Diese Forschung untersucht den Zusammenhang zwischen den Arbeitsbedingungen rumänischer Saisonarbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft und der Umsetzung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken. Im Mittelpunkt steht dabei folgende Forschungsfrage:
Wie wirkt sich die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Saisonarbeitskräfte auf die Einführung und langfristige Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Praktiken sowohl im Gastland als auch im Herkunftsland aus?
Grundlage der Untersuchung sind qualitative Feldforschung sowie halbstrukturierte Interviews mit Saisonarbeitskräften, Betriebsleitern, Nichtregierungsorganisationen und Nachhaltigkeitsexperten in verschiedenen landwirtschaftlichen Regionen Deutschlands. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Arbeitskräfte, die über mehrere Saisonen hinweg auf dieselben Betriebe zurückkehren, wertvolle Kenntnisse über nachhaltige Anbaumethoden erwerben. Dazu gehören unter anderem Fruchtfolge, effiziente Bewässerungssysteme, ein reduzierter Einsatz von Chemikalien, schonende Erntetechniken sowie Maßnahmen zur Verringerung von Lebensmittelverlusten.
Eine zentrale Erkenntnis ist, dass faire Arbeitsbedingungen die Rückkehrbereitschaft von Saisonarbeitskräften erhöhen. Dies fördert sowohl den Aufbau praktischen Wissens als auch die kontinuierliche Umsetzung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken. Beschäftigte, die regelmäßig zurückkehren oder über längere Zeiträume auf denselben Betrieben arbeiten, entwickeln ihr Fachwissen vor allem durch Beobachtung, Wiederholung und die aktive Teilnahme an alltäglichen Arbeitsprozessen. Nachhaltigkeitsbezogene Kompetenzen werden dabei meist nicht durch formale Schulungen vermittelt, sondern informell im Arbeitsalltag erlernt. Landwirtschaftliche Betriebe fungieren somit als wichtige informelle Lernumgebungen, in denen nachhaltigkeitsrelevantes Wissen und praktische Fähigkeiten im Laufe der Zeit aufgebaut werden.
Saisonarbeitskräfte sind daher nicht nur als Arbeitskräfte zu verstehen, sondern auch als Lernende, Wissensvermittler und aktive Akteure innerhalb transnationaler landwirtschaftlicher Systeme. Ihre Erfahrungen und ihr erworbenes Wissen tragen zur Verbreitung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken bei und fördern den Austausch von Wissen zwischen Deutschland und ihren Herkunftsländern.