Jugend von heute fordert neue Wege in der Umweltbildung

241 Teilnehmer der 14. DBU-Sommerakademie diskutieren im sächsischen Ostritz neue Ansätze

Osnabrück/Ostritz. Die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen hat sich verändert: Ein Großteil der heutigen Jugendgeneration verbringt täglich mehrere Stunden in digitalen Fantasiewelten – vorm Fernseher oder Computer – und nur wenig Zeit an frischer Waldluft. Nur jeder dritte Schüler zwischen zwölf und 15 Jahren hat laut „Jugendreport Natur 2006“ jemals in seinem Leben einen Käfer oder Schmetterling auf der Hand gehabt. Unter dem Titel „Kindheit und Jugend im Wandel! Umweltbildung im Wandel?“ werden im Rahmen der 14. Sommerakademie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in der ersten Juli-Woche 241 Experten und Interessierte aus Wissenschaft, Verbänden, Politik und Bildungspraxis diskutieren. Im Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal in der energieökologischen Modellstadt Ostritz an der Neiße sprechen sie darüber, wie Akteure und Institutionen der Umweltbildung auf die gewandelte Jugendgeneration reagieren können.

Neue Anforderungen werden an die Umweltbildung gestellt

Zum Beispiel, ob Kinder auch am Computer lernen können, Verantwortung für die Natur zu übernehmen. Welche Art von Veranstaltungen sollte man ihnen anbieten, um ihr Interesse stärker für die Natur zu wecken? Und welche Anforderungen in der Umweltbildung werden den Schulen gestellt? „Der pädagogische Auftrag muss Naturerlebnis mit allen Sinnen sein – statt Naturverklärung“, fordert DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde. Die propagierte Katastrophen- und Bedrohungspädagogik der Umwelterziehung in den achtziger Jahren sei in eine falsche Richtung gelaufen. Die Jugend von heute habe ein diffuses, verklärtes Bild der Natur.

Jugendliche haben "erlebnisfeindliche Naturmoral"

Den Grund dafür beschreibt der „Jugendreport Natur“ als „Bambi-Syndrom“ – die Verniedlichung der Natur: Jugendliche sehen den Wald als verletzliches, schutzbedürftiges Symbol schlechthin und haben eine erlebnisfeindliche Naturmoral. Jeder Zweite gehe davon aus, dass im Wald grundsätzlich keine Blumen oder Beeren gepflückt werden dürften. 80 Prozent glaubten, es sei verboten, Käfer, Regenwürmer oder Frösche in die Hand zu nehmen. Brickwedde: „Das sind alarmierende Zahlen. Wir müssen die junge Generation wieder für die Natur begeistern – und zwar aktiv und draußen. Schließlich schützt man nur das, was man kennt und liebt!“ Es sei höchste Zeit, dass sich Pädagogen mit Vereinsakteuren und Naturschützern an einen Tisch setzten und sich neue Strategien in der Umweltbildung überlegten. „Ich verspreche mir von unserer Tagungswoche in Ostritz viele kreative, positive Anregungen für die Zukunft“, so der DBU-Generalsekretär.

Zahlreiche Referenten sprechen bei DBU-Sommerakademie

Unter den Referenten der DBU-Sommerakademie ist der Bildungsjournalist Reinhard Kahl, ZEIT-Autor und Macher der Film-Dokumentation „Treibhäuser der Zukunft − Wie Schulen in Deutschland gelingen“. Die Umweltministerin Baden-Württembergs, Tanja Gönner, schildert die Bedeutung von Bildung und Wissen für nachhaltige Entwicklung. Aleksander Dzembritzki, seit eineinhalb Jahren Rektor der Rütli-Oberschule in Berlin-Neukölln, wird über Schülerfirmen auf dem Kietz sprechen und das Programm „Lernen durch Engagement“ vorstellen. Und die Kinderforscherin Prof. Dr. Sabine Andresen von der Universität Bielefeld präsentiert ihre Studie "Kinder in Deutschland 2007", die sie für das internationale Kinderhilfswerk World Vision erstellt hat. Fördermöglichkeiten in der Umweltbildung stellt Dr. Jutta Emig, Leiterin des Referates „Gesellschaftspolitische Grundsatzfragen“ im Bundesumweltministerium vor. Informationen zum Programm gibt es auf der Webseite www.dbu.de unter „Termine und Veranstaltungen“ (http://www.dbu.de/123artikel27536_135.html). Eine Teilnahme noch nicht angemeldeter Interessenten ist nicht mehr möglich.

Vieles gibt es im Wald für Kinder zu entdecken. Selbstständig erforschen sie die Geheimnisse der Natur.
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