Die Hutewälder Rumäniens in Transsylvanien: Ökologie, landbauliche Perspektiven und nachhaltige Einbindung in die Kulturlandschaftsentwicklung
Projektdurchführung
Hochschule Trier
Umwelt-Campus Birkenfeld
Institut für angewandtes Stoffstrommanagement - IfaS
Geb. 9926 Raum 26/113
55761 Birkenfeld
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens
Eine der wichtigsten Nachhaltigkeitsherausforderungen für heutige und künftige Gesellschaften ist die Frage, wie die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die landwirtschaftliche Produktion und die soziokulturellen Werte in Einklang gebracht werden können. In dieser Hinsicht bieten die traditionellen Agrarlandschaften Europas ideale Voraussetzungen. Innerhalb dieser Landschaften stellen die alten Hudewälder Schlüsselelemente der ökologischen und kulturellen Identität Europas dar (Vera 2000, Plieninger et al. 2015).
Das übergeordnete Ziel dieses Projektes war es daher, eine umfassende Bestandsaufnahme der rumänischen Hudewälder in Siebenbürgen mit ihren Best-Practice-Beispielen durchzuführen und Empfehlungen für die Praxis und den dort zu verankernden angewandten Naturschutz zu erarbeiten. Zwei Arbeitsgruppen der Babes-Bolyai-Universität und der Hochschule Trier arbeiten und ergänzen sich bei der Bearbeitung der Hudewälder in ökologischen, biologischen, ökonomischen und sozialen Themen.
Auf der Ebene Europas weisen die Hudewälder eine sehr unterschiedliche Physiognomie auf, die von verstreuten bis zu dichteren Bäumen und Sträuchern auf den Weiden reicht (Küster 2010, Ellenberg & Leuschner 2010, Hartel & Plieninger 2014), aber ihre Gemeinsamkeiten sind, dass (i) die Waldvegetation ein charakteristisches Merkmal dieser Systeme ist und (ii) die Weidehaltung der Tiere ein wesentliches Element ihrer Bewirtschaftung darstellt (oft ergänzt durch kleine Acker- oder Heuflächen) (Moreno et al. 2018). Die aktuell dramatischen und nicht mehr kurzfristig reversiblen Verluste alter Hudewälder durch Fällung z.T. uralter Bäume werden aktuell überwiegend durch die Aktivierung der Flächenprämie über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union, und hier „nur“ für eine kurzfristige landwirtschaftliche Ertragssteigerung, ausgelöst. Diese paradoxe Situation einer subventionierten Zerstörung dieser einzigartigen Kulturgüter in Europa muss so schnell wie möglich gestoppt werden. Denn das Naturerbe der Europäischen Union (= grünes Kulturerbe) wird z.T. durch die Landwirtschaftspolitik im eigenen Haus irreversibel geschädigt, insofern muss diese außergewöhnliche Bedrohung sehr ernst genommen werden. Es macht keinen Sinn, erst Geldmittel (wenn auch indirekt und nicht mit dieser Absicht) für die Zerstörung von Europäischen Naturschätzen auszugeben, um dann wiederum Geldmittel in den Jahrhunderte währenden Wiederaufbau dieser grünen Kulturgüter zu investieren (das sind verschwendete Europäische Steuergelder aufgrund falscher staatlicher Anreize). Es ist durchaus angebracht, die außergewöhnliche biologische und biogeographische Vielfalt Rumäniens mit dem Reichtum des Amazonas zu vergleichen.
Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden
Aus akademischer Sicht hat das DBU-Projekt acht wissenschaftliche Artikel hervorgebracht, die in Fachzeitschriften mit wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren (Peer-Review) veröffentlicht wurden. Alle Fachartikel basieren auf umfangreichen Erhebungen in 110 Hudewäldern.
Aus formaler politischer Sicht trug das DBU-Projektteam zur Entwicklung eines neuen Gesetzes bei, das sich speziell mit den großen alten Bäumen Rumäniens befasst (d. h. das Gesetz 97/2023 zum Schutz bemerkenswerter Bäume), und ein Teammitglied trug auch zur Entwicklung eines neuen Forstgesetzes (2024) bei.
Unter dem Gesichtspunkt der Einbindung der lokalen Gemeinschaften führte das DBU-Projekt ein umfangreiches Feldforschungsprogramm durch, das den direkten Austausch mit den Menschen beinhaltete, die in den Hudewald-Landschaften leben und arbeiten. Im Rahmen dieser Arbeiten führte das Forschungsteam 32 halbstrukturierte Interviews und Fokusgruppen mit 55 Teilnehmern an 16 Orten in Siebenbürgen durch. In diesen Interviews wurden lokales Wissen, kulturelle Bedeutungen und Erfahrungen in Bezug auf die Nutzung, die Umwandlung und den symbolischen Wert von Hudewäldern erfasst. Zu den Befragten gehörten Bauern, Hirten, Förster, Gemeinschaftsland-Verwalter (Allmende) und andere Gemeindemitglieder mit langfristigen Verbindungen zu diesen Landschaften.
