Projekt 38073/01

Waldweide im Hasbruch

Projektdurchführung

Landkreis Oldenburg
Stabsstelle für Fördermittelmanagement
Delmenhorster Str. 6
27793 Wildeshausen

Zielsetzung

Über viele Jahrhunderte hinweg war die Waldweide ein wesentlicher Bestandteil der landwirtschaftlichen Nutzung. Wälder dienten nicht nur der Holzgewinnung, sondern wurden auch als Weideflächen für Nutztiere genutzt und spielten damit eine wichtige Rolle für die Versorgung der Bevölkerung. Diese gemeinschaftlich genutzten Flächen, die als Allmende bezeichnet wurden, standen allen Mitgliedern der Dorfgemeinschaft offen. Ab dem Frühjahr wurde das Vieh in die Wälder getrieben, im Herbst kamen Schweine zur Mast in die Eichenwälder, während für den Winter das Laub von sogenannten Schneitelbäumen geerntet, getrocknet und als Futter verwendet wurde. Neben ihrer wirtschaftlichen Bedeutung beeinflusste die Waldweide die Landschaft nachhaltig und trug zur Entstehung artenreicher Lebensräume bei. Durch die offene Waldstruktur entwickelte sich eine besondere Kulturlandschaft, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bot. Diese durch die Nutzung entstandenen besonderen Waldstrukturen sind heute selten geworden und nur noch als Relikte vorhanden, in den sog. „Urwäldern“.
Auch heute noch lassen sich die Auswirkungen dieser historischen Nutzungsform im Hasbruch erkennen. Hier endete die Waldweide zwar bereits im Jahr 1882, doch alte Masteichen und geschnittene Hainbuchen erinnern weiterhin an diese Epoche. Gleichzeitig brachte die intensive Nutzung erhebliche ökologische Probleme mit sich: Überweidung und die Entnahme von Streu führten zur Verarmung der Böden. In der Folge breiteten sich auf nährstoffarmen Standorten Heideflächen aus, und es entstanden offene, sandige Areale, die als „wüst“ galten, da dort kaum noch Vegetation wuchs. Diese Entwicklungen sowie der zunehmende Mangel an Holz machten eine Umstellung der Forst- und Landwirtschaft notwendig.
In der Gegenwart erlebt die Waldweide im Rahmen ausgewählter Naturschutzprojekte eine neue Bedeutung. Ziel ist es, historische Nutzungsformen wiederzubeleben, um wertvolle Lebensräume zu erhalten, die Artenvielfalt zu stärken und harte Feld-Wald-Grenzen aufzuheben. Auch im Hasbruch wird dieses Konzept aufgegriffen: Seit Mai 2023 weiden hier inzwischen siebzehn Schottische Hochlandrinder auf einer Fläche von 36 Hektar, um die ökologische Besonderheit dieser Landschaft mit ihren seltenen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und zu erneuern.

Arbeitsschritte

Zentrale Grundlage des Projektes ist die extensive Beweidung der 36 ha großen Projektfläche mit Schottischen Hochlandrindern, die seit Mai 2023 ganzjährig Zugang zum gesamten Gebiet haben.
Die Begleitung des Waldweideprojektes im Hasbruch ist Teil des Verbundprojekts "Vielfalt in Geest und Moor - Landschaft im Wandel der Zeiten", das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums und durch das Land Niedersachsen gefördert wird, die Umsetzung der Beweidung vor Ort wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.
Die vorgesehenen Arbeitsschritte zur Umsetzung und Begleitung des Waldweideprojektes werden kontinuierlich fortgeführt und teilweise weiterentwickelt.
Die tägliche Betreuung und Kontrolle der Tiere durch den zuständigen Landwirt stellt dabei eine wesentliche Voraussetzung für einen reibungslosen Projektablauf dar und ermöglicht ein frühzeitiges Erkennen von Veränderungen sowohl bei der Tiergesundheit als auch im Gelände.
Ein wichtiger methodischer Baustein ist die regelmäßige Abstimmung innerhalb der Steuerungsgruppe, mit Mitgliedern vom Landkreis Oldenburg, den Niedersächsischen Landesforsten und der Naturschutzstiftung Landkreis Oldenburg, die vierteljährlich zusammenkommt und bei Bedarf kurzfristig kommuniziert. Die Treffen finden zunehmend direkt im Projektgebiet statt, wodurch Managemententscheidungen stärker an den aktuellen Zustand der Flächen gekoppelt werden konnten.
Zur Bewertung der Vegetationsentwicklung wird ein Monitoring auf 16 Dauerflächen durchgeführt. Die Erhebungen dokumentieren sowohl Veränderungen in der Artenzusammensetzung als auch strukturelle Effekte der Beweidung. Ergänzend wurden Pflegemaßnahmen umgesetzt, darunter Gehölzentnahmen in einem stark verbuschten Gewässerabschnitt, sowie gezielte Mahdmaßnahmen zur Reduzierung der Binsendominanz auf einer Teilfäche. Letztere erfolgen standortangepasst mit späten Mahdterminen und mit Abstand zum Waldrand, um eine Entwicklung des Waldrandes auf die Fläche zuzulassen. Die Kombination aus Beweidung, Monitoring und punktuellen Eingriffen bildet die methodische Grundlage zur Entwicklung eines dynamischen Weide-Mosaiks.

