Projekt 39802/01

DiNaPLAN – Digitaler Nachhaltigkeitsplanspieljournalismus von Schüler*innen für Schüler*innen

Projektdurchführung

Rheinland-Pfälzische Technische Universität
Kaiserslautern-Landau (RPTU)
Fachbereich Chemie
Fachdidaktik Chemie und Schülerlabor CLeVerLAB
Erwin-Schrödinger-Str. 54
67663 Kaiserslautern

Zielsetzung

Nachhaltigkeitsthemen wie Klimawandel, nachhaltige Mobilität oder Energieversorgung prägen zunehmend die öffentliche Debatte und erreichen Jugendliche vor allem über soziale Medien. Dort wirken einfache, emotional gefärbte Botschaften stark auf das Denken und Handeln, führen jedoch häufig zu Polarisierungen oder zur Verbreitung von Fehlinformationen. Zwar äußern Jugendliche in Befragungen wie der Studie „Zukunft? Jugend fragen!“ (BMUV 2021) ein hohes Bewusstsein für die Dringlichkeit ökologischer Herausforderungen, zugleich empfinden sie den schulischen Umgang mit diesen Fragen als unzureichend. Im naturwissenschaftlichen Unterricht fehlt es bislang an systematischen und praxisnahen Konzepten, die aktuelle mediale Nachhaltigkeitsdiskurse aufgreifen, kritisch reflektieren und mit fachwissenschaftlichen Grundlagen verknüpfen. Bisherige Ansätze in Form von Rollenspielen oder vereinzelten journalistischen Methoden bleiben meist fragmentarisch, zu stark auf fiktive Szenarien ausgerichtet oder bieten keine durchgängige Reflexion. Lehrkräfte stehen zudem vor der Herausforderung, geeignete Themen auszuwählen, diese methodisch sinnvoll einzubetten und den Spannungsbogen zwischen fachlicher Genauigkeit, journalistischen Kriterien und ethischen Fragestellungen zu gestalten.
Hier setzt das Projekt DiNaPLAN an. Ziel ist es, durch die Entwicklung, Implementierung und Evaluation eines innovativen Planspielansatzes Schüler:innen in die Rolle von Journalist:innen zu versetzen und sie zur faktenbasierten, multiperspektivischen und adressatengerechten Auseinandersetzung mit Fragen nachhaltiger Entwicklung zu befähigen. Im thematischen Fokus steht die nachhaltige Mobilität und Energieversorgung – ein Themenfeld, das sowohl curricular verankert als auch gesellschaftlich hochrelevant ist. Durch die journalistische Bearbeitung dieses Kontextes erwerben die Lernenden Kompetenzen der Bewertung, Kommunikation und Reflexion, die sie langfristig zu nachhaltigerem Handeln im Sinne des Umwelt- und Klimaschutzes befähigen. Zugleich werden Lehrkräfte durch Coaching- und Fortbildungsangebote darin unterstützt, komplexe Nachhaltigkeitsdiskurse konstruktiv in den Unterricht zu integrieren. Damit leistet das Vorhaben nicht nur einen Beitrag zur Förderung der Environmental Scientific Media Literacy, sondern auch zur notwendigen Nachhaltigkeitskommunikation in der Gesellschaft, die angesichts der globalen ökologischen Herausforderungen von zentraler Bedeutung ist.