Darüber hinaus wurden im Rahmen des DBU-Projekts drei Aktivitäten auf Gemeindeebene durchgeführt, an denen jeweils mindestens 20 Teilnehmer mitwirkten. Zunächst wurde im Juli 2023 in Deutschweißkirch eine zweitägige Zukunftswerkstatt organisiert, die sich mit der Vision einer Zukunft der Hudewälder befasste. Die Veranstaltung präsentierte die wichtigsten Ergebnisse der Feldbefragungen, Interviews und Fokusgruppen und brachte 25 Teilnehmer aus drei verschiedenen Kulturregionen Siebenbürgens zusammen. Zweitens fand in Sfântu Gheorghe (Sepsiszentgyörgy) ein zweitägiger Workshop zur partizipativen Kartierung statt, der darauf abzielte, die soziokulturellen Werte des nahe gelegenen Hudewaldes zu erforschen und zu visualisieren. An dieser Veranstaltung im Jahr 2023 nahmen rund 70 Bürger aus der Region teil. Drittens wurde im Jahr 2024 in Deutschweißkirch eine dreitägige Aktion zur Restitution des Hudewaldes durchgeführt, an der 20 Studenten und Senioren der Babeș-Bolyai-Universität in Zusammenarbeit mit und unter Anleitung von Mitgliedern der lokalen Bauerngemeinschaft teilnahmen. An den Interviews, Fokusgruppen und den drei Aktivitäten auf Gemeindeebene nahmen 167 Personen teil.
Ergebnisse und Diskussion
Bis September 2025 konnte das Projektteam im Rahmen des Projekts sieben wissenschaftliche Artikel veröffentlichen (Open Access). Ein weiteres wichtiges Manuskript über die Koexistenz von Bären und Menschen ist aktuell im Begutachtungsverfahren bei der Fachzeitschrift „Ecology and Society“ (Bear feeding in wood-pastures varies by landscape naturalness, ancientness, and local density, without direct links to electric fences; Article code: ES-2025-16231). Damit werden vor. insgesamt acht wissenschaftliche Artikel die Ergebnisse dieses Projekts dokumentieren.
Alle Publikationen entstanden in enger Zusammenarbeit des gesamten Teams und sind frei zugänglich. Wir haben gezielt auch wichtige lokale Partner eingebunden, um die Ergebnisse aus unserer Zusammenarbeit von Praxis und Wissenschaft sichtbar zu machen. Denn diese Partner haben mit ihren Beiträgen einen echten bemerkenswerten Mehrwert für die Arbeiten geschaffen.
2023: Artikel in Frontiers in Environmental Science, geleitet von Masterstudentin Diana Murariu. Rele-vanz: AP1 und AP2.
2023: Artikel in Trends in Ecology and Evolution, geleitet von Tibor Hartel. Relevanz: AP2 und AP3. Die-se Zeitschrift gilt als die wichtigste im Bereich Ökologie und Evolution und es war das erste Mal, dass eine rumänische Hauptautorenschaft dort vertreten war. Der Artikel wurde von der Redaktion sogar unter die 16 herausragendsten Beiträge des Jahres 2023 gewählt. Entstanden ist er in Kooperation mit der Leuphana Universität in Deutschland, die ebenfalls DBU-Fördermittel erhalten hat.
2023: Artikel in Applied Vegetation Science, geleitet von Regina Lindborg. Relevanz: AP1. Dieser Beitrag zählte über sechs Monate hinweg zu den meistgelesenen Artikeln der Zeitschrift. Er zeigt den hohen öko-logischen Wert von halbnatürlichem Grünland, insbesondere von Hudewäldern.
2023: Artikel in Conservation Science and Practice, passend zur Projektkomponente „Alte Bäume“. Relevanz: AP1. Hier wurde eines unserer wichtigsten Projektergebnisse vorgestellt: ein neues Gesetz zum Schutz alter Bäume. Seit April 2023 sind damit große, alte Bäume in Hudewäldern offiziell geschützt (Gesetz 97/2023 zum Schutz bemerkenswerter Bäume Rumäniens, entwickelt mit unserem TWP-Team).
2024: Artikel in Scientific Reports, gemeinsam mit Kollegen der Physikfakultät der BBU. Relevanz: AP1. Hier wurden unsere Baumdaten genutzt, um eine neuartige Gleichung zur Erklärung der Baumgrößenverteilung zu testen.
2024: Artikel in Ecosystems and People, der auf Daten von 110 untersuchten Hudewäldern basiert. Relevanz: AP1, AP2 und AP3. Der Artikel ist ein weiteres zentrales Ergebnis aus unserem Projekt und untersucht, welche Ökosystemleistungen Hudewälder bereitstellen. Eine Zusammenfassung ist auf unserer Webseite abrufbar.
