Evaluierung und Bereitstellung von widerstandsfähigen Sorten gegenüber frühzeitigen Blattfall (D. coronariae) für den Streuobstanbau in Deutschland

Stipendiatin/Stipendiat: Sophie Richter

Die Promotion beschäftigt sich mit der Resistenzevaluierung von Apfelsorten der Deutschen Genbank Obst (DGO) gegenüber dem frühzeitigen Blattfall (Diplocarpon coronariae) und der Bereitstellung von Kenntnissen zu widerstandsfähigen Sorten für den Streuobstanbau.

Der Anbau von Streuobst prägt unser Landschaftsbild und besitzt eine wichtige kulturelle und ökologische Bedeutung. Streuobstanlagen sind einzigartige Biotope für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und ergänzen damit die Diversität unsere Kulturlandschaft. Gleichzeitig sind sie auch eine wichtige Ressource für die Vielfalt von lokalen und regionalen Obstsorten. Diese Vielfalt ist durch den Rückgang der ursprünglichen Fläche stark gefährdet. Die Ursachen für den Rückgang sind vielfältig. Ein weiteres Problem für den Streuobstanbau ist die Bereitstellung von geeignetem Pflanzenmaterial, das an die lokalen Gegebenheiten angepasst und robust gegenüber Krankheiten und Schädlingen ist.

Auch im Streuobstbau werden leider immer wieder Standardsorten gepflanzt, die anfällig gegenüber Krankheiten sind. Folglich kann es in Neupflanzungen von Streuobstwiesen mit Standardsorten zur Ausbreitung von Pathogenen kommen, welche die Pflanzung bedrohen und sich von da aus auf den Erwerbsanbau und den Haus- und Kleingartenbereich ausbreiten.

Zu diesen Krankheiten gehört zunehmend auch der frühzeitige Blattfall (Diplocarpon coronariae), welcher sich in den letzten 10 Jahren massiv im süddeutschen Raum ausbreitete.  Von der pilzlichen Krankheit sind hauptsächlich Streuobstbestände und Bäume im Haus- und Kleingarten betroffen. Welche Sorten gegen den Erreger robust sind, ist bislang weitgehend ungeklärt. In Deutschland gibt es schätzungsweise einige tausend alte und historische Sorten, welche an die lokalen Verhältnisse adaptiert sind und für die Neuanpflanzung von Streuobstanlagen zur Verfügung stehen würden. Ein Teil dieser Sorten wird direkt in Streuobstbeständen erhalten, während etwa 1000 Sorten in der DGO gesammelt und erhalten werden. Um die Ausbreitung der frühzeitigen Blattfallkrankheit sowie einen Schaden durch die Pflanzung falscher Sorten im Streuobstbereich zu minimieren, ist es deshalb notwendig, die Sortenanfälligkeit gegenüber dieser neuen Krankheit zu bewerten und deren Ursachen zu untersuchen.

Das Ziel der Studie umfasst deshalb eine umfassende Evaluierung der genetischen Ressourcen des Apfels der DGO auf Anfälligkeit gegenüber D. coronariae. Dazu werden die Sorten zunächst mit einem artifiziellen Test im Labor getestet und die robustesten Sorten anschließend in einem Gewächshaustest validiert. Danach werden mikroskopische Untersuchungen durchgeführt, um die Wirt-Pathogen-Interaktion zu charakterisieren. Anschließend erfolgt eine Assoziationsstudie mit molekularen Markern, um Resistenzregionen im Apfelgenom zu identifizieren. Diese Untersuchungen geben Rückschluss darüber, ob es sich um verschiedene Regionen oder Resistenzen in den Sorten handelt.

Die resultierenden Daten und Ergebnisse sind nicht nur wichtig für die Wahl der Sorten bei Pflanzungen im Streuobstbereich, sondern gleichzeitig auch im Haus- und Kleingartenbereich, den Erwerbsanbau, den ökologischen Anbau, sowie für die Züchtung. Durch die Wahl robuster Sorten kann der Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln verringert und einer Belastung der Umwelt vorgebeugt werden. Zusätzlich leisten die Ergebnisse auch einen Beitrag zur Erhaltung der Streuobstanlagen und damit zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in unserer Landschaft.

 

Keywords: Streuobst, Frühzeitiger Blattfall, Apfel, Widerstandsfähigkeit, Resistenz, Diplocarpon coronariae;

Förderzeitraum:
01.10.2021 - 30.09.2024

Institut:
Leibniz Universität Hannover Institut für Pflanzengenetik Abteilung molekulare Pflanzenzüchtung

Betreuer:
Prof. Dr. Thomas Debener

E-Mail: E-Mail schreiben

URL: https://www.julius-kuehn.de/zo/