Georg-August-Universität Göttingen
YLAB-Geisteswissenschaftliches Schülerlabor
Friedländer Weg 2
37085 Göttingen
Das vom YLAB – Geisteswissenschaftliches Schülerlabor der Universität Göttingen in Kooperation mit der Professur für Didaktik der Philosophie und das Fach Werte und Normen sowie der Professur Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung entwickelte Projekt setzte sich zum Ziel, die interdisziplinäre Kontextualisierung und kommunikationsbasierte Vernetzung im Zusammenspiel von Schule und Universität zu vermitteln und zu fördern. Im Rahmen des transdisziplinären Projekts wurde ein fächerübergreifendes Bildungsangebot am YLAB entwickelt, erprobt und etabliert, das Grundlagen der Circular Economy (CE) sowie Zukunftsfähigkeiten vermittelt. Darauf aufbauend wurden Lernmaterialien für die Nutzung in anderen Schülerlaboren konzipiert, die insbesondere das Angebot der schwerpunktmäßig im MINT-Bereich verorteten Labore durch geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Perspektiven erweitern. Um die Behandlung des Themas im Schulunterricht zu unterstützen, fanden Fortbildungen für Lehrkräfte mit dem Ziel statt, diese für das Thema CE zu sensibilisieren und einen wesentlichen Beitrag hin zu einer Schulentwicklung beizutragen, in der das Thema CE im Unterricht implementiert wird. Außerdem wurde das Thema CE in einer Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern der Landespolitik sowie im Rahmen weiterer Veranstaltungen öffentlich in den Fokus gerückt.
Dass dreitägige Programm zielt darauf ab, Jugendlichen die Ziele und Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung zu vermitteln, die Folgen wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen begreifbar zu machen, den Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen einzuüben, Grundsätze normativer Reflexion kennenzulernen, um ihnen zu ermöglichen, einen reflektierten und aktiven Part bei der Transformation der Gesellschaft zu einer CE einzunehmen. Jeder der aufeinander aufbauenden Workshoptage verfolgt einen „Hands-on“-Ansatz, der Freiräume für selbständiges, forschendes Lernen schafft und die Beschäftigung mit möglichst authentischen Materialien ermöglicht.
Der erste Workshop widmet sich wirtschaftlichen Fragestellungen. Dabei stehen Nachhaltigkeitskonflikte in globalen Wertschöpfungsketten im Fokus, die u.a. in einem interaktiven und kompetitiven Planspiel vermittelt werden. Die Jugendlichen setzten sich mit den möglichen Lösungsansätzen Nachhaltigkeitssiegel und Kreislaufwirtschaft kritisch auseinander. Eine abschließende Diskussion über die Relevanz faktenbasierter Berichterstattung und guter Wissenschaftskommunikation rundet den Tag ab.
Der zweite Workshop beleuchtet das Thema CE aus Sicht der Philosophie und thematisiert die vermeintliche Unvereinbarkeit sozialer, ökologischer und ökonomischer Interessen im Nachhaltigkeitsdiskurs. Scheinbare Dilemmata werden auf der Basis einer Rechercheaufgabe zu Beispielen aus dem Kontext der CE analysiert. Dabei erkennen die Teilnehmenden, dass es (durchaus komplexe) Konflikte, jedoch nicht unlösbare Dilemmata sind, die u.a. unter Zuhilfenahme philosophischen Handwerkszeugs und moralphilosophischer Theorieelemente analysiert werden können. Dadurch werden mögliche Handlungsoptionen erkennbar, die in konkrete ethische Reflexions- und Entscheidungsroutinen überführt werden, die für zukünftige Entscheidungsprozesse im Nachhaltigkeitsdiskurs nutzbar gemacht werden können.
Am dritten Tag werden Kriterien zur Identifikation und Analyse von Falschinformationen erarbeitet, die beispielhaft an aktuellen Nachrichtenmeldungen und Social-Media-Posts angewendet werden. Die Rolle von Werbung und Produktdesign wird thematisiert, da in diesem Bereich besonders häufig mit CE geworben wird. Auf diese Weise werden gesellschaftswissenschaftliche Zusammenhänge erarbeitet. Dabei wird die Bedeutung der Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation für evidenzbasierte Entscheidungen (nicht nur) im Rahmen der Transformation zu einer CE erkennbar.
