Kinder- und Jugendwerk der Naturfreunde
Verein zur Förderung der Naturfreundejugend
Warschauer Str. 59 a
10243 Berlin
Als mögliche Antworten auf die multiplen Krisen der Gegenwart konkurrieren verschiedene Zukunftsentwürfe miteinander. Neben Strategien einer ökologischen Modernisierung als dominante Bearbeitungsweise insbesondere der Klimakrise sind in den letzten Jahren verstärkt reaktionäre und offen rechtsextreme Akteure hervorgetreten, die sich für eine autoritäre Verteidigung der fossilen Lebensweise und die Abschottung der Festung Europa einsetzen. Dabei machen sich extrem rechte Kräfte weit verbreitete Krisenwahrnehmungen und tiefsitzende Verunsicherungen und Verlustängste zu eigen, um über die vermeintliche Stabilisierung des Bestehenden, der Verteidigung von Privilegien und der Abschottung nach außen scheinbar attraktive Politikangebote zu versprechen. Teils in Allianz mit konservativen Kräften verfolgt die radikale Rechte eine Strategie der Kulturkämpfe gegen Reformvorhaben für eine sozial-ökologische Transformation. Es ist davon auszugehen, dass sich die Konflikte um die Zukunftsgestaltung weiter zuspitzen werden.
Denn auch wenn mittlerweile auf abstrakter Ebene ein breites gesellschaftliches Bewusstsein für nachhaltigen Wandel existiert, so wenig Einigkeit gibt es für die Wahl von Transformationsstrategien. Insbesondere konkrete Maßnahmen vor Ort stoßen häufig auf Widerstand. Gründe dafür sind unter anderem wirtschaftliche Sorgen, kulturelle Identitätskonflikte sowie ein allgemeines Misstrauen gegenüber politischen Institutionen. Diese Widerstände werden zunehmend durch Desinformation, Verschwörungserzählungen, Wissenschaftsskepsis und rechtspopulistische wie rechtsextreme Narrative verstärkt.
Das geplante Projekt setzt an dieser Konfliktdynamik an und entwickelt demokratische und dialogorientierte Lösungsansätze, die gezielt auf soziale Akzeptanz und partizipative Konfliktbearbeitung setzen. Kern des Projekts ist eine Multiplikator*innen-Schulung, die zivilgesellschaftliche Akteur*innen, Bildungspraktiker*innen und Vertreter*innen des Mittelstands dazu befähigt, in ihren lokalen Kontexten nachhaltige Lösungen zu vermitteln und Widerstände konstruktiv zu bearbeiten. Dadurch schafft das Projekt eine langfristige Grundlage für eine nachhaltige Zukunft.
Das Projekt ist in drei Phasen gegliedert. In der ersten Phase (6 Monate) werden Konzept, Materialien und Kooperationen entwickelt. Dazu gehören der Aufbau eines wissenschaftlichen Beirats, die Konzeption von Bildungsmaterialien, die Gewinnung von Teilnehmenden und Referent*innen. Methodisch verbindet diese Phase wissenschaftliche Fundierung mit adressatengerechter Aufbereitung und Praxisbezug.
Die zweite Phase (12 Monate) umfasst die Durchführung der Fortbildung. Inhaltlich werden u. a. Konfliktanalyse, der Umgang mit Desinformation sowie wertebasierte Kommunikation vermittelt.
Um Theorie und Praxis eng zu verschränken, erarbeiten die Teilnehmenden parallel Dialogformaten für reale Konflikte aus ihren Regionen. Dieser Prozess wird durch die monatlichen Jour-fixe-Treffen begleitet. So werden Lerninhalte unmittelbar auf konkrete lokale Herausforderungen bezogen und in die Praxis überführt.
In der dritten Phase (6 Monate) werden regionalen Dialogformate umgesetzt. So entstehen lokale Aushandlungsräume, in denen tragfähige Lösungen gemeinsam entwickelt werden können. Die dritte Projektphase dient zugleich der Evaluation und der darauf aufbauenden Verstetigung der Weiterbildung.
Die Arbeitsteilung zwischen FARN und HfGG ist klar angelegt. FARN verantwortet die Projektorganisation sowie die inhaltliche Arbeit an demokratischen Gegenstrategien, Narrativen und der Ansprache relevanter Zielgruppen. Die HfGG übernimmt die wissenschaftliche und prozessbezogene Begleitung, die didaktische Entwicklung, die Reflexion der Persönlichkeitsentwicklung sowie die Evaluation der Formate. Der wissenschaftliche Beirat ergänzt beide Partner durch externe fachliche Rückmeldung und die Einordnung der Ergebnisse in aktuelle Forschungs- und Praxisdebatten.
Über den Stand des Wissens hinaus geht das Projekt dadurch, dass es Umweltkonflikte nicht primär technisch, sondern als soziale und demokratische Aushandlungsprozesse behandelt. Es verknüpft Konflikttransformation, Persönlichkeitsentwicklung, Desinformationsabwehr und regionale Dialogarbeit in einem integrierten Ansatz. Damit soll die gesellschaftliche Akzeptanz nachhaltiger Maßnahmen gestärkt, Polarisierung reduziert und die Umsetzung von Klima- und Biodiversitätsschutz erleichtert werden. Die nachhaltige Umweltentlastung entsteht indirekt, aber substanziell: Wenn Akzeptanz, Dialogkompetenz und Konfliktfähigkeit wachsen, können Maßnahmen der sozial-ökologischen Transformation eher umgesetzt und dauerhaft abgesichert werden.