Forum „Carbonfasern – Energie- und ressourceneffiziente Produktion und Recycling” der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) am 22. Oktober 2026 auf dem 15. Ressourceneffizienz- und Kreislaufwirtschaftskongress Baden-Württemberg (KONGRESS BW), 11:15 bis 12:15 Uhr, Heidelberg Congress Center
Sie sind unverzichtbar im Leichtbau, wenn es auf hohe Festigkeit und Steifigkeit bei zugleich minimalem Gewicht ankommt: Carbonfaserverstärkte Kunststoffe. Allerdings werden die für diese Eigenschaften ausschlaggebenden Carbonfasern in der Regel aus erdölbasierten Rohstoffen in einem energieintensiven Prozess hergestellt. Gesucht werden daher innovative Herstellungs- und Recyclingverfahren, die Energie, Ressourcen und Schadstoffe einsparen und eine Wiederverwendung auf hohem Qualitätsniveau ermöglichen.
Die im Forum vorgestellten Projekte zeigen, wie sich Carbonfasern durch den Einsatz innovativer Plasmaverfahren energiesparend und lösemittelfrei produzieren lassen und wie ein Verfahren aussehen kann, mit dem recycelte Carbonfasern für Formbauteile im Hochleistungsbereich genutzt werden. Die Projektbeispiele stammen aus der Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die innovative, modellhafte und praxisorientierte Vorhaben mit klarem Umweltbezug unterstützt.
Folgende Förderprojekte werden präsentiert:
DBU-AZ 38782: Umweltschonende Umwandlungsprozesse mit reduziertem Energieeintrag durch GHz-Plasma in der Carbonfaserherstellung, FH Aachen, Institut für Mikrowellen- und Plasmatechnik (IMP), Aachen
Bei der Herstellung von Carbonfasern werden meist Polyacrylnitril (PAN)-Fasern in einem energieintensiven Prozess stabilisiert und dann carbonisiert. Zuvor müssen PAN-Vorläuferfasern unter Einsatz umweltbelastender Lösemittel aus einer Lösung versponnen werden. Im Projekt geht es darum, den Energie- und Lösemitteleinsatz zu minimieren. In einer ersten Projektphase ist es durch chemische Modifikation bereits gelungen, PAN-Vorläuferfasern zu entwickeln, die ohne Lösemitteleinsatz aus einer Schmelze versponnen werden können. Durch einen schnellen und effizienten Erhitzungsprozess mithilfe eines innovativen Plasmaverfahrens (GHz-Plasmatechnik) gelang es, bei der thermischen Stabilisierung 80 Prozent der zuvor erforderlichen Energie einzusparen. In einer zweiten Projektphase wurde das Plasmaverfahren auch für die Carbonisierung adaptiert, so dass es gelang, die Prozesskette zu schließen und weitere Energieeinsparungen zu erreichen.
DBU-AZ 38960: Entwicklung einer materialeffizienten Wertschöpfungsroute auf Basis einer verschnittfreien stricktechnischen Herstellung von lastpfadgerechten Textilstrukturen aus mehrfach recycelten Carbonfasern, Wagenfelder Spinnereien GmbH, Wagenfeld
Gegenwärtig werden recycelte Carbonfasern (CF) überwiegend als gemahlene verstärkende Füllstoffe für Kunststoffteile verwendet oder zu Vliesstoffen verarbeitet, was einem Downcycling entspricht. Im Projekt soll daher ein Hybridgarn aus recycelten CF (rCF) und Polyamid entwickelt werden, aus dem sich dreidimensionale Bauteile, beispielsweise für den Fahrzeugbau, herstellen lassen. Die Herausforderung dabei: Herkömmlicherweise verkürzen sich die Carbonfasern beim Recycling um bis zu 80 Prozent, was einen Qualitätsverlust bedeutet, so dass sich keine rCF-Bauteile mit hohem Leistungsvermögen realisieren lassen. Gesamtziel ist es daher, mindestens eine dreifache Wiederverwendung der rCF im Hochleistungsbereich zu erreichen. Jeder Zyklus trägt zur Senkung der CO2-Emissionen um bis zu 68 Prozent bei, da für den Recyclingzyklus nur schätzungsweise 25 Prozent des Energiebedarfs im Vergleich zur Herstellung originärer CF benötigt werden.
Der KONGRESS BW am 21. und 22. Oktober 2026 in Heidelberg ist der Hub für industriellen Klimaschutz im deutschsprachigen Raum. Im Fokus stehen Chancen und Herausforderungen rund um Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung. Mehr unter: https://www.kongress-bw.de/de