
Bad Salzungen. Natur sich selbst überlassen oder pflegen? Für die rund 1.500 Hektar große DBU-Naturerbefläche Salzunger Vorderrhön hat die Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das DBU Naturerbe, zusammen mit Partnern das künftige Vorgehen festgelegt. Zu den erfassten Besonderheiten zählen neben naturnahen Buchenwäldern auch Bachtäler, Feuchtgebiete und Grünlandflächen, die es zu erhalten gilt. Welche Ziele es gibt und was in den kommenden zehn Jahren naturschutzfachlich erforderlich ist, das beschreibt der jetzt fertiggestellte Naturerbe-Entwicklungsplan.
Vulkangestein und Wälder prägen das abwechslungsreiche Gelände

Die DBU-Naturerbefläche Salzunger Vorderrhön liegt südlich von Eisenach im Westen Thüringens zwischen der Hohen Rhön im Süden und dem Flusstal der Werra im Norden. Höchste Erhebungen sind zwei aus Vulkanschloten entstandene Bergkegel: der Pleß mit 645 Höhenmetern und die etwas kleinere Stoffelskuppe mit ihren Blockhalden. Das abwechslungsreiche Gelände wird vorwiegend geprägt durch Fichten- und Kiefernforste, aber es gibt auch naturnahe Buchenwälder auf den sanften Hanglagen. „Von besonderer Bedeutung sind die starkstämmigen Höhlenbäume, die Fledermäuse wie die streng geschützte Bechsteinfledermaus als Quartiere zur Jungenaufzucht nutzen“, sagt Dr. Heike Schneider, Projektleiterin im DBU Naturerbe. Daneben finden sich bunt blühende Wiesentäler etwa entlang des Polsambachs, der in Bad Salzungen als Pfitzbach in die Werra fließt.
Naturwald von morgen

Künftig soll sich der Großteil des Waldes ohne menschliche Eingriffe entwickeln, teilte die Stiftungstochter und zugleich Flächeneigentümerin mit. Die rasche Überführung der Wälder in eine natürliche Entwicklung sei eines der grundlegenden Ziele im DBU Naturerbe, das insgesamt 66 Flächen mit rund 70.000 Hektar umfasst. „Für den Naturwald von morgen schaffen wir in der Salzunger Vorderrhön geeignete Voraussetzungen: Etwa ein Viertel des Waldes bleibt bereits jetzt sich selbst überlassen und für weitere zehn Prozent können wir das gleiche kurzfristig erreichen“, sagt Schneider. Und weiter: „Auf zwei Dritteln der Waldfläche steuern wir die Entwicklung langfristig in Richtung Naturnähe.“ Ziel sind vielfältige Laubmischwälder, die reich an Alt- und Totholz sind. Schon jetzt bieten einzelne Waldflächen Nahrung und Quartiere für eine Vielzahl von besonderen Arten wie Wildkatze, Schwarzspecht und Sperlingskauz.

Naturnahe Bachaue wiederherstellen und pflegen
Im Gegensatz zum Naturwald benötigen offene Flächen wie Grünland entlang von Bachauen immer wieder Pflege. Ein Beispiel: „Der Polsambachgrund ist ein artenreiches Wiesental mit gelb und weiß blühenden Wildkräutern wie Sumpfdotterblume und Echtem Mädesüß“, sagt Dr. Uwe Fuellhaas, Feuchtgebietsmanager im DBU Naturerbe. Dieser westliche Bachabschnitt sei ihm zufolge „bereits auf mehreren hundert Metern von Fichten befreit worden“, damit sich dort naturnahe bachbegleitende Wiesen entwickeln können. Fuellhaas: „Wichtig ist die regelmäßige Mahd dieser Flächen, um neuen Gehölzaufwuchs zu verhindern, und das anschließende Abräumen des Mahdguts.“ Auf Dünger und Pflanzenschutzmittel wird verzichtet. Entlang des östlichen, durch einen Fichtenforst fließenden Bachlaufs, müsse der Natur ebenso auf die Sprünge geholfen werden. Fuellhaas: „Um naturnahe Vielfalt auch hier zu schaffen, soll der Polsambach auf einer Länge von insgesamt mehr als 500 Metern und einer beidseitigen Breite von 15 Metern von Fichten freigestellt werden.“ Ziel seien sanft gestufte Übergänge zwischen Auwiesen und Waldrand auf beiden Uferseiten.
Europäisches Schutzgebietsnetz: Gebiet liegt im Biotopverbund

Eingebettet in die weitläufigen Wälder am Fuße der Rhön kommt der DBU-Naturerbefläche Salzunger Vorderrhön eine besondere Bedeutung als Biotopverbund zu. Als Teil eines Fauna-Flora-Habitat- sowie eines Vogelschutzgebiets gehört die Naturerbefläche zu knapp 80 Prozent zum europäischen Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000. Zudem überlappt sich das Areal mit einem Natur- und einem Landschaftsschutzgebiet sowie dem Biosphärenreservat Rhön. Die Naturerbefläche wurde im Jahr 2013 vom Bund an die DBU-Tochter zur dauerhaften Sicherung von Naturschutzzielen übergeben. Seitdem zählt sie zum Nationalen Naturerbe.
Naturschutz ist Gemeinschaftsaufgabe
Gemeinsam mit dem Bundesforstbetrieb Thüringen-Erzgebirge hat das DBU Naturerbe den Naturerbe-Entwicklungsplan erstellt und mit den Behörden abgestimmt. Grundlage waren Erhebungen zu Biotopen, Waldzustand sowie Pflanzen- und Brutvogelarten. Daraus leitete das Projektteam die geplanten Naturschutzmaßnahmen für Wald und Offenland auf der DBU-Naturerbefläche Salzunger Vorderrhön ab. „Naturschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Für die Umsetzung stimmen wir uns mit den Behörden ab und arbeiten eng mit landwirtschaftlichen Betrieben und Partnerorganisationen zusammen“, sagt Susanne Belting, Fachliche Leiterin im DBU Naturerbe. Nun steht der naturschutzfachliche Fahrplan bis 2036 fest. Mitarbeitende des Bundesforstbetriebs setzen die Maßnahmen vor Ort um. Für DBU-Koordinator Jörn Krüger sowie die Revierleiter Klaus Hahner und Reiner Künstler dient der Naturerbe-Entwicklungsplan als Grundlage für die jährlich anfallenden Planungen.