Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Arbeitsgruppe Sozialgeographie der Küsten und Meere
Ludewig-Meyn-Str. 8
24118 Kiel
Wassersportarten wie Segeln, Surfen oder Kiten gelten als besonders naturnahe Freizeitaktivitäten. Sie ermöglichen intensive Erfahrungen auf dem Wasser und prägen die Beziehung vieler Menschen zu Küsten- und Meereslandschaften. Gleichzeitig sind auch diese Formen maritimer Freizeitnutzung mit ökologischen Belastungen verbunden – etwa durch Mobilität, den Nutzungsdruck auf sensible Küsten- und Meeresräume sowie material- und ressourcenintensive Ausrüstung. Diese Ambivalenz ist im ökologisch stark belasteten Ostseeraum von besonderer Bedeutung.
Die vielfältigen Wassersportkulturen und -communities verfügen zugleich über ein bislang wenig genutztes Potenzial für den Meeresschutz. Als gesellschaftlich sichtbare Akteursgruppen bringen sie – organisiert in Verbänden und Vereinen oder vernetzt in lebendigen Szenen – vielfältige Erfahrungen und Perspektiven im Umgang mit Küsten- und Meeresräumen ein. Viele engagieren sich bereits heute für den Umwelt- und Meeresschutz. An diese Kompetenzen, Erfahrungen und Initiativen knüpft das Projekt an.
Ziel des Vorhabens ist es, gemeinsam mit Akteur:innen aus Wissenschaft, Verwaltung, Wassersportpraxis und -wirtschaft, Zivilgesellschaft sowie Kunst und Gestaltung tragfähige Ansätze für eine naturverträglichere maritime Freizeitnutzung im Ostseeraum zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ökologische Belastungen reduziert und gleichzeitig die Beiträge des Wassersports zum Meeresschutz gestärkt werden können. Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf individuelles Handeln, sondern ebenso auf kulturelle Praktiken, räumliche und organisatorische Rahmenbedingungen sowie Material- und Nutzungssysteme. Das Projekt versteht Meeresschutz dabei als gemeinsame Gestaltungsaufgabe, die nur im Zusammenspiel unterschiedlicher Wissensformen und gesellschaftlicher Akteur:innen gelingen kann.
Das Vorhaben ergänzt bestehende Meeresschutzstrategien und politische Initiativen um eine kultur- und sozialwissenschaftliche Perspektive. In einer 18-monatigen Pilotphase entwickelt und erprobt es einen transdisziplinären Forschungs- und Gestaltungsansatz, der ethnographische Forschung, Praxiswissen, Co-Design und gestalterische Kommunikation systematisch miteinander verbindet und Maßnahmen für eine anschließende Umsetzung identifiziert. Die gewonnenen Erkenntnisse, Methoden und Handlungsansätze besitzen Modellcharakter und können auf andere Küstenregionen sowie vergleichbare freizeitbezogene Nutzungskonflikte übertragen werden.