Arbeitsschritte

Das Projekt DiNaPLAN gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Arbeitsschritte, die methodisch so angelegt sind, dass die Zielsetzungen systematisch erreicht und zugleich über bestehende Ansätze hinausgeführt werden. In der ersten Phase (Monat 1–2) erfolgt die Vorbereitung. Hier werden Grundideen zur Planspielgestaltung gesammelt und im Rahmen eines Coachings durch die Wissenschaftskommunikationsagentur SCINECT sowohl die Projektleitung als auch beteiligte Lehrkräfte methodisch geschult. Damit wird die Basis gelegt, um wissenschaftlich fundierte und zugleich adressatengerechte Szenarien zu entwickeln.
In der zweiten Phase (Monat 3–5) wird das Planspiel in partizipativer Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulstandorten, den Kooperationsschulen und SCINECT entwickelt. Im Zentrum stehen eine zweitägige Schülerlabor-Einheit mit Experimenten und Debattensimulation sowie die Konzeption einer längerfristigen Nachhaltigkeits-AG. Methoden der Content Conception, Content Creation und Content Management strukturieren den Arbeitsprozess.
Die dritte Phase (Monat 6–12) dient der Erprobung und Dissemination. Das entwickelte Planspiel wird zunächst in den beiden Schülerlaboren pilotiert, anschließend in den Partnerschulen durch Nachhaltigkeits-Journalismus-AGs fortgeführt. Dabei übernehmen die Lernenden verschiedene journalistische Rollen, produzieren Medienbeiträge zu nachhaltiger Mobilität und Energieversorgung und reflektieren deren Wirkung. Die Lehrkräfte werden als Multiplikator:innen einbezogen, indem sie die Übertragbarkeit auf den regulären Fachunterricht erproben.
Parallel dazu wird in der vierten Phase (Monat 6–12) eine Fortbildung für Lehrkräfte sowie eine interaktive Online-Plattform entwickelt. Diese sichert die langfristige Verbreitung und ermöglicht den Transfer des Konzepts auf weitere Schulen.
Die Wissenschaftskommunikationsagentur SCINECT begleitet als externer Partner die journalistische Qualitätssicherung und Kommunikationsstrategien.
Das Vorhaben geht über den Stand der bisherigen didaktischen Forschung hinaus, indem es erstmals alle Phasen eines Planspiels – Vorbereitung, Durchführung, Reflexion – systematisch mit aktuellen medialen Nachhaltigkeitsdiskursen verknüpft. Durch die Stärkung der Bewertungskompetenz und der Fähigkeit zu faktenbasierter Kommunikation wird langfristig ein Beitrag zu nachhaltigem Handeln und damit zu einer Entlastung von Umwelt und Klima geleistet.

Ergebnisse

Die im Projekt formulierten Ziele konnten in wesentlichen Teilen erfolgreich erreicht werden. Die Arbeitspakete AP1 bis AP4 wurden planmäßig umgesetzt. Mit „ChangeUp“ entstand ein modular aufgebautes, praxisnahes Planspielszenario, das naturwissenschaftliche Fachinhalte, Nachhaltigkeitsbildung und Wissenschaftskommunikation überzeugend miteinander verbindet. Das Konzept umfasst ein verpflichtendes Basismodul zu journalistischen Arbeitsweisen und Gatekeeping sowie Wahlmodule zu Fake News, Künstlicher Intelligenz, Greenwashing und auditiver Medienproduktion. Der vorgesehene Arbeits- und Zeitplan konnte insgesamt sehr gut eingehalten werden. Einzelne Entwicklungsschritte und erste Pilotierungen wurden sogar früher als ursprünglich vorgesehen realisiert. Die frühzeitige Erprobung ermöglichte es, Materialien und Abläufe gezielt weiterzuentwickeln und beispielsweise die zeitliche Taktung sowie die Differenzierung der Lernangebote noch passgenauer auf unterschiedliche Lerngruppen abzustimmen. Die breite praktische Erprobung unterstreicht die gute Übertragbarkeit des Konzepts: Das Basismodul wurde im zweiten Projekthalbjahr mit insgesamt in Bremen und Kaiserslautern 452 Schüler:innen von der 10. Klasse bis zur Q2 durchgeführt. Hinzu kamen drei ganztägige Schülerlaborevents an der RPTU Kaiserslautern mit insgesamt 200 Schüler:innen, bei denen auch die entwickelten Wahlmodule eingesetzt wurden. Durch die kontinuierliche Einbeziehung von Rückmeldungen der Schüler:innen und Lehrkräfte konnte das Szenario fortlaufend optimiert werden. Zum Projektende liegt damit ein mehrfach erprobtes, flexibel einsetzbares Format vor, das auch für weitere schulische und außerschulische Lernkontexte geeignet ist. Die begleitenden Untersuchungen liefern zudem positive Hinweise darauf, dass mit dem Ansatz insbesondere Perspektivenübernahme, Bewertungskompetenz und kritische Medienreflexion gefördert werden können. Das ökologische Potenzial des Projekts liegt vor allem in seiner Bildungs- und Transferwirkung. Durch die fundierte Auseinandersetzung mit nachhaltiger Mobilität und Energieversorgung sowie mit der medialen Darstellung entsprechender Themen werden Schüler:innen darin gestärkt, wissenschaftsbezogene Informationen kritisch zu prüfen, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und Nachhaltigkeitsfragen reflektiert zu beurteilen.