2025: Artikel in People and Nature als wissenschaftliche Referenz für das gesamte Projekt: Es handelt sich um die erste biokulturelle Bewertung von Hudewäldern in Europa und weltweit. Mit einem klaren Konzept und neuen Methoden zeigt der Artikel, wie sich biokulturelle Systeme erfassen und bewerten lassen. Autoren sind hier alle Mitglieder unseres TWP-Teams. Relevanz: AP1, AP2 and AP3.
2025 im Begutachtungsverfahren: Artikel in Ecology and Society der die Bedeutung einer integrierten Landschaftsplanung und eines adaptiven Managements für eine nachhaltige Koexistenz von Menschen und Bären in Kulturlandschaften unterstreicht. Titel: Bear feeding in wood-pastures varies by landscape naturalness, ancientness, and local density, without direct links to electric fences (Article code: ES-2025-16231). Relevanz: AP1, AP2 and AP3.
Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation
Aus der Perspektive der Öffentlichkeitsarbeit haben wir ein Logo, eine eigene Internetseite und ein Videokanal in vier Sprachen (Ro, Hu, En, De) aufgebaut. Die Videofilme wurden in einer der vier Sprachen gedreht und mit Untertiteln der drei weiteren Sprachen ausgestattet. Diese wurden aus einem Pool von insgesamt 76 besuchten Orten und Interviews, die gefilmt und damit dokumentiert wurden, hergestellt.
Internetseite:
https://transylvanian-wood-pastures.eu/
YouTube-Kanal:
https://www.youtube.com/@transylvanian-wood-pastures/videos
Am 14.06.2022 wurde der Kanal eingerichtet, verfügt über 228 Abonnenten und verzeichnete bisher 10.443 Aufrufe (Stichtag: 24.09.2025).
Im Mai 2024 nahmen wir mit einigen weiteren KollegInnen aus unserem Hudewald-Netzwerk an einem Workshop der Hochschule Eberswalde in Deutschweißkirch teil. Hier konnten wir unser Wissen aus den bisherigen Ergebnissen für den Biodiversitätsschutz und eine nachhaltige Regionalentwicklung in Südosteuropa in einer partizipativen Analyse der Potenziale und Herausforderungen unterschiedlicher raum-zeitlicher Förderansätze einbringen (DBU Aktenzeichen 38697).
Die Ergebnisse des DBU-Projektes wurden von unserem Team auf dem internationalem LIFE-Plattformtreffen zur Waldrestaurierung in Europa im Juni 2025 in Kronstadt vor 90 Teilnehmern aus 17 EU-Mitgliedstaaten, Großbritannien und Serbien vorgestellt, die 38 LIFE-Projekte sowie relevante Horizon- und Interreg-Initiativen vertraten. In Kombination mit den beiden LIFE-Projekten AFaktive und ZENAPA spannten wir das Thema von den Hudewäldern bis zu den modernen Agroforstsystemen in Deutschland auf und verdeutlichten den unschätzbaren Wert der Lern- und Entwicklungsprozesse aus traditionellen hin zu neu entwickelten Systemen auf Acker und Weideflächen. So gelang es uns, unsere Ergebnisse und lessons learnt über die rumänische und deutsche Agroforstwirtschaft auch der Europäischen Exekutivagentur Klima-, Infrastruktur und Umwelt (CINEA), der Generaldirektion Umwelt (GD ENV) der Europäischen Kommission und der Stiftung Naturschutz Carpathia (FCC) vorzustellen. (Link:
https://www.carpathia.org/life-platform-meeting-on-forest-restoration-in-europe/).
Daneben gab es mindestens 5 Auftritte in den Massenmedien (Fernsehen und Zeitungen) und mehr als 5 Workshops und Vorträge in weiteren Fachtreffen. Darüber hinaus muss auch erwähnt werden, dass in unserem DBU-Projekt drei Masterstudenten (aus Rumänien, Deutschland und der Schweiz) ihre Abschlussarbeiten zu verschiedenen Aspekten der siebenbürgischen Hudewälder angefertigt haben.
Fazit
Als Gesamtfazit stellen wir fest, dass sich unsere Vorgehensweise bewährt hat und eine hohe Ergebnisqualität und -dichte erarbeitet werden konnte. Netzwerke sind entstanden, die eigenständig und nun mit mehr Verbindungen und Beziehungen ausgestattet weiter an und in den Hudewäldern arbeiten. Diese Grundlagen werden auch in Zukunft einen großen Nutzen für die Erhaltung und Revitalisierung der Hudewälder Rumäniens haben. Aus europäischer Sicht ist es nicht nur dringend, diese unschätzbaren grünen Kulturgüter zu erhalten, sondern auch geboten, dafür rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen und ein unkompliziertes und effektives Förderprogramm aufzulegen.