Streuobst: Investition in die Zukunft

DBU Naturerbe pflanzt Obstbäume im Frauenholz
Streuobstanbau zählt zum immateriellen Kulturerbe. Das DBU Naturerbe sieht die neu gepflanzten Obstbäume mit ihrem Blütenreichtum in spe als Investition in die Zukunft.

Oberhinkofen. Insgesamt sollen es rund 70 hochstämmige Obstbäume auf der DBU-Naturerbefläche Frauenholz zusätzlich werden. Die ersten 36 Neupflanzungen sind nun alleeartig entlang von Wegen im Auftrag des DBU Naturerbes vom Bundesforstbetrieb Hohenfels gesetzt. Die Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat dazu Mittel des Streuobstpakts Bayern bewilligt bekommen.

Seit 1965 bereits 70 Prozent der Streuobstflächen in Bayern verloren gegangen

Vor Jahrzehnten schmückten im Frühjahr vielerorts blühende Obstbaumwiesen die Ränder von kleineren und größeren Siedlungen in Mitteleuropa. Ihr Nutzen: Sie garantierten vitaminreiche Kost von Sommer bis Herbst und noch länger, wenn etwa Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen gelagert, eingemacht oder als Mus haltbar gemacht wurden. „Gleichzeitig diente der Blütenreichtum als Nahrungshabitat für viele Bestäuber wie Honigbienen, Hummeln und andere Wildbienen“, sagt Dr. Roland Schröder, Offenlandmanager im DBU Naturerbe. Und mehr noch: „Ein Paradies mit vielen Benefits für ein großes Artenspektrum“ seien ihm zufolge Streuobstbestände im Allgemeinen. So könnten „Bäume ab einem Alter von 30 bis 40 Jahren Höhlen beherbergen, die zahlreichen Vögeln und Säugetieren Quartier bieten“, sagt Schröder. Auch holzliebende Insekten profitierten von älteren Obstbäumen. Doch etwa seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts mussten zahlreiche ortsnahe Streuobstgürtel dem Bau von Straßen, Gewerbe- und Neubaugebieten weichen. Die Nutzung verlor zudem wegen der aufwendigen Pflege an Bedeutung. Dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz zufolge seien seit 1965 insgesamt bereits 70 Prozent der Streuobstflächen in Bayern verloren gegangen.

Hege und Pflege sind für die neu gepflanzten Obstbäume am Anfang wichtig. Hoher Aufwand entsteht durch das Bewässern. Der Erdwall hilft, dass das Wasser in den Wurzelbereich einsickert. Im DBU Naturerbe Frauenholz stehen die Jungbäume alleeartig und bilden einen abwechslungsreichen Übergang zwischen Weg und Wiesen.

Insgesamt sollen rund 70 hochstämmige Obstbäume gepflanzt werden

Um die einzigartigen Lebensräume zu erhalten oder wieder entstehen zu lassen, sind Initiative und Finanzierung erforderlich. Auf der DBU-Naturerbefläche Frauenholz pflanzte der Bundesforstbetrieb Hohenfels im Auftrag des DBU Naturerbes und mit Fördermitteln des Bayerischen Streuobstpaktes Mitte April diesen Jahres 36 hochstämmige Bäume. Kommendes Jahr sollen weitere folgen, bis es insgesamt rund 70 sind. „Hege und Pflege sind gerade jetzt am Anfang des Wachstums sehr wichtig“, sagt Bundesforstmitarbeiter und Revierleiter im DBU Naturerbe Ingo Meierjürgen. Er erklärt: „Um die jungen Bäume zu stabilisieren, haben wir jeden einzelnen Stamm an einem Pflock angebunden.“ Die Wurzeln schütze zudem ein Wühlmauskorb und gegen Wildverbiss helfe ein rundum gelegtes Metallgerüst. „Das Bewässern stellt einen hohen Aufwand dar“, so der Revierleiter, vor allem während langer Trockenperioden wie Ende Mai in diesem Jahr. Damit das Wasser langsam in den Boden sickern kann, häuften die Forstmitarbeiter rund um jeden einzelnen Baum einen kleinen Erdwall auf. Meierjürgen: „Bei extremen Hitzelagen wurde uns empfohlen die Bäume ein- bis zweimal pro Woche zu bewässern.“ Das übernehmen neben ihm die Forstwirte. Pächter Manfred Birkner mäht die angrenzenden Gold- und Glatthaferwiesen ein- bis zweimal im Jahr und lässt sie anschließend von Schafen beweiden.

Beitrag für den Erhalt des immateriellen Kulturerbes

Mitte April pflanzten die Forstwirte Simon Gebhard, Markus Gebhard und Matthias Schediwy, Mitarbeiter im DBU Naturerbe Frauenholz, 36 Bäume von robusten Obstsorten. Ein Pflock stabilisiert jeden Jungbaum. Die Wurzeln schützt ein Wühlmauskorb und gegen Wildverbiss kommt ein rundum gelegtes Metallgerüst.

Für die Auswahl der Obstbäume orientierten sich die Initiatoren an der Liste empfohlener Sorten des Landkreises Regensburg. DBU-Koordinator Peter Prölß vom Bundesforstbetrieb: „Ausgesucht haben wir robuste und wenig krankheitsanfällige Sorten wie die Schweizer Wasserbirne und der Danziger Kantapfel.“ Denn wie im Nationalen Naturerbe üblich kommen weder Dünge- noch Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Die neu gepflanzten, hochstämmigen Obstbäume stehen alleeartig mit jeweils 15 Meter Abstand und bilden einen abwechslungsreichen Übergang zwischen Weg und Wiesen. „Höhere und untere Naturschutzbehörde haben im Vorfeld der Aktion vieles in die Wege geleitet“, hebt der DBU-Koordinator die Zusammenarbeit hervor. Zugleich lobt Prölß die erfolgreiche, aber körperlich sehr anstrengende Arbeit von Forstwirten und Revierleiter. Schröder ergänzt: „Sie leisten damit einen Beitrag für den Erhalt des immateriellen Kulturerbes“, zu dem der Streuobstanbau seit 2021 durch Aufnahme der Deutschen UNESCO-Kommission zähle. Demzufolge seien die struktur- und artenreichen Lebensräume aus einer landwirtschaftlich-kulturellen Entwicklung hervorgegangen. „Im DBU Naturerbe wie hier im Frauenholz sehen wir die Streuobstbestände als eine Investition in die Zukunft“, sagt Schröder.

DBU Naturerbe verantwortet Naturschutz auf rund 70.000 Hektar in zehn Bundesländern

Das DBU Naturerbe verantwortet den Naturschutz auf 66 überwiegend ehemaligen Militärflächen mit rund 70.000 Hektar in zehn Bundesländern. Seit 2014 gehört die rund 500 Hektar große DBU-Naturerbefläche Frauenholz in Bayern dazu. Sie liegt etwa acht Kilometer südlich der Stadt Regensburg und ist geprägt von großflächigen Nadelwäldern, wenigen alten Buchenbeständen und Streuobstwiesen sowie extensiv genutztem Grünland im östlichen Teil des Gebietes. Erwähnenswert ist vor allem die Vielzahl von Kleingewässern, die einen bedeutenden Bestand an Amphibien beherbergen. Die DBU-Naturerbefläche überschneidet sich mit dem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Standortübungsplatz Oberhinkofen.

Medien & Infos