Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg
Professur für Landschaftsökologie und Naturschutz
Schadenweilerhof 1
72108 Rottenburg
Das Forschungsprojekt PreGraze verbindet Feuermanagement mit naturschutzorientierter Beweidung, um waldbrandresiliente Landschaften zu entwickeln und zugleich Klimaanpassung, Biodiversitäts- und Bevölkerungsschutz zu stärken. Durch kontrollierte Beweidung werden Waldbrandschutzstreifen mit dem Fokus auf Trockenbiotope, Lichtwälder und Graslandschaften gepflegt und wirksam gehalten, die sowohl ökologische Funktionen erfüllen als auch Siedlungen vor Bränden schützen und der Feuerwehr strategische Flächen zur Vegetationsbrandbekämpfung bieten. Im wirtschaftlich genutzten Beelitzer Kommunalwald in Brandenburg wird erprobt, ob die Unterbrechung und die Reduzierung von Brennmaterial durch kontrollierte Beweidung das Brandrisiko senkt und die Ausbreitung von Feuer selbst bei anhaltender Trockenheit begrenzen kann.
Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit den assoziierten Partnern Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE), dem Global Fire Monitoring Center (GFMC) sowie der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) durchgeführt. Die Partner bringen ihre Expertise in den Bereichen Waldbrandmanagement, Forstwirtschaft, Naturschutz, Forschung und Wissenstransfer ein und unterstützen die wissenschaftliche Begleitung sowie die praktische Umsetzung der entwickelten Ansätze.
1. Gezielter Siedlungsschutz
Das erste Arbeitspaket entwickelt ein standortorientiertes Verfahren weiter, das das Waldbrandrisiko im siedlungsnahen Raum anhand der kleinsten Einheit – dem lokalen Brennmaterial – und dessen potenziellem Brandverhalten ermittelt. Darauf aufbauend werden maßgeschneiderte Schutzmaßnahmen definiert. Als zentrale Methode dient eine Stakeholderanalyse.
2. Wald- und Biodiversitätsschutz
Hierbei werden strategische Flächen auf Landschaftsebene definiert. Durch gezielte Landschaftsplanung und Zonierung wird die Kontinuität des Brennmaterials unterbrochen. Dies dämmt die Brandausbreitung ein, verhindert Großschadenslagen und schafft taktische Aktionsfenster für die Feuerwehr. Die methodische Grundlage bilden Literatur- und Internetrecherchen sowie Expertenbefragungen.
3. Gezielte Beweidung zur Waldbrandprävention
Dieses Arbeitspaket untersucht die Praxistauglichkeit von Beweidungsprojekten. Dazu wir ein Beweidungsprojekt implementiert. Auf den Projektflächen werden ökologische Parameter analysiert sowie Akzeptanz und potenzielle Konflikte unter den Wald-Akteuren dokumentiert, um konkrete Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Flankierend werden die rechtlichen Rahmenbedingungen und internationale Best Practices recherchiert, um die Zusammenhänge zwischen Biodiversität, Feuer und Waldbrandschutz zu entschlüsseln.
Zur Anwendung kommen
• Literatur- und Internetrecherche sowie Expertenbefragungen.
• Ökologische Feldforschung: Vegetationsaufnahmen (Boden- und Gehölzstrukturen) im Vergleich zu unbeweideten Nullflächen.
• Bestimmung der Feueranfälligkeit mittels fotografischer Erfassung und Bildauswertung nach den Vegetationsmodellen von Rothermel (adaptiert nach Scott und Burgan, 2005).
4. Synthese zum ganzheitlichen Gesamtkonzept
Das finale Arbeitspaket führt die Ergebnisse der ersten drei Abschnitte zusammen. Es verknüpft internationales Feuermanagement-Wissen mit der deutschen Landschaftspflege und Forstwissenschaft, um Synergien zwischen Siedlungs-, Wald- und Biodiversitätsschutz zu nutzen. Das Resultat ist ein integratives Konzept, das Akteuren aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz eine fundierte, anschauliche Analyse sowie eine transparente Aufklärung über die Chancen und Risiken der Waldbrandprävention durch Beweidung bietet. Die Methodik basiert auf Literaturrecherchen, Experteninterviews und einer Synthese der Vorarbeiten.