
Lüdinghausen/Seppenrade. Auf der Teilfläche Emkumer Mark der DBU-Naturerbefläche Borkenberge hat sich eine offene Landschaft mit schützenswerten Pflanzengesellschaften wie Sandmagerrasen entwickelt. Doch um den Lebensraum zu erhalten und das Zuwachsen vor allem durch Besenginster, Traubenkirsche, Birken und Kiefern zu verhindern, muss die Fläche regelmäßig gepflegt werden. „Wo Magerrasen mit seiner großen und seltenen Artenvielfalt wächst, darf kein Wald entstehen“, sagt Dr. Jörg Tillmann, stellvertretender Fachlicher Leiter und Offenlandmanager im DBU Naturerbe, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).
Zwei Tage lang packten Bundesforst und Freiwillige Feuerwehr kräftig an
Bereits im vergangenen Sommer wurde die Teilfläche Emkumer Mark mit Schafen beweidet. Stehen gebliebener Gehölzaufwuchs und die sich flächig ausbreitende gebietsfremde Pflanzenart Kanadische Goldrute hatten ein Mulcher anschließend abgeschlegelt, in einem Auffangkorb gesammelt und von der Fläche transportiert. Dadurch wird Tillmann zufolge ein Nährstoffeintrag in die mageren Böden vermieden. „Schafbeweidung und Mulchen wird zur Pflege der nährstoffarmen Offenland-Lebensräume jedoch nicht ausreichen“, sagt Martin Lindenberg vom Bundesforstbetrieb Rhein-Weser. Er ist als Koordinator im Auftrag des DBU Naturerbes unter anderem für die Borkenberge zuständig. Deshalb führten Forstwirte vom Bundesforst im Februar dieses Jahres mit Motorsägen erneut Gehölzrückschnitt durch. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr unterstützten die Forstmitarbeitenden und übten dabei den Umgang mit Kettensägen. Zwei Tage lang packten die rund 20 Teilnehmenden kräftig an.

Kombination aus maschineller Entbuschung und Beweidung ist essenziell
Auf mehr als fünf Hektar wurden etliche mehrjährige Kiefern und Birken gefällt. „Neben der Offenhaltung geht es um das Schaffen lichter Übergänge zwischen Wald und Offenland sowie das Freistellen von einheimischen Eichen“, so Lindenberg. Ein Traktor mit Kran und Rückewagen sammelte die Kiefern nach den Sägearbeiten ein und fuhr sie zum Häckseln von der Fläche. Offenlandmanager Tillmann sagt: „Um den Gehölzaufwuchs in Schach zu halten, ist eine Beweidung der entbuschten Bereiche in Kombination mit maschinellem Rückschnitt in den Folgejahren weiterhin essenziell.“ Immerhin seien in dem Gebiet bis zu zehn Rote-Liste-Pflanzenarten heimisch, wie das in Nordrhein-Westfalen gefährdete Silbergras. Ohne die Beweidung und wiederholte maschinelle Pflege der Silikattrockenrasen ginge ein Paradies für Vögel verloren, darunter viele Arten des Offen- und besonders des vielfältig strukturierten Halboffenlandes. Tillmann: „Deren Bestandsgrößen sind teilweise von landesweiter Bedeutung wie bei Heidelerche und Nachtschwalbe.“
Ehemaliger Truppenübungsplatz dem Naturschutz gewidmet

Ursprünglich entstand das Offenland nicht aus Naturschutzgründen, sondern durch militärische Nutzung. Während im Zentrum der heutigen DBU-Naturerbefläche Borkenberge der Kanonenproduzent Alfred Krupp 1873 einen Schießplatz etablierte, musste die Teilfläche Emkumer Mark Jahrzehnte später als Hubschrauberlandeplatz baumfrei sein. Mehr als zwei Drittel der 1570 Hektar großen DBU-Naturerbefläche Borkenberge sind dagegen bewaldet. Der Grund: „Als der Bergbau im nahegelegenen Ruhrgebiet ab dem 19. Jahrhundert enorme Mengen Holz als Ausbauwerkstoff benötigte, wurde im großen Stil mit schnellwachsenden Kiefern aufgeforstet – auch in den Borkenbergen“, erklärt Tillmann. Ab Mitte der 1930er-Jahre nutzte die deutsche Wehrmacht das Gelände als Flugplatz. Später hielt das britische Militär die verbliebene Sand- und Heidelandschaft für die Militärübungen frei von Gehölzen. Im Jahr 2016 ging die Fläche Borkenberge als Teil des Nationalen Naturerbes an die Stiftungstochter. Im DBU Naturerbe sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, strukturarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden. Zudem möchte die DBU-Stiftungstochter Menschen für die heimische Natur begeistern.