Döbern. Ein lila Pflanzenmeer, soweit das Auge reicht: Auf der DBU-Naturerbefläche Zschornoer Wald steht die Heide in voller Blüte. Im August entfalten die Zwergsträucher ihre Blütenpracht. Doch nicht nur Gäste schätzen die farbliche Ästhetik des Heidekrauts. Die Pflanze mit dem wissenschaftlichen Namen Calluna vulgaris dient auch als verlässliche Futterquelle und Brutstätte für eine Vielzahl von Insekten.
Wo die Heide blüht
„Wer dieses blühende Pflanzenmeer sehen möchte, kann über die freigegebenen Wege unsere rund 1.800 Hektar (ha) große Heidefläche erkunden“, sagt Susanne Belting, Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe, einer gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Am besten erreichen Besucher die Blütenpracht von der Straße Döbern – Jerischke oder über Jämlitz/Zschorno. Zur besseren Orientierung helfen auch die an den Zuwegungen aufgestellten Informationstafeln.
Heimat für Ziegenmelker und andere außergewöhnliche Arten
Heute sind Heideflächen wichtige Rückzugsgebiete für seltene Tiere und Pflanzen. Vögel wie Heidelerchen, Baumpieper und Goldammer nutzen die halboffene Landschaft mit den vereinzelten Sträuchern und Büschen. „Eine besondere Vogelart, die auf vegetationsfreien Bodenstellen brütet, kann man nachts aus dem ehemaligen Übungsplatz rufen hören. Es ist das Schnurren des nachtaktiven Ziegenmelkers, der heute Nachtschwalbe genannt wird. Seine Laute gehören zu den wohl ungewöhnlichsten Gesängen unserer heimischen Vogelwelt“, weiß Revierleiter Gert Noack vom Bundesforstbetrieb Lausitz, der die DBU-Naturerbefläche vor Ort betreut. Den Tag verschläft der Ziegenmelker gut getarnt am Boden oder auf dem Baum, um in der Nacht Insekten in der Luft zu jagen.
Pflegeintensives Offenland droht kontinuierlich zu verbuschen
Damit die Besenheide Jahr für Jahr so schön blüht wie zurzeit, braucht sie dauerhafte Pflege. „Seit vielen Jahren hilft uns ein Schäfer mit seiner Herde als Landschaftspfleger, die Pflanzen kurz zu halten und damit zu erhalten“, weiß Noack. Ohne Beweidung und andere Maßnahmen droht das Offenland durch aufwachsende Sträucher und Bäume zu verbuschen. „Wenn die jungen Bäume zu groß werden, gehen die Schafe da nicht mehr ran. Dann müssen wir manuell nachhelfen und von Zeit zu Zeit entkusseln, also Gehölzwuchs entfernen“, erklärt die Revierleitung. Auch kontrollierte Brände könnten helfen, um die Heide zu verjüngen. „Dieses schöne Blütenmeer und dieser gleichzeitig wichtige Lebensraum ist also ausgesprochen pflegebedürftig. Aber das Ergebnis lässt sich sehen“, meint Noack.
DBU Naturerbe hat 66 Flächen vom Bund übernommen
2011 gehört der ehemalige militärische Übungsplatz zu der wohl größten Naturschutzinitiative des Bundes, dem Nationalen Naturerbe, welches in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Es umfasst ehemalige Militärgebiete, Flächen am Grünen Band an der ehemals innerdeutschen Grenze und aus dem DDR-Volkseigentum sowie Sanierungsflächen des ostdeutschen Braunkohletagebaus – alles Flächen aus dem Bundesvermögen. Auf Initiative von Naturschutzorganisationen verzichtet der Bund seit 2005 auf die kommerzielle Privatisierung dieser naturschutzfachlich bedeutsamen Flächen auf insgesamt rund 164.000 Hektar und widmet sie dauerhaft dem Naturschutz.