tegtmeyer, 1998).
· Massenbilanz
Der Anteil der Outputströme, die einer stofflichen Verwertung zugeführt werden können, liegt für den mengenrelevanten Hausmüll bei zwischen 20 und max. 30 %, inkl. der Fraktionen (z. B. Fasergemisch ca. 7 %) für die eine weitergehende Aufbereitung (intern oder extern) erforderlich ist. Bei den übrigen Abfallarten ist eher der höhere Wert ermittelt worden.Der Anteil der organischen Fraktionen (Feingut + Schlamm), die einer weiteren Behandlung zu unterziehen sind, liegt für Hausmüll in Summe bei ca. 70 %.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung wurden im Rahmen verschiedener Veranstaltungen, z. B. Münsteraner Abfallwirtschaftstage 1999 sowie in der Fachliteratur der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


Fazit

Sofern die im Rahmen des Pilotbetriebes aufgetretenen und bei der Verwertung noch offenen Fragestellungen abschließend beantwortet werden können, ist grundsätzlich eine Umsetzung der geplanten Konzeption aus technischer Sicht möglich.

Übersicht

Fördersumme

569.082,18 €

Förderzeitraum

22.12.1995 - 22.10.1999

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Schlagwörter

Ressourcenschonung
Umwelttechnik