Biotoppflege für seltene Knoblauchkröte

DBU-Naturerbefläche Hopsten: Laichsaison kann kommen
Lockerer Boden, terrassiertes Ufer und besonnter Weiher: Revierleiter Rainer Schmidt präsentiert auf der DBU-Naturerbefläche Hopsten den jüngst optimierten Lebensraum der seltenen Knoblauchkröte, wo sich zudem viele weitere Kröten, Frösche und Molche tummeln.

Hopsten. Eine der seltensten Amphibienarten des Kreises Steinfurt lebt auf der DBU-Naturerbefläche Hopsten: die Knoblauchkröte. Damit ihr Lebensraum aus lockerem Boden, terrassiertem Ufer und besonntem Weiher erhalten bleibt, haben im Februar Pflegemaßnahmen stattgefunden. Im Auftrag der Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe, koordinierte der Bundesforstbetrieb Rhein-Weser die Gewässeroptimierung. Das kommt auch Erdkröten, Gras- und Grünfröschen sowie Molchen zugute.

Leicht grabfähigen Boden in direkter Nähe zum Laichgewässer geschaffen

Pflege auf der DBU-Naturerbefläche Hopsten: Nachdem das mit Weiden überwachsene Gewässer von Bewuchs befreit war, räumte ein Bagger mit Kranausleger den Baumschnitt ab.

Sie ist eine sehr heimlich lebende Art, doch etwa Ende März kommt sie ans Licht: Die grün-braune Kröte mit den roten Punkten zieht es nach der Überwinterung im sicheren Boden zum nahegelegenen Laichgewässer im Südwesten der Naturerbefläche. Der Scheitelhöcker am helmförmig gewölbten Oberkopf hilft der in Nordrhein-Westfalen vom Aussterben bedrohten Amphibienart, sich aus der krümelig-lockeren Erde der Uferböschung zu graben. „Offener Boden ohne Pflanzenbewuchs ist überlebenswichtig für die versteckt lebende Knoblauchkröte“, sagt Dr. Uwe Fuellhaas, Feuchtgebietsmanager im DBU Naturerbe. „Um diese Voraussetzung zu schaffen, haben wir einen am Weiher angrenzenden Erdwall von der dichten Grasnarbe befreit“, ergänzt Revierleiter Rainer Schmidt vom Bundesforstbetrieb Rhein-Weser, der die Arbeiten im Auftrag der Stiftungstochter koordiniert hat. Da Knoblauchkröten sowohl den Winter als auch tagsüber „bevorzugt eingegraben im Boden verbringen“, schaffe dieser nun offenliegende Erdbereich den „idealen, leicht grabfähigen Unterschlupf in direkter Nähe zum Laichgewässer“, so Fuellhaas.

Gewässer auf einer Fläche von rund 2.500 Quadratmetern behutsam freigestellt

Überlebenswichtig ist offener Boden ohne Pflanzenbewuchs: Der am Weiher angrenzende Erdwall wurde mit der Baggerschaufel abgezogen und der Boden freigelegt, um ihn als Überwinterungslebensraum für die Knoblauchkröte attraktiver zu machen.

Wenn die Bedingungen im Gewässer passen, ist von April bis Ende Mai mit dicken, um Pflanzenstängel gewickelten Laichschnüren zu rechnen. Aus den bis zu mehreren Tausend Eiern schlüpfen nach wenigen Tagen die Kaulquappen. „Das Besondere: Mit neun bis zwölf Zentimetern sind sie die größten der heimischen Amphibienlarven und sogar größer als die ausgewachsenen Knoblauchkröten mit bis zu sieben Zentimetern“, sagt Fuellhaas. Doch ohne Licht und Wärme haben sie kaum eine Überlebenschance. „Knoblauchkröten sind auf warme, sonnendurchflutete Laichgewässer angewiesen“, so Fuellhaas. Um den Fortbestand der streng geschützten Amphibienart im Kreis Steinfurt zu sichern, erfolgten im Februar umfangreiche Pflegemaßnahmen. Schmidt: „Der fast vollständig mit Weiden überwachsene Weiher wurde auf einer Fläche von rund 2.500 Quadratmetern behutsam freigestellt, um neuen Lebensraum zu schaffen.“ Die dichte Krone verhinderte ihm zufolge das nötige Erwärmen des Wassers im Frühjahr. Gleichzeitig verschlechterte der massive Laubeintrag die Wasserqualität. „Der Rückschnitt erforderte eine Kombination aus moderner Technik und sorgfältiger Handarbeit“, so Schmidt. Nun ist alles bereit für die kommende Laichsaison – auch für Erdkröten, Gras- und Grünfrösche sowie Molche, die ebenfalls von der Pflege profitieren. Zudem sei das Gewässer laut Schmidt fischfrei mit ausreichender Tiefe und reich an Wasserpflanzen als Nahrungsquelle.

Heimlich und leise: Die in Nordrhein-Westfalen vom Aussterben bedrohte Knoblauchkröte führt eine verborgene Lebensweise. Tagsüber und im Winter gräbt sie sich in sandige Böden ein. Ihre Rufe unter Wasser sind sehr leise.

Regionale Zusammenarbeit bei der Entdeckung einer Seltenheit in Nordwestdeutschland

Das Vorkommen der Knoblauchkröte ist schwierig nachzuweisen und blieb bis zur Entdeckung auf der DBU-Naturerbefläche Hopsten im Jahr 2018 viele Jahre unbekannt. Damals hatten Amphibienkenner die sehr leisen, unter Wasser abgegebenen und nur über wenige Meter hörbaren Rufe dokumentiert. Aufgrund der Seltenheit in Nordwestdeutschland war die Freude groß. Das Stillgewässer im Südwesten der knapp 200 Hektar großen Naturerbefläche ist vor vier Jahren in Zusammenarbeit mit dem Bildungs- und Forschungszentrum Heiliges Meer des LWL-Museums für Naturkunde und der Biologischen Station Kreis Steinfurt optimiert worden.

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