Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW)
Fachbereich 5
Gestaltung und Kultur, Studiengang Modedesign
Wilhelminenhofstr. 75 a
12459 Berlin
Die Modeindustrie basiert bislang auf einem linearen Geschäftsmodell: Immer mehr Kleidung wird produziert, nach kurzer Nutzungsdauer entsorgt und durch neue ersetzt. Jedes Kleidungsstück verbraucht wertvolle Ressourcen und hinterlässt einen erheblichen ökologischen Fußabdruck. Die Branche ist für rund 10 % der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Besonders Fast Fashion verschärft diese Problematik: Immer kürzere Lebenszyklen erhöhen die globale Kleidungsproduktion. Prognosen nach, werden im Jahr 2030 rund 200 Milliarden Kleidungsstücke pro Jahr neu produziert werden. 2014 waren es nur etwa 100 Milliarden Kleidungsstücke [vgl. Akin, 2023, 42 ff.].
Das Projekt KMU-ReparaturTex setzt sich daher für eine nachhaltige Transformation der Mode- und Bekleidungsbranche ein. Im Fokus stehen dabei kleine und mittlere herstellende Bekleidungsunternehmen, das Reparatur- und Änderungshandwerk sowie Ausbildungseinrichtungen für Handwerk und Design.
Durch die Entwicklung von beruflichen Qualifizierungsangeboten unterstützt das Projekt Unternehmen und Handwerk dabei, einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz leisten zu können. Wird der Lebenzyklus von Mode- und Bekleidungsprodukten durch eine verbesserte Änderungs- und Reparaturfähigkeit verlängert, können Ressourcen geschont und Textilabfälle reduziert werden. In einem KMU-ReparaturTex Netzwerk wird zudem Dialog zwischen den Beteiligten und weiteren Akteurinnen und Multiplikatorinnen gefördert.
Damit leistet KMU-ReparaturTex einen Beitrag zum Aktionsplan der im Juli 2024 in Kraft getretenen Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte der Europäischen Kommission. Ebenso wird das zwölfte Ziel (Nachhaltiger Konsum und Produktion) der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs – Sustainable Development Goals) adressiert.
Quellen:
Akin, M. (2023): Apparel Report 2023: Statista Consumer Market Insights
European Commission (2022): EU-Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien, Ökodesign Anforderungen: COM (2022) 141 final, Brüssel
KMU-ReparaturTex schafft die Möglichkeit, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft über den Schwerpunkt der Nutzungsverlängerung von Bekleidung, umzusetzen. Es werden die Hersteller von Mode- und Bekleidung und Reparatur- und Änderungsdienstleister in den engen Austausch gebracht und verbunden. Zudem werden Maßnahmen entwickelt, die Sichtbarkeit und die Qualifikation des Handwerks zu erhöhen, in dem Fortbildungsbedarfe auf Seiten aller Beteiligten identifiziert werden und passende Angebote entwickelt werden.
Das Projekt gliedert sich in fünf Arbeitspakete:
1) Der Produktentwicklungszyklus für Bekleidungsprodukte wird in der bestehenden Form aufgegriffen und auf die Integrationsmöglichkeiten von innovativen Reparatur- und Änderungsansätzen untersucht. Dieses erfolgt in enger Zusammenarbeit mit herstellenden Unternehmen in Deutschland und mit Reparatur- und Änderungsdienstleistern.
2) Die zuvor identifizierten Lösungsansätze werden in Themen für Fortbildungsmodule überführt und zeitgemäße Tools der beruflichen Fortbildung für Industrie und Handwerk gemeinsam mit Vertreter:innen aus Einrichtungen der beruflichen Aus- und Fortbildung (z.B. Berufsschulen, Universitäten) entwickelt.
3) Mit dem Ziel eines kontinuierlichen Austauschs zwischen allen Aktuer:innen und sonstigen Interessengruppen werden Angebote zum Dialog konzipiert und auf einer Onlineplattform implementiert.
4) Auch die Wahrnehmung von Änderungs- und Reparaturdienstleistungen bei Verbraucherinnen soll gestärkt werden. Adäquate Informationsangebote (Veranstaltungen, Broschüren, Flyer o.ä.) für Verbraucherinnen und andere Interessensgruppen werden im Projektverlauf bereitgestellt.
5) Zum Projektabschluss erfolgt die Veröffentlichung und Weitergabe der Projektergebnisse zur Nutzung an interessierte Dritte (z.B. durch Veröffentlichungen und Veranstaltungen).
Durch die angeleitete Interaktion von Industrie, Handwerk und Bildungseinrichtungen sind bereits erste Ideen für innovative, kostengünstige und einfach umsetzbare Reparatur- und Änderungsansätze (Circular Repair) entstanden, die eine Verlängerung der Nutzungsphase von Textilien ermöglichen.
Gleichzeitig wird in Interviews und Workshops mit den Akteuren immer wieder deutlich, unter welchem wirtschaftlichen Druck herstellende Unternehmen und insbesondere das Änderungs- und Reparaturhandwerk stehen und wie wenig Sichtbarkeit das Handwerk hat.
Das Überführen dieser Ideen und Lösungsansätze zur Verlängerung der Nutzung von Mode und Bekleidung in öffentlich einsehbare Informationen und Fortbildungsmodule, soll es allen Interessengruppen ermöglichen, sich mit den neuesten Erkenntnissen und Best Practices vertraut zu machen. Ein zentraler Bestandteil des Netzwerks ist das „Train-the-Trainer"-Prinzip, mit dem Ziel, Wissen innerhalb der eigenen Organisationen weiterzugeben.
KMU ReparaturTex bereitet die Erkenntnisse stets auf und veröffentlicht relevante Informationen, Fortschritte und Kooperationen auf der Homepage des Projektes und auf LinkedIn.
Über Events und Veranstaltungen wird in relevanten Medien, Social Media (LinkedIn) sowie die Kanäle der Projektpartner:innen informiert.
Im bisherigen Projektverlauf konnten wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung beruflicher Qualifizierungsangebote für Design und Änderung-/Reparaturhandwerk gewonnen werden. In weiteren dialogorientierten Formaten (z.B. Workshops) arbeiten die Akteure aktuell gemeinsam an Umsetzungideen.