Ergebnisse

Die bisherigen Entwicklungen und Ergebnisse im Projekt zeigen deutlich, dass sich durch die Beweidung kleinräumig differenzierte Strukturen herausbilden. Besonders in den Grünlandbereichen ist der Einfluss der Rinder stark sichtbar: Kurzrasige Bereiche, Trittstellen, Trampelpfade sowie nährstoffreiche Zonen rund um Dunghaufen prägen das Bild. Diese Heterogenität begünstigt die Ausbildung eines vielfältigen Weide-Mosaiks und schafft Lebensräume für spezialisierte Pflanzen- und Tierarten. Das Grünland befindet sich insgesamt noch in einem Aushagerungsprozess.

In den Waldflächen sind die Effekte zwar bislang deutlich schwächer ausgeprägt aber doch zunehmend sichbar und vor allem an den Waldrändern deutlich. Dies entspricht den Erwartungen, da die Tiere derzeit noch eine klare Präferenz für offene Flächen zeigen und sich die Nutzung des Waldes erst über längere Zeiträume verstärken dürfte, wenn das Grünland weniger Futter bietet und die Tiere die Vegetation der Waldflächen gut kennengelernt haben.
Die Entfernung dichter Erlenbestände südwestlich des Aussichtsturms führte zu einer deutlichen Strukturöffnung in diesem Bereich, wobei der Verbiss nun aufwachsender junger Erlen durch die Rinder das Offenhalten unterstützt, jedoch nicht vollständig ersetzen kann. Hier werden weiterhin von Zeit zu Zeit Pflegeaktionen durchgeführt werden müssen.

Die zurückliegenden feuchten Jahre begünstigten die Ausbreitung von Feuchtezeigern und beeinflussten die Vegetationsentwicklung, unterstützen z. B. die starke Entwicklung der Binsen auf einer Teilfläche. Die gezielte Mahd der Binsen westlich des Fließgewässers erwies sich als wirksame Maßnahme zur Reduzierung ihrer Dominanz. In Kombination mit der Beweidung entstand ein aufgelockerter Bewuchs mit höherer struktureller Vielfalt. Insgesamt sprechen die bisherigen Ergebnisse für eine positive Entwicklung im Sinne der Projektziele, erfordern jedoch Geduld und Akzeptanz für dynamische Prozesse.

Öffentlichkeitsarbeit

Die Öffentlichkeitsarbeit stellt einen wichtigen Bestandteil des Projektes dar und trägt wesentlich zur regionalen Wahrnehmung des Waldweideprojektes im Hasbruch bei.
Es gibt Projektvorstellungen vor Ort und einen Flyer mit Hintergrundinformationen, der von den Gästeführern genutzt wird und über die Touristeninformation erhältlich ist.
Für Kinder im Grundschulalter wurde ein Tier-Bastelbogen eines Hochlandrindes entwickelt, der als Download über die Projektwebsite erhältlich ist und Informationen über den Nutzen der Waldweide enthält.
Zudem dient das Projekt als Interviewgegenstand für Studierende aus dem In- und Ausland, was den Wissenstransfer zusätzlich zum überregionalen Fachaustausch fördert.

Projekt-Site "Vielfalt in Geest und Moor"

Fazit

Das Waldweideprojekt im Hasbruch zeigt im bisherigen Verlauf, dass die Wiederaufnahme einer historischen Nutzungsform ein wirkungsvolles Instrument zur Förderung strukturreicher Lebensräume sein kann. Die extensive Beweidung in Kombination mit gezielten Pflegemaßnahmen und begleitendem Monitoring hat bereits nach kurzer Zeit zu einer deutlichen strukturellen Differenzierung insbesondere der Grünland- und Waldrandbereiche geführt.

Gleichzeitig wird deutlich, dass viele der angestrebten Effekte – vor allem in den Waldflächen – langfristige Prozesse sind, die Zeit, Kontinuität und die Akzeptanz natürlicher Dynamiken erfordern. Die enge Zusammenarbeit der beteiligten Akteure sowie die breite öffentliche Resonanz bilden hierfür eine stabile Grundlage.

Für die kommenden Jahre ist es entscheidend, das Projekt organisatorisch und finanziell zu verstetigen, das Management weiter anzupassen und die fachliche Begleitung fortzuführen. Damit bietet das Waldweideprojekt im Hasbruch gute Voraussetzungen, sich langfristig als Modellprojekt für naturnahe Beweidung und den Erhalt historischer Hutewaldstrukturen zu etablieren.

Übersicht

Fördersumme

121.855,00 €

Förderzeitraum

01.02.2023 - 01.02.2028

Bundesland

Niedersachsen

Schlagwörter

Land use
Nature Conservation
Lower Saxony