Instagram KanalWerbe-/Abschlussvideo

Öffentlichkeitsarbeit

Die Öffentlichkeitsarbeit von DiNaPLAN unterstützte die Sichtbarkeit des Projekts und den Transfer der entwickelten Konzepte. Über den Instagram-Account @changeup_schule wurden regelmäßig Einblicke in die Projektarbeit, Schüler:innenprodukte und zentrale Projektziele veröffentlicht. Ergänzend dient die Website changeup-schule.de als Informations- und Transferplattform für Materialien, Konzepte und Ergebnisse sowie zur Anfrage von Veranstaltungen.
Das Projekt wurde zudem auf der Fachgruppentagung Chemieunterricht (FGCU) der GDCh und beim Sommersymposium für Naturwissenschaftsdidaktik an der LMU München vorgestellt. Erkenntnisse aus DiNaPLAN wurden außerdem im Themenheft „Social Media“ der Zeitschrift Unterricht Chemie (214/2026) veröffentlicht.
Weitere Sichtbarkeit erhielt das Projekt durch den Besuch des rheinland-pfälzischen Bildungsministers Sven Teuber am Siebenpfeiffer-Gymnasium in Kusel. Dort stellten Schüler:innen ihre Projektarbeit vor und führten im Format „Schüler:innen fragen …“ ein Interview zum Thema Nachhaltigkeit in der Bildung. Zum Projektabschluss entstand gemeinsam mit SCINECT ein Video, das die Ergebnisse dauerhaft sichtbar macht und für eine weitere Nutzung der Angebote wirbt.

Landingspage

Fazit

Das Verbundprojekt DiNaPLAN hat mit „ChangeUp“ ein praxisnahes und flexibel einsetzbares Planspielszenario entwickelt und erprobt, das naturwissenschaftliche Fachinhalte, Nachhaltigkeitsbildung und Wissenschaftskommunikation verbindet. Im Zentrum steht die aktive Auseinandersetzung mit der Auswahl, Aufbereitung und Bewertung wissenschaftsbezogener Informationen. Durch journalistische Rollen, eigene Medienprodukte und gemeinsame Reflexion werden Perspektiven, Wertmaßstäbe, Quellenqualität und mediale Wirkung unmittelbar erfahrbar.
Das Basismodul bewährte sich in unterschiedlichen schulischen Kontexten und konnte mithilfe der FactSheets und des ChangeBoards an verschiedene Lerngruppen angepasst werden. Rückmeldungen von Schüler:innen und Lehrkräften flossen kontinuierlich in die Weiterentwicklung ein. So liegt zum Projektende ein mehrfach erprobtes, übertragbares Szenario vor. Eine besondere Stärke war die enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Partnerschulen und SCINECT.
„ChangeUp“ wird auch nach Projektende an beiden Standorten weitergeführt und weiteren Schulen zugänglich gemacht. Zudem lässt sich der didaktische Ansatz auf andere gesellschaftlich relevante Nachhaltigkeitsthemen übertragen. Damit bietet DiNaPLAN einen anschlussfähigen Ansatz, der Scientific Media Literacy stärkt und Schüler:innen befähigt, wissenschaftsbezogene Informationen kritisch zu bewerten und verantwortungsvoll an gesellschaftlichen Diskursen teilzunehmen.

Übersicht

Fördersumme

94.161,00 €

Förderzeitraum

01.07.2025 - 01.07.2026

Bundesland

Rheinland-Pfalz

Schlagwörter

Environmental communication