Der im Rahmen der Förderung entwickelte dreitägige Workshop ist dauerhaft im Programm de YLAB-Geisteswissenschaftliches Schülerlabor der Universität Göttingen abrufbar.
Im Rahmen des Projekts wurden interaktive Lernmodule entwickelt, die auf einen Zeitraum von etwa 60 bis 90 Minuten angelegt sind. Der Zugriff auf die Lerneinheiten erfolgt demnächst niedrigschwellig über die Website des Bundesverbands der Schülerlabore e. V. und ist für Mitglieder kostenlos.
Im Rahmen der 19. LeLa-Jahrestagung (10.-12.3.2024) wurde das Projekt mit dem 2. Platz in der Kategorie Schülerlabor+ ausgezeichnet. In der Laudatio wurde der fächerübergreifende Ansatz des Projekts sowie das aufwändige Konzept besonders hervorgehoben. Die Jury betonte die inhaltliche Erweiterbarkeit und die Möglichkeit, die Grundidee des Projekts, die den Austausch der Lehrmaterialien für andere Labore vorsieht, in anderen Laboren zu adaptieren. Der Gedanke, ein komplexes Thema am besten interdisziplinär bearbeiten zu können, konnte ebenfalls überzeugen.
Im Rahmen des Projekts sind ferner zwei Aufsätze entstanden, die das Konzept des Workshops näher beschreiben. Zum einen erschien ein Aufsatz in einer Sonderausgabe des LeLa-Magazins, das vollständig unter dem Motto „Circular Economy“ stand (Anja Titze/Gilbert Heß: Auf dem Weg zu einer circular literacy, in: LeLa Magazin 36, März 2024, S. 4f.). Zum anderen befindet sich ein Beitrag über das Projekt in einem Sammelband, in dem Projektvorstellungen aller im Zuge des DBU-Programms geförderten Projekte enthalten sind (Anja Titze/Gilbert Heß: Akzeptanz schaffen durch Zusammenarbeit: Philosophie, Wirtschafts- und Medienwissenschaften im Dialog, in: Lernort Labor e.V. (Hg.): Es geht rund im Schülerlabor. CE vermitteln, Dänischenhagen 2024, S. 72-79).
Inhalte des Projekts sowie die Ergebnisse der Schülerprojekte wurden in öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen vorgestellt. Zentral war hierbei insbesondere die Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern der Landespolitik. Darüber hinaus konnten die Projektverantwortlichen das Projekt im Rahmen weiterer Veranstaltungen ganz unterschiedlicher Ausrichtung bekanntmachen und für die fächerübergreifende Bearbeitung des Themas CE werben.
Ein Teil dieser Veranstaltungen diente auch dem Austausch mit anderen Schülerlaboren, der sich als hilfreich und gewinnbringend erwiesen hat. Auch die Flyer und erschienenen Publikationen leisten einen effektiven Beitrag dazu, das Projekt sowie die entwickelten digitalen und analogen Angebote bekannter zu machen.
Im Rahmen des Projekts wurden interaktive Lernmodule entwickelt, die auf einen Zeitraum von etwa 60 bis 90 Minuten angelegt sind. Diese können von Lehrpersonen anderer Schülerlabore durchgeführt werden. In den Modulen wechseln sich kurze Inputs in verschiedenen medialen Formen (Video, Audio, Text) mit Aufgaben für die Schülerinnen und Schüler ab. Unter anderen kommen hier Diskussionen in Kleingruppen sowie im Plenum, Brainstorming und Recherchen in Kleingruppen sowie ein Quiz zum Einsatz. In den zur Verfügung stehenden Unterlagen zur Planung der Lehreinheiten sind detaillierte Ablaufpläne, Hintergrundinformationen sowie Materialien zur Durchführung wie Präsentationen und Arbeitsblätter enthalten. Der Zugriff auf die Lerneinheiten erfolgt demnächst niedrigschwellig über die Website des Bundesverbands der Schülerlabore e. V. und ist für Mitglieder kostenlos.