Entwicklung und Erprobung eines Konzeptes für ein Citizen Science-Zentrum Natur, Nachhaltigkeit, Digitalisierung
Projektdurchführung
Museum für Naturkunde Berlin
Leibniz-Institut für Evolutions- und
Biodiversitätsforschung
Invalidenstr. 43
10115 Berlin
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens
In der deutschen Citizen Science-Landschaft bestehen bereits umfassende Expertise und Fachwissen vor allem im Bereich des Natur- und Umweltschutzes sowie der Wissenschaft. Die fortschreitende Digitalisierung eröffnet Projektinitiator:innen neue Chancen, um neues Wissen zu generieren und Bürger:innen aktiv einzubinden, bringt jedoch auch große Herausforderungen, wenn neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) oder Sensorik in die Projekte integriert werden. Um das Innovationspotenzial und die Zukunftsfähigkeit von Citizen Science im Natur- und Nachhaltigkeitsbereich zu stärken, müssen daher neue Schnittfelder geschaffen werden, die Akteur:innen aus der sogenannten Quadruple-Helix (Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft) zusammenbringen und Expertisen-Austausch ermöglichen.
Das Museum für Naturkunde Berlin (MfN), als etablierter Akteur in der Citizen Science-Szene, hat sich in dem hier beschriebenen Projekt zum Ziel gesetzt, ein Citizen Science-Zentrum für Natur, Nachhaltigkeit und Digitalisierung zu entwickeln und exemplarisch zu erproben, um ein nachhaltiges Konzept für die Umsetzung am MfN zu erarbeiten. Grundlage war die Frage, wie ein solcher Transformations- und Innovationsraum auf Basis der gemeinsam mit der Community identifizierten Bedarfe, Anforderungen und Potenziale gestaltet werden könnte.
Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden? Mapping und Netzwerkanalyse der deutschen Citizen Science-Landschaft und Akteur:innen aus Naturschutz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung
? Umfassende Bedarfsanalyse zu Angeboten eines Citizen Science-Zentrums durch eine Online-Umfrage, Interviews, Gespräche sowie Strategieworkshops
? Ausloten und Aufbau neuer Partnerschaften
? Entwicklung und Erprobung modellhafter Workshops mit Akteur:innen aus verschiedenen Interessensbereichen. Konkret waren diese:
? Citizen Science und KI im Umweltschutz (Kooperation mit der KI-Ideenwerkstatt für Umweltschutz (ZUG))
? Meetup: Citizen Science für Naturschutz trifft auf KMUs (Kooperation mit der Mediasphere for Nature, MfN)
? Sammlungserschließung Next Level mit Citizen Science (MfN-intern)
? Fit for Purpose: Citizen Science für das Biodiversitätsmonitoring (Kooperation mit dem Nationalen Monitoringzentrum zur Biodiversität)
? Erstellung eines Konzepts für ein Citizen Science-Zentrum und seinen Angeboten
? Konsolidierung am Museum für Naturkunde Berlin
Ergebnisse und Diskussion
Eine wesentliche Herausforderung bestand darin, Akteur:innen aus der Technologieforschung und der Wirtschaft zu erreichen. Dennoch zeigen unsere Ergebnisse deutlich: In der Community besteht ein großes Interesse sowie ein erheblicher Bedarf an einem Citizen Science-Zentrum für Natur, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.
Dies zeigte sich in einer hohen Gesprächsbereitschaft, positiver Resonanz sowie klar formulierten Bedarfen in Umfragen und persönlichen Rückmeldungen. Insbesondere Fachgesellschaften, ehrenamtlich Engagierte und einzelne Akteur:innen mit begrenzten Ressourcen oder erschwertem Zugang zu anderen Akteursgruppen sehen in einem solchen Zentrum eine wichtige Möglichkeit - sowohl zur Weiterentwicklung bestehender Projekte als auch zur Initiierung neuer Vorhaben.
Die Etablierung eines Citizen Science-Zentrums für Natur und Umwelt wird daher als hoch relevant erachtet. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich ein Naturkundemuseum wie das MfN besonders gut eignet, da es einen neutralen Raum bietet, der als Plattform und Sprachrohr für unterschiedliche Interessengruppen dienen kann.
