World Cleanup Day: Effiziente Müllsammlung per KI

DBU fördert Startup Zebrafant.ai mit 125.000 Euro
Scan per Smartphone: Mit einem Foto wird der Füllstand von Glascontainern erfasst (Bild). Aus diesen Daten erstellt Zebrafant.ai effektive Routen für die Müllabfuhr. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt.
© Zebrafant.ai

Osnabrück. Herumliegender Abfall in Nachbarschaft und Umwelt ist für viele Menschen ein Ärgernis – und belastet Natur und Städte gleichermaßen. Deshalb steht der World Cleanup Day heute (Sonntag)im Zeichen des gemeinsamen Entsorgens von Müll. Doch bei den Sammelaktionen muss es nicht bleiben: Das Startup Zebrafant.ai aus Weisenheim am Sand (Rheinland-Pfalz) entwickelt eine effektive, von künstlicher Intelligenz (KI) gestützte Tourenplanung für öffentliche Depotcontainersysteme. Diese Software soll die Umwelt sauber halten, klimaschädliche Emissionen reduzieren und sich auch finanziell für Entsorgungsfirmen lohnen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das green Startup mit 125.000 Euro.

Optimierung der Abfallsammlung im öffentlichen Raum

Die Zebrafant.ai-Gründer Peter Jung (l.) und Philipp Kiesling sehen in KI-basierter, effektiver Routenplanung für Abfallentsorger viele Vorteile, darunter weniger klimaschädliche Emissionen, sauberere Städte und geringere Kosten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit 125.000 Euro.
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Menschen für das fachgerechte Entsorgen von Abfall zu sensibilisieren, ist laut DBU-Generalsekretär Alexander Bonde essenziell. „Richtig entsorgter Müll ermöglicht effektives Recycling, reduziert den Verbrauch zusätzlicher Ressourcen und hält zugleich Städte und Natur sauber“, so Bonde. Gemeinsam für abfallfreie Umwelt und Gemeinden zu sorgen, ist auch Appell des heute zum neunten Mal stattfindenden World Cleanup Days. Der aus Estland stammende Aktionstag ist inzwischen Teil des offiziellen Kalenders der Vereinten Nationen (UN). An Lösungen für effiziente Abfallsammlung arbeitet ebenfalls das Startup Zebrafant.ai. Mitgründer Peter Jung: „Derzeit sammeln wir Müll trotz moderner Ansätze noch genauso wie in den 1990er-Jahren. Das wollen wir verbessern.“ Eine eigene Software auf Basis von KI (Englisch: Artificial Intelligence, AI) messe mithilfe eines schnellen Foto-Scans die Füllstände öffentlicher Sammelcontainer vor der Leerung. „Auf Basis dieser Daten können künftige Auslastung prognostiziert und optimale Tourenpläne berechnet werden. Die Mülleimer werden weder zu früh noch zu spät geleert“, so Jung. Möglich sei dies perspektivisch bei allen öffentlichen Abfallsammelstellen von kleinen Behältern bis zu großen Containern. Zunächst konzentriert sich das Startup allein auf die Sammlung von Glas und Altkleidern. Der Mitgründer weiter: „Durch KI-gestützte Tourenplanung sehen wir bei unseren Kunden bis zu 40 Prozent weniger Leerungstage und Fahrzeugstunden. Dadurch können Kosten und klimaschädliche Transport-Emissionen deutlich reduziert werden.“ Durch die bedarfsgerechte Leerung der Abfallbehälter werden Jung zufolge zudem Überfüllungen und damit Verschmutzungen öffentlicher Plätze vermieden. Hinzu käme ein anderer Effekt: „Weniger Fahrten in der Altglassammlung entlasten zugleich das vorhandene Fahrpersonal und helfen Entsorgungsunternehmen, dem zunehmenden Mangel an Berufskraftfahrern zu begegnen.“

Schnelle Beseitigung von Unrat neben Containern

Die Leerung von Glascontainern zählt zu den Komponenten einer KI-basierten, effizienten Tourenplanung für Müllwagen, durch die das Startup Zebrafant.ai 40 Prozent der Fahrten und somit Kosten sowie klimaschädliche Emissionen reduzieren will. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Vorhaben mit 125.000 Euro.
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Jung zufolge ist die Abfrage der notwendigen Daten schnell möglich: „Mit einer Smartphone-App scannen Angestellte der Abfallentsorger binnen Sekunden die Füllstände aller Behälter auf ihrer Route. Per GPS (Satellitennavigation) werden sie direkt einem Standort zugewiesen.“ Sechs bis zwölf Wochen dauert die Erfassungsphase, in der diese Daten ausgewertet und die KI trainiert werden. Daraus erstellt Zebrafant.ai für die jeweiligen Betriebe optimale Routen und aktualisiert sie regelmäßig. „Das Scannen der Füllstände bleibt Routine auf den Fahrten. So können wir auf Änderungen schnell reagieren“, sagt Jung. Außerdem ermögliche die App zügige Meldungen von Verschmutzungen. Jung: „Glascontainer sind schnell überfüllt. Oft wird anderer Müll einfach daneben abgestellt. Zeitnahe Hinweise durch Angestellte helfen, solchen Unrat schnell zu beseitigen.“ Positiver Nebeneffekt: Blockierungen durch falsch geparkte Autos können behoben, störendes Unkraut sogleich entfernt werden. „Seit Kurzem testen zudem wir das Anbringen wetterfester Aufkleber an den Containern zur schnellen Kontaktaufnahme durch die Bürger via QR-Code-Scan. Verschmutzungen oder Defekte können unmittelbar mitgeteilt werden“, sagt Jung.

Entlastung der vorhandenen Arbeitskräfte

Aktuell arbeitet das achtköpfige Team von Zebrafant.ai mit Abfallentsorgern aus rund 30 Kommunen in sieben Bundesländern zusammen, darunter Bayern, Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Insgesamt etwa drei Millionen Menschen wohnen nach Angaben des Startups in diesem Einzugsgebiet. Ein Ergebnis zeigt sich laut Jung schon jetzt: „Die deutlich reduzierte Zahl an Touren zur Abfallbeseitigung schont nicht nur die Umwelt, sondern entlastet Entsorgungsunternehmen finanziell.“ Dies sei ein zusätzlicher Anreiz für umweltschonende Maßnahmen. Stellenstreichungen sind laut Jung aber nicht zu befürchten: „Die Branche klagt über Personalengpässe, die qualifizierten Arbeitskräfte werden also dringend gebraucht.“

Über die Green Startup-Förderung

Mit der Green Startup-Förderung unterstützt die DBU Gründerinnen und Gründer, die auf innovative und wirtschaftlich tragfähige Weise Lösungen für Umwelt, Ökologie und Nachhaltigkeit entwickeln. Mehr Informationen gibt es unter https://www.dbu.de/startup.

Bei fachlichen Fragen: (AZ 35508/78): Peter Jung, Tel. +49 155 65651702

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