Rückkehr der Kraniche

Balz und Brut auf der DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide
Nasser Sumpf: Wasserliebende Vögel wie der Kranich (Bild), aber auch Zwergtaucher und Wasserralle, finden auf der DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide Rastmöglichkeiten und Brutplätze.

Ueckermünder Heide. Wie Fanfaren des Frühlings läuten Kraniche mit ihren trompetenden Rufen das Erwachen der Natur ein. Tausende Kilometer fliegen die imposanten Großvögel von ihren Wintergebieten in Spanien und Frankreich bis in ihre Brutgebiete etwa nach Deutschland und Skandinavien. Nun treffen auch die ersten Stammgäste zum Brüten auf der DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide in Mecklenburg-Vorpommern ein. Das DBU Naturerbe, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), bittet als Eigentümerin darum, auf den Wegen zu bleiben und Hunde anzuleinen.

Großartige Erfolgsgeschichte des Naturschutzes

Es ist ein einzigartiges Naturschauspiel, wenn tausende Kraniche in Keilformationen von Weitem tönend über Siedlungen und Landschaften fliegen. Bereits ab Mitte Februar zogen die Vögel des Glücks über Teile Deutschlands von Süden in Richtung Norden. Viele von ihnen bleiben zum Brüten, wie auf der DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide in Mecklenburg-Vorpommern. „Die Bestandsentwicklung der Kraniche in Deutschland ist eine großartige Erfolgsgeschichte des Naturschutzes“, sagt Dr. Uwe Fuellhaas, Feuchtgebietsmanager im DBU Naturerbe. Mitte des vergangenen Jahrhunderts gab es nur noch einige hundert Paare hierzulande. Ursache war unter anderem die Trockenlegung von lichten, gehölzreichen Sümpfen und Bruchwäldern – den bevorzugten Brutgebieten der Kraniche. Seit Beginn der internationalen Wasservogelzählungen in den 1960er-Jahren erfuhr der Rastvogel laut dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) einen kontinuierlichen Anstieg der Bestandszahlen. Die Gründe: „Langjährige Artenschutzmaßnahmen, Förderung der Kranichlebensräume, Ausdehnung des Brutgebiets und die Anpassung des Zugverhaltens tragen dazu bei“, so Fuellhaas. Zudem würden Kraniche abgeerntete Mais- und Getreidefelder als Nahrungsquelle nutzen. „Das bietet ihnen bei der Vorbereitung und während des Zugs ausreichend energiereiches Futter“, so der Biologe.

Sicherer Schutz: Kraniche legen ihre Nester am liebsten mitten im nassen Sumpf versteckt von Gehölzen an. Solche Lebensräume finden sie unter anderem auf der DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide.

Brutplatz ist Schlüsselfaktor für Entwicklung des Bestands

Forschende gingen zuletzt von jährlich mehr als 12.000 Revierpaaren in Deutschland aus, vorwiegend verbreitet in der norddeutschen Tiefebene und Brandenburg. „Ein Schlüsselfaktor für die Bestandsentwicklung ist der Brutplatz“, so Fuellhaas. „Kraniche legen ihre Nester am liebsten mitten im nassen Sumpf versteckt von Gehölzen an.“ Das umgebende Wasser schütze Eier und Küken vor Füchsen und anderen Fressfeinden. Das DBU Naturerbe führt auf seinen Flächen seit 2015 ein sogenanntes Brutvogelmonitoring durch. „Das sind wiederkehrende Zählungen von Brutpaaren, um die Entwicklung der Bestände zu beobachten“, sagt Jan Felix Schneider, zuständig für das Brutvogelmonitoring im DBU Naturerbe. Schneider weiter: „Innerhalb unserer flächendeckenden Erfassung von Brutvögeln wurden in den vergangenen zehn Jahren im DBU Naturerbe insgesamt mehr als 100 Brutpaare des Kranichs festgestellt.“ Vielerorts würden zudem jährliche und gezielte Überprüfungen der Brutpaare durch haupt- und ehrenamtliche Vogelkundler*innen stattfinden.

Nordusedom: Drehscheibe des internationalen Vogelzugs

Auf der DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide in Mecklenburg-Vorpommern konnten im Jahr 2024 innerhalb des DBU-Naturerbe-Brutvogelmonitorings 22 Kranichpaare nachgewiesen werden. Dort gebe es beste Bedingungen. „Die vorgelagerte Ostseeküste, vor allem Nordusedom, ist eine regelrechte Drehscheibe des internationalen Vogelzugs und ein wichtiges Brutgebiet für eine Vielzahl von Wasser- und Watvögeln“, sagt Christina Möller, Revierleiterin im Auftrag des DBU Naturerbes. Zudem brüten zahlreiche Vogelarten in der Ueckermünder Heide, darunter neben den Kranichen auch Watvögel wie Waldwasserläufer und Bekassinen. Gemeinsam mit dem Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz sorgt die Stiftungstochter auf der DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide mit Grabenplomben und -verfüllungen für die Wiedervernässung. „Kranichreviere verteilen sich auf die meisten Nieder- und Überflutungsmoore sowie die größeren feuchten Waldwiesen“, so Möller. „Dort finden die Kraniche sichere Brut- und Schlafplätze.“ Gemeinsam mit Bundesforst treibt das DBU Naturerbe die Wiedervernässung auf ihren insgesamt 66 Flächen des Nationalen Naturerbes voran.

Kranich: Galionsfigur der Moore und Feuchtgebiete

Spektakuläre Balz: Der Kranich ist einer der auffälligsten Sympathieträger der Feuchtgebiete, seine Bestandsentwicklung in Deutschland eine Erfolgsstory. Brutreviere gibt es auf mehreren DBU-Naturerbeflächen.

Für die Kraniche beginnt nach dem kräftezehrenden Zug die spektakuläre Balz. „Sie recken ihre Schnäbel und Hälse in die Höhe und machen regelrechte Luftsprünge“, beschreibt Fuellhaas. „Der Kranich ist ohne Zweifel einer der auffälligsten Sympathieträger der Feuchtgebiete – wie eine Galionsfigur.“ Doch die Vogelgrippe im vergangenen Herbst hat zehntausenden der insgesamt rund 400.000 von Skandinavien bis Spanien ziehenden Kraniche das Leben gekostet. „Schätzungsweise sind zehn Prozent der westeuropäischen Kranichpopulation verendet“, so Fuellhaas. Der Biologe weiter: „Wir sind gespannt wie viele angestammte Brutpaare in die Ueckermünder Heide zurückkehren und wie sich der Brutbestand hier entwickelt.“ Das müsse man abwarten.

Hunde anleinen und auf den ausgewiesenen Wegen bleiben

Ausreichend Samen, Körner und andere pflanzliche Nahrung sowie kleine Wirbeltiere und Insekten finden die blaugrau gefiederten Vögel sowohl auf der DBU-Naturerbefläche sowie auf angrenzenden Feldern und Wiesen. „Außerdem brauchen die Großvögel wie andere Tierarten auch ausreichend Ruhe für die Aufzucht des Nachwuchses“, so Fuellhaas. Deshalb bittet das DBU Naturerbe Besuchende mit oder ohne Hund um besondere Rücksicht, um keine unnötigen Fluchtbewegungen auszulösen. Ob zu Rast-, Brut- oder anderen Zeiten, grundsätzlich gelte: Menschen und Hunde sollten auf den extra dafür ausgewiesenen Wegen bleiben.

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