Naturnahe Waldränder für Vögel, Insekten und Kleinsäuger

Naturschutzmaßnahme und Verkehrssicherung entlang der Straßen im DBU Naturerbe Hartmannsdorfer Forst

Hartmannsdorf/Schneeberg/Hundshübel. Spezielle Forstmaschinen wie Harvester und Schreitbagger werden ab Mitte August bis November die Waldränder entlang der Straßen auf der DBU-Naturerbefläche Hartmannsdorfer Forst nach und nach bearbeiten. Betroffen sind mehr als fünf Kilometer entlang öffentlicher Straßen wie B169, Süßsteinbruchstraße und Torfstraße. Die gemeinnützige Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, gestaltet und erhält damit einen stufigen Waldrand im Sinne des Naturschutzes. Zudem wird die Verkehrssicherheit weiter gewährleistet. Es kann zu temporären Straßensperrungen und Einschränkungen kommen.

Waldränder mit einem fließenden Übergang aus Sträuchern und Kräutern bieten vielen Vögeln, Insekten und Kleinsäugern passende Lebensräume. Da sie allmählich wieder zuwachsen, ist regelmäßig ein Rückschnitt nötig. Das fördert die biologische Vielfalt im DBU Naturerbe.
© Sabine Haas/Bundesforst

Naturnahe Waldrandübergänge als Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten

Bereits in den Jahren zuvor sorgte der Bundesforstbetrieb Thüringen-Erzgebirge koordinierend vor Ort im Auftrag des DBU Naturerbe dafür, dass der Wald nicht abrupt am Straßenrand endet. „Wir haben bewusst aufgelichtet, um einen stufigen Waldrand mit Strauchgürtel und Krautsaum als fließenden Übergang entstehen zu lassen“, sagt Revierleiterin Sabine Haas vom Bundesforstbetrieb. Solche Waldränder mit Sträuchern und Krautsaum seien in Wirtschaftswäldern selten geworden. Dr. Sabrina Jerrentrup, Flächenbetreuerin im DBU Naturerbe: „Der gestufte Übergang bietet etwa für viele Vögel, Insekten und Kleinsäuger passende Lebensräume und ist ein wichtiger Beitrag zur biologischen Vielfalt.“ Im Hartmannsdorfer Forst nutze ihr zufolge beispielsweise die in Sachsen gefährdete Haselmaus die Waldränder. Haas ergänzt: „Es siedeln sich auch selten gewordene Straucharten an, die im Waldesinneren kaum anzutreffen sind, zum Beispiel Haselnuss, Pfaffenhütchen, Weißdorn, Schlehe und viele mehr. Durch ihre Blüten und Früchte ziehen sie von Frühjahr bis Herbst Insekten und Vögel an.“

Stufige Waldränder müssen regelmäßig zurückgeschnitten werden

In einen stufigen Waldrand müsse Haas zufolge regelmäßig eingegriffen werden. „Damit er schön geschlossen, stufig und strukturreich bleibt, setzen wir ihn mosaikartig auf den Stock“, so die Revierleiterin. Sonst wächst er, so Haas, wieder in die Höhe „und wir haben irgendwann erneut eine gerade Front, die wir nicht wollen“. Im DBU Naturerbe beginnen jetzt Arbeiten, um die zunehmend in Straßen, Wege und Parkplätze hineinragenden Sträucher und Bäume zurückzuschneiden. Ein zusätzlicher Aspekt: „Die betroffenen Straßen sind außerdem regelmäßig Schwerpunkt für Wildunfälle“, so Haas. Sie hofft, dass durch die freigeschnittenen Sichtachsen Verkehrsteilnehmende das Wild früher erkennen und reagieren können und sich so die Zahl der Wildunfälle verringert.

Entlang mehrerer Straßen im Hartmannsdorfer Forst endet der Wald abrupt an der Straßenkante. Damit ein stufiger Waldrand im Sinne des Naturschutzes entsteht, sind ab Mitte August Arbeiten mit speziellen Forstmaschinen erforderlich.
© Sabine Haas/Bundesforst

Bodenschonende Maschinen von Unternehmen aus der Region kommen zum Einsatz

Am 18. August geht es los: „Auf mehr als fünf Kilometern entlang öffentlicher Straßen werden wir Bäume entnehmen“, so Haas. Dazu setzt das beauftragte Unternehmen Dieter Richter aus Neukirchen im Erzgebirge in Kooperation mit der Firma Forstservice Zitterbart aus Eibenstock einen sogenannten Harvester ein, der einzelne Bäume stehend fixieren, präzise abschneiden und zielgenau ablegen kann. Zusätzlich komme ein Schreitbagger zum Einsatz, sagt Haas: „Der Vorteil ist bei beiden Maschinen, dass sie boden- und bestandsschonend vorgehen – der Schreitbagger noch mehr als der Harvester.“ Abschließend werden die Gehölze vor Ort kleingehäckselt und abtransportiert. Haas: „Damit erhalten neue Pflanzen wieder Licht und Raum, um sich zu entwickeln.“ Außerdem werde im Sinne des Waldbrandschutzes kein brennbares Material an den Straßen bleiben, das gefährlich werden könnte. Die Arbeiten im Auftrag des DBU Naturerbes sollen nach und nach erfolgen und bis Mitte November abgeschlossen sein. Der Bundesforstbetrieb bittet Verkehrsteilnehmende, geänderte Straßenregelungen zu beachten und aufmerksam zu fahren.

DBU-Naturerbefläche Hartmannsdorfer Forst gehört zum Nationalen Naturerbe

Die DBU-Naturerbefläche Hartmannsdorfer Forst liegt westlich der Stadt Schneeberg im Westerzgebirge. Charakteristisch für die mehr als 1.900 Hektar große Fläche sind neben einem ausgedehnten zusammenhängenden Waldgebiet, mosaikartig vorkommende Heide- und vereinzelt Moorflächen sowie großflächige Wiesen. Eine Besonderheit sind die über 100 Jahre alten Spirken – Nadelbäume mit dunklem Stamm. Offene Flächen, Hecken und Sträucher sowie Wälder bieten eine Vielfalt an Strukturen und somit vielen, darunter auch seltenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Der Keulenbärlapp wächst etwa auf kargen Böden in Nadelwäldern, Heiden und Magerrasen und ist daher eine charakteristische Pflanze des Hartmannsdorfer Forstes.

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