Tafeln für die Ueckermünder Heide

DBU-Naturerbefläche auf 95 Kilometern erleben
Aus der Vogelperspektive: Mit mehr als 80 Prozent Waldanteil gehört die DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide zu einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete Mitteleuropas. Eine echte Erfolgsgeschichte im Naturschutz ist die Wiedervernässung des Martenschen Bruchs (Teilausschnitt im Bild unten links).

Ueckermünde. Lust auf Wälder und Moore, Haffküste und Binnendünen sowie Magerrasen und Seen? Im Nordosten Deutschlands haben Naturbegeisterte eine große Auswahl: Mit fast 10.000 Hektar ist die DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide mit Abstand das größte Areal im Nationalen Naturerbe – und zugleich eines der vielfältigsten. Zum Erkunden und Erleben lädt die Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, jetzt mit 18 neuen Infotafeln in vier Teilgebieten herzlich ein.

Ein Juwel der biologischen Vielfalt mit faszinierenden Natur-Attraktionen

Die in Mecklenburg-Vorpommern liegende DBU-Naturerbefläche befindet sich am Stettiner Haff an der Grenze zu Polen und ist fast so groß wie der weiter südlich gelegene Nationalpark Unteres Odertal. „Die Ueckermünder Heide ist ein ausgesprochen facettenreiches Juwel für den Erhalt der biologischen Vielfalt mit vielen, faszinierenden Natur-Attraktionen“, sagt Susanne Belting, Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe. Die gesamte Fläche gehöre ihr zufolge mit mehr als 80 Prozent Waldanteil zu einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete Mitteleuropas. In die touristisch bereits gut erschlossene Region fügt sich laut Belting das vom DBU Naturerbe ausgewiesene und mit dem Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz, dem Naturpark „Am Stettiner Haff“ sowie Akteuren aus Tourismus und Verwaltung abgestimmte, 95 Kilometer umfassende und auf Naturverträglichkeit bedachte Wegekonzept hervorragend ein. Die neuen Tafeln informieren über Aussichtspunkte, Wanderrouten, Naturbesonderheiten und Historie der vier Teilgebiete.

Bellin mit Eggesiner See und Halbinsel Altwarp: Eiszeitliche Naturvielfalt am Stettiner Haff

Reizvoll sind die Wege entlang des Ufers auf der zirka 2.100 Hektar großen Halbinsel Altwarp mit immer wiederkehrenden Ausblicken auf das Stettiner Haff.

Als Startpunkt für eine Wanderung eignet sich das rund 2.000 Hektar große Teilgebiet Eggesiner See/Bellin östlich von Ueckermünde. Die DBU-Naturerbe-Tafeln informieren über die ausgewiesenen Besuchswege, die durch Kiefern-, Laub- und Mischwälder führen. Den Waldpfaden folgend finden sich etwa ein mit Seggen und Schilf bewachsener Sumpf – Eggesiner See genannt – sowie zwei durch ehemaligen Tonabbau entstandene Stillgewässer. Eine Besonderheit sind viele, kleine, in den Wald eingebettete Kesselmoore. „Spezialisierte Pflanzenarten wie Torfmoos, Sonnentau und das Schmalblättrige Wollgras wachsen in diesen nährstoffarmen Relikten der Eiszeit“, sagt Lena Fitzner, Flächenbetreuerin im DBU-Naturerbe. Im Norden des Teilgebiets hält das DBU Naturerbe einen ehemals militärisch genutzten Schießplatz frei von Gehölzen für den Erhalt artenreicher Sandmagerrasen und den am Rande des Stettiner Haffs gelegenen Binnendünen.

Natur pur erleben: Das DBU Naturerbe bittet Besuchende auf den ausgewiesenen Wanderwegen zu bleiben und Hunde anzuleinen.

