Osnabrück. Sein Leben umspannte mehr als ein Jahrhundert, er war Vorreiter und Vorbild im Umwelt- und Naturschutz, galt als einer der bedeutendsten Ökologen in Deutschland: Am 13. August ist Prof. Dr. Wolfgang Haber im Alter von 100 Jahren verstorben. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) reagiert mit großer Anteilnahme, verbindet sie doch mit Haber ein besonderes Ereignis: Er war 1993 neben dem Unternehmen Foron Hausgeräte GmbH erster Träger des Deutschen Umweltpreises der DBU, der seitdem jedes Jahr vergeben wird. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: „Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen. Professor Haber war einer der Väter der Landschaftsökologie.“

Bonde: Inspirierend für Generationen
Haber sei bei seinem „Engagement für Umwelt, Landschaft und Nachhaltigkeit über Jahrzehnte prägend und inspirierend für Generationen“ gewesen, so Bonde. Der Deutsche Umweltpreis der DBU zeichnet Leistungen von Menschen aus, die vorbildlich zum Schutz und Erhalt der Umwelt beitragen. Bei der Preis-Premiere 1993 war damit auch die Würdigung einer Lebensleistung verbunden: Haber hatte seit Mitte der 1960er-Jahre maßgeblich die wissenschaftliche und umweltpolitische Entwicklung des Natur- und Landschaftsschutzes mitgeprägt – sowohl national als auch auf internationaler Bühne. Den Deutschen Umweltpreis der DBU erhielt Haber 1993 insbesondere für eine von ihm mitentwickelte Methode im Naturschutz, die sich fortan zu einem Standard entwickelte: die Biotopkartierung, also die Erfassung von Lebensräumen in einem bestimmten Gebiet, um deren Bedeutung für den Naturhaushalt bewerten zu können. Bonde: „Er hat sich unermüdlich für die ökologischen Grundlagen des Naturschutzes und der Landschaftspflege stark gemacht. Seine Lehre und Forschungen auf dem Gebiet sind auch deswegen eine Pionierleistung, weil sie den Weg zu den heutigen Erkenntnissen geebnet haben. Sein Wirken wird weiter Früchte tragen.“
Ehrenamtliche Beratung für Universitäten und Umweltexperte für die Bundesregierung
Der Münchner Ökologieprofessor wurde am 13. September 1925 in Datteln/Westfalen im heutigen Landkreis Recklinghausen geboren. Nach dem Studium der Disziplinen Botanik, Zoologie, Chemie und Geographie in Münster, München, Basel und Hohenheim folgte 1957 die Promotion in Münster mit Untersuchungen zu Bakterienbesatz und Atmung verschiedener Naturböden Mitteleuropas. Von 1966 bis 1994 war Haber Universitätsprofessor und Lehrstuhlinhaber für Landschaftsökologie an der TU München in Freising-Weihenstephan, wo er auch nach seiner Emeritierung 1993 weiter tätig war. Ruhestand war für Haber ein Fremdwort: Nach dem Ausscheiden aus dem Wissenschaftsbetrieb widmete er sich in der Wende-Zeit vielmehr der ehrenamtlichen Beratung von Universitäten und Forschungsanstalten in den damals neuen Bundesländern. Er betreute regelmäßig Doktoranden und Diplomanden; die wissenschaftliche Förderung und Stärkung des Studiengangs Ökologie waren ihm ein Herzensanliegen. Auch in der Politik war Habers Expertise von 1970 bis Mitte der 1990er-Jahre gefragt, etwa für die Bayerische Staatsregierung und ebenso für die Bundesregierung, unter anderem als Vorsitzender des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU). Damit nicht genug: Er trug 1970 zur Gründung der Gesellschaft für Ökologie bei, deren Präsident er zeitweise war – ein Amt, das er von 1990 bis 1995 auch beim internationalen Verband für Ökologie, International Association of Ecology, bekleidete. Auch der Deutschen Bundesstiftung Umwelt fühlte sich Haber nach deren Gründung im Jahr 1990 eng verbunden. Bis ins hohe Alter ließ Haber es sich nicht nehmen, Kontakte zur Stiftung zu pflegen und die Verleihungen des Deutschen Umweltpreises persönlich zu besuchen.
Langer Atem, viel Geduld und „die Überwindung von Entmutigung“
Die Fülle von Verantwortung und das Engagement in verschiedenen Organisationen, Gremien und Forschungsanstalten ebenso wie Ehrungen mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Bayerischen Verdienstorden zeigen nach Bondes Worten „eindrucksvoll Habers herausragenden Einsatz für die Belange von Umwelt- und Naturschutz“. Aus Sicht des DBU-Generalsekretärs bleibt Haber aber noch wegen einer anderen Errungenschaft im Gedächtnis. Bonde: „Seinem Einsatz vor mehr als 50 Jahren für die Errichtung der ersten Nationalparke wie des Nationalparks Bayerischer Wald und des Nationalparks Berchtesgadener Land ist es zu verdanken, dass Deutschland heutzutage über zahlreiche derartige Naturjuwele verfügt.“ Haber selbst beschrieb seine Motivation einst so: „Ökologie braucht […] einen langen Atem, viel Geduld und die Überwindung von Entmutigung.“