Große Vielfalt im hohen Gras

Altgrasstreifen auf der DBU-Naturerbefläche Authausener Wald schaffen neuen Lebensraum
Bunte Feuchtwiesen wie entlang des Sirxbaches sind besondere Lebensräume: artenreich aber mittlerweile selten in Deutschland.
© Jan Felix Schneider/DBU Naturerbe

Bad Düben. Mit struppig, chaotisch, ungepflegt oder wild würden einige die Sirxbach-Wiesen auf der DBU-Naturerbefläche Authausener Wald beschreiben. Dabei sind die sogenannten Altgrasstreifen mit hohem Gras nicht vergessen worden, sondern bewusst geschaffener Lebensraum. „Naturschutz beginnt genau hier. Bei jeder Mahd lässt der landwirtschaftliche Betrieb von Marco Göttert ein Teil der Wiesenfläche stehen, der Insekten, Amphibien und Vögeln vielfältige Lebens-, Rückzugs- und Nahrungsräume bietet“, erklärt Jan Felix Schneider, Offenlandmanager im DBU Naturerbe, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Ungemäht für den Naturschutz

Es kreucht und fleucht zwischen den Grashalmen und es tummeln sich zahlreiche Vögel und Insekten am Blütenbuffet im Grünland. Gleichzeitig steht die Heumahd an. „Früher zog sich die Heuernte über eine längere Zeit hin und die Tiere konnten ringsherum auf ungemähte Flächen ausweichen. Mit den modernen Maschinen und Mähwerken werden Wiesen innerhalb weniger Stunden abgemäht. Da bleibt für die Tierwelt nur wenig übrig und es gibt kaum Ausweichmöglichkeiten“, erklärt Schneider. Sogenannte Altgrasstreifen können helfen. Dazu werden bei jeder Mahd bis zu zehn Prozent der Wiesenfläche stehengelassen und in Form von Streifen oder kompakten Inseln von der Mahd ausgespart. So bleiben unterschiedliche Strukturen auf der Fläche erhalten. „Altgrasstreifen bieten nicht nur im Sommer Lebensraum, sondern können auch als Winterquartiere in der offenen Landschaft dienen. Insekten überwintern in den Pflanzenstängeln oder am Boden“, erklärt Schneider. Er ergänzt „Wichtig ist aber, dass die Altgrasstreifen, die neben den dominierenden Gräsern auch viele krautige Pflanzenarten enthalten, im nächsten Jahr wieder an anderer Stelle angelegt werden, um die Pflanzenzusammensetzung nicht zu beeinträchtigen.“

Neuer Lebensraum: Bei jeder Mahd lässt der landwirtschaftliche Betrieb von Marco Göttert ein Teil der Wiesenfläche stehen, der Insekten, Amphibien und Vögeln vielfältige Lebens-, Rückzugs- und Nahrungsräume bietet.
© Jan Felix Schneider/DBU Naturerbe

Altgrasstreifen schaffen neuen Lebensraum

„Wer genau hinschaut, sieht keine ungepflegte Wiese, sondern vielfältigen und wertvollen Lebensraum“, betont Uwe Vanhauer, zuständiger Revierleiter im Bundesforstbetrieb Mittelelbe. Während der Mahd werden in den Altgrasstreifen zahlreiche Tiere wie Heuschrecken und Spinnen verschont, die den schnellen Maschinen nicht ausweichen können. Nach der Mahd dienen die Streifen ihnen als Rückzugsräume und bieten Futter sowie Deckung vor Feinden. Ebenso fühlen sich Wiesenvögel wie das Braunkehlchen in den ungenutzten Bereichen wohl und finden dort geeignete Brutplätze und Sitzwarten, von denen sie zur Nahrungssuche die Umgebung beobachten können. Moorfrösche finden in dem hohen Gras geeignete Landlebensräume. Wildbienen, Schwebfliegen, oder verschiedene Zikaden wie Diademzirpe, Graue Seggenzirpe und Steifseggen-Spornzikade profitieren von dem langfristigen Nahrungsangebot an Pollen und Pflanzensäften. Ein weiterer Vorteil: Auch spätblühende Pflanzenarten kommen bis zur Samenreife. Vanhauer: „Nach der Mahd sind die Altgrasstreifen wiederum Startpunkt, von denen aus die Tiere die gemähten Bereiche nach und nach besiedeln.“

Ohne Mahd keine blühenden Wiesen

Bunte Feuchtwiesen wie entlang des Sirxbaches sind besondere Lebensräume: artenreich aber mittlerweile selten in Deutschland. „Sie sind seit Jahrhunderten von Menschen und Landwirtschaft geprägt, doch verschwinden zunehmend aus unserer Kulturlandschaft, obwohl Deutschland für sie nationale Verantwortung trägt“, sagt Schneider. Neben zunehmender Nutzung durch Entwässerung, Umbruch und Düngung sind die Feuchtwiesen ebenso durch das genaue Gegenteil bedroht. Ihr Erhalt hängt von einer extensiven Pflege, also einer Nutzung ohne Düngung und mit wenigen Mahdterminen im Jahr ab. „Die meisten Feuchtwiesen im Authausener Wald werden derzeit einmal jährlich ab Juli gemäht, um einer Verbuschung der Wiesen mit Sträuchern und Bäumen entgegenzuwirken“, verdeutlicht Schneider. 2012 hat das DBU Naturerbe den ehemaligen militärischen Übungsplatz als Teil des Nationalen Naturerbes vom Bund übernommen. Die rund 2.200 Hektar großen DBU-Naturerbefläche Authausener Wald im Naturpark Dübener Heide ist dem Naturschutz gewidmet.

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