Elektrozaun für Ziegenschutz in Tennenlohe

DBU Naturerbe: Beweidung erhält Lebensräume
Zum Fressen gern: Ziegen knabbern leidenschaftlich gerne an Ästen und schälen die Rinde von Bäumen. In Tennenlohe ist diese Art der Beweidung wesentlich für das Erreichen der Naturschutzziele.
© Johannes Marabini

Erlangen. Ein elektrischer Zaun soll die Ziegenherde auf der DBU-Naturerbefläche Tennenlohe zusätzlich vor Übergriffen durch den Wolf schützen. Im Auftrag des DBU Naturerbes, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), hat der Bundesforstbetrieb Reußenberg gemeinsam mit den Ziegenhaltern in den vergangenen Tagen eine außen liegende Elektrolitze am bestehenden Gatter angebracht.

Gut erkennbarer Elektrozaun mit Warnhinweisen

Auf der DBU-Naturerbefläche Tennenlohe helfen rund 70 Pfauenziegen, den Gehölzaufwuchs unter Kontrolle zu halten. Derzeit sind die tierischen Landschaftspfleger in einem Gehege mit einem 1,30 Meter hohem Gatter aus Holzlatten und Maschendrahtzaun im Südwesten des Weidegebiets aktiv. „Um den Herdenschutz dort zu verbessern, haben wir gemeinsam mit den Ziegenhaltern eine außen liegende Elektrolitze auf zirka einem Meter Gatterhöhe befestigt“, sagt DBU-Koordinator Thomas Gundelach vom Bundesforstbetrieb Reußenberg. Die Stromversorgung ist bereits vorhanden: Eine innen liegende Elektrolitze wird mit 8.000 Volt betrieben. Für die äußere Litze wurden an 3.200 Pfosten Abstandshalter angebracht. Diese ragen etwa 15 Zentimeter in Richtung Besuchsweg. „Der äußere Elektrozaun ist für Besuchende schon gut erkennbar“, so Gundelach. „Außerdem haben wir Fähnchen und Gefahrenhinweise angebracht.“ Auch die Tore haben Förster und Ziegenhalter mit einer zusätzlichen Elektrolitze nachgebessert. Die Maßnahmen sollen verhindern, dass große Beutegreifer wie der Wolf über das Gatter springen oder den Maschendraht wie eine Strickleiter nutzen.

Seit fast 15 Jahren hält der Verbiss der Pfauenziegen Gehölze klein und sorgt für offene Silbergrasfluren und Heidelandschaften. Doch die Anforderungen sind gestiegen und gemeinsam mit den Ziegenhaltern verbessern DBU Naturerbe, Bundesforstbetrieb und untere Naturschutzbehörde den Herdenschutz.
© Roland Schröder/DBU Naturerbe

Wildkameras nehmen Bewegungen innerhalb des Geheges auf

Zudem wurden am Boden Durchschlupfmöglichkeiten konsequent geschlossen: „Wo der Zaun nicht mit der Heide verwachsen ist, haben wir ihn mit Heringen am Untergrund befestigt“, sagt Klaus Altenbuchner, einer der beiden Ziegenhalter. Ferner haben sie Wildkameras installiert, die ausschließlich Bewegungen innerhalb des Geheges aufnehmen. Das Vorhaben wird von der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Erlangen-Höchstadt unterstützt. Die zusätzliche Elektrifizierung des bestehenden Zauns orientiert sich an den bayerischen Empfehlungen zum sachgemäßen Grundschutz gegen Wolfsübergriffe und stellt einen Teil des Herdenschutzes dar. Bis die Maßnahmen umgesetzt sind, sollen die Ziegen zu ihrem Schutz vorübergehend in ein Gehege im Umland umgesiedelt werden.

Verbiss der tierischen Landschaftspfleger erhält Offenlandstrukturen

Vorsicht Elektrozaun: An 3.200 Pfosten brachte der Bundesforstbetrieb Reußenberg im Auftrag des DBU Naturerbes Abstandshalter für eine außen geführte Elektrolitze an. Diese und weitere Maßnahmen sollen verhindern, dass große Beutegreifer wie der Wolf über das Gatter springen oder den Maschendraht wie eine Strickleiter nutzen.
© Fabian Hauck/Bundesforst

Die rund 440 Hektar große DBU-Naturerbefläche ist als Teil des Nationalen Naturerbes dem Naturschutz gewidmet und zudem als Naturschutzgebiet „Tennenloher Forst“ ausgewiesen. Das hat gute Gründe: Sandlebensräume und Heiden mit den besonderen Offenlandstrukturen werden außerhalb von Schutzgebieten immer seltener. So auch die darauf spezialisierten Tier- und Pflanzenarten wie Nachtschwalbe, Heidelerche, Silbergras und Sandglöckchen. „Für den Erhalt dieser wertvollen Lebensräume trägt ganz erheblich die Beweidung durch die Pfauenziegen bei“, sagt Dr. Roland Schröder, Flächenmanager im DBU Naturerbe. Sie knabbern ihm zufolge gerne an Gehölzen wie Spätblühenden Traubenkirschen, Besenginster und Kiefern. Dadurch bleiben die Landschaften licht und die Silbergrasfluren und Heidelandschaften erhalten. Die Ziegenhaltung in Tennenlohe ist Schröder zufolge sehr wertvoll: „Ohne den Verbiss der Pfauenziegen hätten wir erhebliche Probleme, der Verbuschung Einhalt zu gebieten.“ Der Flächenmanager gibt zu bedenken, dass ein maschinelles Entbuschen aufgrund der im Boden befindlichen Munitionsreste nur sehr schwierig umzusetzen sei.

Großes Engagement der Ziegenhalter durch Zaunbau unterstützen

Schröder weiter: „Seit fast 15 Jahren setzen sich die Tierhalter mit großem Engagement für ihre Ziegen und die Pflege der Fläche ein.“ Doch im Laufe des vergangenen Jahres hätten sie einige Verluste hinnehmen müssen. Mehrere tote Ziegen wurden durch das Landesamt für Umwelt (LfU) als Wolfsrisse identifiziert, weitere sind in der Prüfung. „Die Herausforderungen für die Ziegenhalter sind gestiegen“, sagt Schröder. Und weiter: „Da die Beweidung in Tennenlohe wesentlich für das Erreichen unserer Naturschutzziele ist, unterstützen wir unsere Pächter beim Herdenschutz.“ Bundesforstmitarbeitende packen im Auftrag des DBU Naturerbes tatkräftig mit an. Außerdem finanziert die Stiftungstochter den drei Kilometer langen Elektrozaun. Weitere Herdenschutzmaßnahmen sind Schröder zufolge in Planung.

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