Projekt 39045/01

Projektierung eines herstellerunabhängigen Recyclingprozesses von OP-Instrumenten der Asklepios Kliniken

Projektdurchführung

Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA
Konzernbereich ESG & Sustainability
Rübenkamp 226
22307 Hamburg

Zielsetzung

Die Gesundheitsversorgung von Menschen ist eine sehr ressourcenintensive Aufgabe. Das Fraunhofer ISI gibt an, dass das Gesundheitswesen jährlich bis zu 107 Millionen Tonnen an Rohstoffen verbraucht. Damit ist der Gesundheitssektor der fünftgrößte Rohstoffkonsument in Deutschland. Ein hoher Rohstoffkonsum setzt einen hohen Ressourceneinsatz voraus und führt zu einem hohen Abfallaufkommen. Aus diesem Grund wundert es nicht, dass die Krankenhäuser in Deutschland auch der fünftgrößte Müllproduzent sind. Täglich fallen pro Klinik durchschnittlich sieben bis acht Tonnen Abfall an. Ein hoher Anteil dieses Abfalls sind hausmüllähnliche Abfälle, an deren Sammlung und Entsorgung keine besonderen Anforderungen gestellt werden müssen und teilweise recycelbar sind. Aufgrund fehlender Standards werden die oft hochwertigen Materialien jedoch nicht recycelt, sondern mit dem Restmüll entsorgt und anschließend verbrannt. Das Verbrennen von Abfällen ist jedoch mit hohen CO2-Emissionen verbunden. Dies ist auch der Grund weswegen die Müllverbrennung in das nationale Brennstoffemissionshandelsgesetz aufgenommen wird und hier mit steigenden Kosten für die Abfallverursacher zu rechnen ist.

Ziel des Projekts ist es, hochwertige Materialien separat für ein stoffliches Recycling zu erfassen, die als sortenreine Fraktionen bisher verloren gingen, das Restmüllaufkommen in Krankenhäusern zu reduzieren, durch Recycling von Materialien wertvolle Rohstoffe wiederaufzubereiten und damit den gesetzlichen Anforderungen der Abfalltrennung gerechter zu werden. Zwei Aspekte im Sinne der Umweltentlastung werden mit diesem Projekt beabsichtigt: Schonung von Ressourcen durch das Recycling von Wertstoffen und Reduktion von CO2-Emissionen durch Müllverbrennung.

Arbeitsschritte

Wir konnten die Förderinitiative CirculAid von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt nutzen, um ein herstellerneutrales Recycling-Konzept zu erarbeiten und an Pilotstandorten zu testen. Das folgende Schema zeigt den zeitlichen Ablauf des Vorhabens:

1) Identifikation der Materialien, die aktuell dem klinischen Restmüll zugeführt werden (1 Monat)
2) Identifikation von geeignetem Material, welches einem Recycling-Prozess zugeführt werden kann, in Abstimmung mit den Abfall- und Recyclingunternehmen (1 Monat)
3) Definition eines Trenn- und Recyclingstandards in Abstimmung mit dem klinischen Personal (2 Monate)
4) Einführung des Standards an Pilotstandorten und Durchführung (9 Monate)
5) Anpassung des Konzepts sowie Administration (1 Monat)

Remondis Medison hat bewertet, ob die ausgewählten Einmalinstrumente und -materialien sicher und effizient recycelbar sind. Dabei wurde geprüft, ob die Materialien durch die Recyclingverfahren von Remondis Medison effektiv wiederaufbereitet werden können und ob sich der Recyclingprozess ökologisch und ökonomisch lohnt. Diese Bewertung umfasst Aspekte wie die Art der Materialien, die Recyclingfähigkeit sowie die Umweltbilanz des Prozesses.

Steristics hat sich darauf konzentriert, zu beurteilen, ob die betreffenden Produkte sicher im Handling für die Mitarbeitenden sind, sowie vollständig dekontaminiert werden können ohne dabei Schaden an deren Dekontaminierungsgerätschaften zu verursachen. Dies ist ein entscheidender Faktor, da nur ordnungsgemäß dekontaminierte Produkte für das Recycling geeignet sind, um mögliche Gesundheitsrisiken zu vermeiden und die Qualität des recycelten Materials sicherzustellen.

Ergebnisse

Projektergebnisse:
Das Projekt zur Einführung eines herstellerunabhängigen Recyclingprozesses für OP-Einmalgeräte hat abschließend folgende Ergebnisse hervorgebracht. In den Pilotkliniken konnten wichtige Grundsteine gelegt werden, insbesondere bei der Identifizierung geeigneter Geräte, der Schulung der Mitarbeitenden und der Etablierung eines smarten Sammelprozesses.