Die größten Umsetzungspotenziale liegen in modularen Angeboten, insbesondere für Kompetenzaufbau, Vernetzung und fachlichen Austausch, beispielsweise in Form von Beratung, Fachveranstaltungen, Lobbyarbeit und gezieltem Wissenstransfer. Die Schwerpunkte eines Zentrums am MfN würden auf folgenden Säulen beruhen:
? Forschung mit und über Citizen Science
? Professionalisierung von Citizen Science-Aktivitäten
? Stärkung und Vernetzung der Citizen Science-Community
Eine vollständige Konsolidierung am MfN erfolgte jedoch aufgrund interner Prozesse nicht. Vielmehr werden die zuvor genannten Schwerpunkte und angestoßenen Vorhaben in kleinerem Rahmen, aber zielgerichtet in Kooperation mit neu geschlossenen Partnerschaften weitergeführt.
Unsere Ergebnisse liefern wertvolle Einblicke in bestehende Lücken, Potenziale und Bedarfe innerhalb der Citizen Science-Community in Bezug auf ein Citizen Science-Zentrum für Natur, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Zudem bilden sie die konzeptionelle Grundlage für die Weiterentwicklung eines solchen Zentrums und betonen die Bedeutung partizipativer Formate im Entwicklungsprozess. Der Community werden damit praxisnahe, evidenzbasierte Werkzeuge für die Realisierung eines solchen Citizen Science-Zentrums bereitgestellt.
Weitere Informationen zum abgeschlossenen Projekt erhalten Sie auch unter: www.museumfuernaturkunde.berlin/de/forschung/abgeschlossen-entwicklung-und-erprobung-eines-citizen-science-zentrums-fuer-natur
Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation
Alle angebotenen Workshops, wenn nicht als intern gekennzeichnet, waren für die Öffentlichkeit zugänglich (zugeschnitten auf diverse Zielgruppen). Neben den Zielthemen wurde auch das Projekt präsentiert und kommuniziert. Im Falle der deutschlandweiten Umfrage wurde die Projektinformationen über die Social Media Kanäle von mit:forschen (ehemals Bürger schaffen Wissen) und vom Museum für Naturkunde Berlin sowie in der E-Mail zum Teilnahme-Aufruf weiter bekannt gemacht. Darüber hinaus gab es folgende Maßnahmen zum Austausch und zur Außenkommunikation in diversen Veranstaltungen:
Online-Präsentation bei #DBUdigital Online-Salon Transformative Methoden - Potential zur Bewältigung von Nachhaltigkeitsherausforderungen im Workshop I: Citizen Science, Reallabore & Co. Engagement für mehr Nachhaltigkeit, am 10.Februar 2022
Poster-Präsentation des Projektes auf dem Forum Citizen Science 2022 in Bonn, im Mai 2022
Poster-Präsentation des Projektes in Berlin auf der ECSA Tagung 2022, im Oktober 2022
Präsentation ZUG KI-Ideenwerkstatt Fachgruppentreffen in Berlin, am 23. März 2023
Online-Präsentation mit:forschen (ehemals Bürger Schaffen Wissen) - Digitale Mittagspause, am 24.März 2023
Poster-Präsentation in Bielefeld im Bundesfachausschuss Fledermäuse, am 15. April 2023
Präsentation im LANUV NRW in der Tagung Biomonitoring für die Zukunft in Essen, am 13. Oktober 2023
Online-Präsentation auf der ICOM Nathist Annual Conference 2023, am 13. November 2023
Präsentation auf der Umweltbeobachtungskonferenz 2023 vom Bundesamt für Naturschutz in Leipzig, am 14.November 2023
Poster-Präsentation Forum Citizen Science 2023 in Freiburg, am 30. Dezember 2023
Poster-Präsentation auf der ECSA Tagung 2024 in Wien, im April 2024
Poster-Präsentation auf dem European Bat Research Symposion in September 2024
Online-Vortrag #DBUdigital Innovation durch Kooperation- Citizen Science im Zeitalter der Technologie, am 19. September 2024
Weitere Informationen zum Projekt wurden über die folgende Webseite kommuniziert: www.museumfuernaturkunde.berlin/de/forschung/abgeschlossen-entwicklung-und-erprobung-eines-citizen-science-zentrums-fuer-natur
Fazit
Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie liefern wertvolle Einblicke in bestehende Lücken, Potenziale und Bedarfe innerhalb der Citizen Science-Community in Bezug auf ein Citizen Science-Zentrum für Natur, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Zudem bilden sie die konzeptionelle Grundlage für die Weiterentwicklung eines solchen Zentrums und betonen die Bedeutung partizipativer Formate im Entwicklungsprozess. Der Community werden damit praxisnahe, evidenzbasierte Werkzeuge für die Realisierung eines solchen Citizen Science-Zentrums bereitgestellt.