Gesundheit als subjektiver Zugang zu Umweltwissen - Environmental Health Literacy als Ansatz zur Stärkung der Selbstwirksamkeit und des Umweltbewusstseins

Stipendiatin/Stipendiat: Annabell Duda

Ergebnisse der Umweltbewusstseinsstudie in Deutschland zeigen Defizite im Umweltwissen und Umweltverhalten in der deutschen Bevölkerung, trotz eines verhältnismäßig hohen Umweltbewusstseins (Einstellungs-Verhaltens-Lücke). Auffällig sind besonders Menschen des prekären Milieus, die einerseits ein unterdurchschnittliches Umweltverhalten und Defizite im Umweltwissen aufweisen und andererseits häufiger von umweltbezogenen Erkrankungen und umweltbedingten Mehrfachbelastungen (z. B. Lärm und Luftverschmutzung) betroffen sind. Diese Betroffenheit soll als Anlass genommen werden einen Perspektivwechsel vorzunehmen, wodurch der Ausgangspunkt Gesundheitsschutz/-förderung zu Umweltschutz beitragen. Dazu wird über umweltbezogene Gesundheit bzw. gesundheitliche Selbstwahrnehmung ein persönlicher und emotionaler Zugang zum Thema Umwelt – speziell Umweltwissen – hergestellt. Ziel ist mithilfe des Environmental Health Literacy-Konzepts das Umweltbewusstsein und die Selbstwirksamkeit der Zielgruppe zu stärken. Dazu sollen Kompetenzen vermittelt werden, die zum einen ermöglichen umweltbezogene Gesundheitsinformationen zu suchen, zu verstehen, zu bewerten und zu nutzen und zum anderen informierte Entscheidungen über umweltbewusstes Verhalten in Bezug auf die eigene Gesundheit treffen zu können. Perspektivisch führen veränderte Verhaltensweisen somit nicht nur zu Gesundheitsförderung und Chancengleichheit, sondern auch zu Umweltschutz und Umweltgerechtigkeit. Anhand eines Mixed-Methods Vorgehens wird sich der Problemstellung auf mehreren Ebenen genähert. Vorab soll mithilfe einer Sekundäranalyse die Zielgruppe genauer eingegrenzt sowie dessen Umweltwissen, Relevanz des Umweltthemas und Umweltbewusstsein herausgearbeitet werden. Der Kern des geplanten Promotionsvorhabens bildet die Group Concept Mapping-Methode, die zum ersten Mal in Verbindung mit EHL durchgeführt wird. Mittels qualitativer Methoden, wie z. B. Brainstorming, und quantitativen Verfahren, wie z. B. hierarchische Cluster-Analyse, sollen im Rahmen des Group Concept Mappings, partizipativ mit der Zielgruppe die Zugänge zu Umweltwissen, dessen Bedeutung für die eigene Gesundheit sowie damit verbundene Handlungsmöglichkeiten erhoben werden. Ebenso sollen Wissenslücken sollen anhand umweltbezogenen Gesundheitsinformationen geschlossen werden. Zusätzlich soll der Kompetenzzuwachs von EHL anhand der von Finn und O’Fallon (2017) modifizierte Blooms taxonomy of educational objects abgebildet werden, indem mithilfe eines Pre-/Post-Fragebogens die EHL und das Umweltwissen der Teilnehmenden vor dem Group Concept Mapping und danach erhoben werden. Anhand der Ergebnisse kann erschlossen werden, ob das Umweltbewusstsein und/oder die Selbstwirksamkeit mit dieser Methode und Gesundheit als Zugang gestärkt werden konnte.

Förderzeitraum:
01.01.2022 - 31.12.2024

Institut:
Universität Bielefeld
Fakultät für Gesundheitswissenschaften
AG 7 Umwelt und Gesundheit

Betreuer:
Prof. Dr. Annette K. F. Malsch

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