Identifikation geeigneter Geräte & deren Sammlung:
Die relevanten OP‑Einmalgeräte wurden klar definiert und systematisch gesammelt. Das Feedback aus den Pilotkliniken zeigt: Der Sammelprozess ist verständlich, praktikabel und wird von den Mitarbeitenden gut angenommen.

Schulungen stärken Bewusstsein & Routine:
Gezielte Schulungen vermittelten ein solides Verständnis für den Recyclingprozess. Ein unterstützendes Informationsplakat im OP erleichterte die Orientierung und förderte die korrekte Handhabung im Alltag.

Messbarer Beitrag zur Ressourcenschonung:
Insgesamt wurden 211,7 kg Materialien aus 353 gesammelten Geräten zurückgewonnen – darunter Metalle, Kunststoffe und weitere Wertstoffe. Die Rückführung dieser Materialien in den Wertstoffkreislauf reduziert den Bedarf an Primärrohstoffen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit.

Vergütung:
Durch die gesammelte Menge ergab sich eine Vergütung von 10,72 € – ein kleiner finanzieller, aber ein großer ökologischer Gewinn.

Herausforderungen & Learnings:
Das Projekt lieferte wertvolle Erkenntnisse für zukünftige Rollouts:
- Logistische Abstimmungen müssen frühzeitig, klar und schriftlich erfolgen.
- Einheitliche Transport- und Sammelprozesse vereinfachen die Umsetzung.
- Kontinuität im Projektteam ist entscheidend; Übergaben sollten strukturiert erfolgen.
- Die Fokussierung auf komplexe Materialgruppen hat sich bewährt.

Öffentlichkeitsarbeit

Die Projektergebnisse wurden in einem Abschlussbericht dokumentiert und allen relevanten Partnern bereitgestellt. Zusätzlich werden die wichtigsten Resultate in internen Besprechungen, Fachforen und Präsentationen vorgestellt, um einen breiten Wissenstransfer zu ermöglichen.

Von den Erkenntnissen profitieren sowohl die beteiligten Partner als auch externe Akteure aus Gesundheitswesen, Recycling, Entsorgung, Logistik und Nachhaltigkeit. Besonders hilfreich sind die Ergebnisse für Kliniken und Entsorgungsunternehmen, die ähnliche Projekte planen. Zudem stärken sie das Bewusstsein für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft bei Mitarbeitenden und Entscheidungsträgern.

Das Projekt wird aus wirtschaftlichen Gründen nicht weitergeführt und endete mit Ablauf der Projektlaufzeit.

Fazit

Das Projekt zeigt, dass ein herstellerunabhängiger Recyclingprozess für OP‑Einmalgeräte ökologisch sinnvoll und grundsätzlich umsetzbar ist. Insgesamt konnten 87 kg Metall, 13 kg Nichteisenmetalle und 78 kg Kunststoff zurückgewonnen werden. Diese Materialien wären sonst thermisch verwertet worden; ihre Rückführung in den Wertstoffkreislauf reduziert den Ressourcenverbrauch und senkt potenziell CO₂ Emissionen. Ökonomisch fiel der Gewinn mit 10,72 € zwar gering aus, verdeutlicht aber das grundsätzliche Potenzial des Ansatzes.
Gleichzeitig traten deutliche Herausforderungen auf: Verzögerte Lieferungen von Mehrwegbehältern, aufwendige Transportprozesse und personelle Veränderungen führten zu Mehraufwand, höheren Kosten und einer Projektverlängerung. Diese Faktoren beeinträchtigten die Wirtschaftlichkeit erheblich.
Trotz der Schwierigkeiten zeigt das Projekt Potenzial für nachhaltige Ressourcenschonung. Für eine erfolgreiche Weiterentwicklung müssen Prozesse optimiert und Kooperationen gestärkt werden. Zudem tragen nicht nur Kliniken Verantwortung: Hersteller sollten bereits bei der Produktentwicklung die Recyclingfähigkeit berücksichtigen. Zukunftsorientiertes Design, nachhaltige Materialien und ein unabhängiges Rücknahmesystem – ähnlich einem Pfandmodell – könnten die Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen entscheidend voranbringen. Dafür müssen auch gesetzliche Rahmenbedingungen weiterentwickelt werden, um Kreislaufwirtschaft im medizinischen Bereich zu fördern.

Übersicht

Fördersumme

38.407,00 €

Förderzeitraum

12.03.2024 - 31.05.2025

Bundesland

Bundesrepublik Deutschland

Schlagwörter

Bundesrepublik Deutschland
Resource conservation
Umwelttechnik