Ein besonders reizvoller Weg entlang des Ufers verbindet das Teilgebiet Bellin mit der zirka 2.100 Hektar großen Halbinsel Altwarp. Vom „Trendel“ habe man einen der schönsten Aussichtspunkte auf das Haff, lassen die Infotafeln wissen. Östlich davon befinden sich „bis zu 15 Meter hohe Binnendünen, die infolge der letzten Eiszeit entstanden“, so Belting. Durch eine gemeinsame Initiative des DBU Naturerbes, des Bundesforstbetriebes Vorpommern-Strelitz und eines ansässigen Biobetriebes konnte die historische Dünenschäferei wieder aufgenommen werden. Seitdem halten Rauwollige Pommersche Landschafe die naturschutzfachlich wertvollen Heidelandschaften offen. Fitzner: „Besonders schön lässt sich die Natur im urigen Wacholdertal südwestlich von Altwarp erleben.“ Dort finde ihr zufolge etwa die seltene Nachtschwalbe gute Lebensraumbedingungen.

Ahlbecker Seegrund und Gottesheide: Nasse Moore und schattige Wälder

Das dritte etwa 2.700 Hektar große Teilgebiet der DBU-Naturerbefläche lässt sich entlang des Haffs über das Fischerdörfchen Rieth erreichen. Die Infotafeln zeigen ein aus der Vogelperspektive aufgenommenes Bild einer riesigen und nahezu intakten Moorlandschaft. „Mit dem Ahlbecker Seegrund liegt hier das größte, wachsende Kalkschwingmoor Deutschlands: Lebensraum vieler Vogelarten wie dem Kranich“, sagt Belting. Südöstlich von Ahlbeck von einem Weg am Rande des Ludwigshofer Sees richtet sich der Blick in das Verlandungsmoor. Weiter gen Süden führt der Weg durch mittelalte Kiefernforste, die langfristig zu Laub-Mischwäldern entwickelt werden.

Für die fast 10.000 Hektar große DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide stehen die drei Revierleitungen Maximilian Marr, Christina Möller und Fabian Maerkel im Auftrag des DBU Naturerbes als Ansprechpersonen vor Ort zur Verfügung.

Alte Buchen- und Bruchwälder finden Wandernde in der Gottesheide im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Polen. Fitzner: „Hier bleibt die Natur sich selbst überlassen. Käfer, Spechte und Bilche nutzen das morsche Holz und alte Bäume als Nahrungs- oder Brutstätte.“ Im rund 3.000 Hektar großen Teilgebiet gibt es zudem „eine echte Erfolgsgeschichte im Naturschutz: die Wiedervernässung des Martenschen Bruchs“, so Belting. Seit 2011 wurde der Grundwasserspiegel mithilfe von regulierbaren Stauwerken in den Entwässerungsgräben angehoben. Von der Aussichtsplattform bietet sich ein schöner Blick auf die vermoorte Senke mit insgesamt 570 Hektar Moor-, Sumpf- und Flachwasserbereichen, Tümpel und artenreichen Feuchtwiesen.

DBU Naturerbe bittet Besuchende auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben

Die DBU-Naturerbefläche Ueckermünder Heide wurde in der Vergangenheit teilweise militärisch genutzt. Manches erinnert daran, sagt DBU-Koordinator des Bundesforstbetriebs Vorpommern-Strelitz Klaus Reimers: „Der ehemalige Schießplatz Bellin wurde etwa zu militärischen Übungszwecken offengehalten und die Anhöhe auf der Halbinsel Altwarp, der sogenannte Trendel, ist künstlich angelegt und wurde zudem als Raketenberg oder Feldherrenhügel bezeichnet.“ Für die gesamte Naturerbefläche stehen insgesamt drei Revierleitungen im Auftrag des DBU Naturerbes als Ansprechpersonen vor Ort zur Verfügung. „Wir bitten Besuchende um Rücksicht auf die Tier- und Pflanzenwelt“, sagt Reimers. „Bleiben Sie auf den ausgewiesenen Wegen und führen Sie Hunde an der Leine.“

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