Integration von Hochwasserschutz und Biodiversitätsförderung – Potenzial neuartiger Deichbegrünung

Stipendiatin/Stipendiat: Markus Bauer

Klimawandel und Biodiversitätsschutz sind Jahrhundertaufgaben und das wird besonders deutlich beim Ökosystemmanagement von Flüssen, deren Deiche als Anpassung an den Klimawandel von existenzieller Bedeutung sind. Bei Deichrückverlegungen im Rahmen neuer Hochwasserschutzkonzepte ergibt sich die Frage, inwieweit die Einrichtung einer erosionsfesten Vegetation kombiniert werden kann mit der Förderung von Biodiversität.

Extensiv genutztes Deichgrünland erlaubt dem Naturschutz bedrohte Biotoptypen zu entwickeln, und den Biotopverbund zu stärken. Man kann Synergieeffekte zwischen Naturschutz und Wasserbau erzeugen, jedoch gibt es widerstrebende Interessen: Der Natur­schutz hat Bedenken gegenüber nährstoffreichem Oberboden, der zu trivialen Beständen führen könnte; der Wasserbau möchten dagegen dicke Vegetationstragschichten einbauen, weil dadurch ein Oberbodenüberschuss im Zuge des Deichbaus und dadurch Kosten und CO2-Ausstoß für die Entsorgung vermieden werden.

Ein weiteres Problemfeld ist die Variabilität der Grünlandbestände. Auf Dauerbeobachtungsflächen konnte bereits festgestellt werden, dass die Vegetation von Jahr zu Jahr zwischen hoher und geringer Wertigkeit schwanken, ohne eine gerichtete Entwicklung zu nehmen. Die Variabilität der entsprechenden Bestände ist ein Problem bei der naturschutzfachlichen Bewertung und letztlich für die Genehmigungspraxis. Die ungerichtete Variabilität kann aber auch als notwendige ökologische Resilienz im Klimawandel betrachtet werden und muss deshalb besser verstanden werden.

Zur Untersuchung werden Vegetations­aufnahmen auf neu angelegten Deichen (2018 und 2021) und auf Dauerbeobachtungs­flächen von bis zu 70 Jahren alten Bestandsdeichen durchgeführt. Bei der Neuanlage von Deichen gibt es zwei Experimente: (i) Ein seit 2018 bestehendes Experiment des Lehrstuhls für Renaturierungsökologie verwendet unterschiedliche Sandanteile und Auftragsmächtigkeiten für die Substrate; und (ii) ein neues Experiment 2021 soll den Einfluss von Phosphor und funktionellen Saatmischungen auf die Etablierung von Deichgrünland untersuchen.

Folgende Fragestellungen werden untersucht:

  • Muster und Faktoren der zeitlichen Grünlandvariabilität?

    Wie groß ist die Arten-Abundanzvariabilität (‚Streuung‘) von Deichgrünland aufgrund raum-zeitlicher Faktoren?

    Wie stark weicht angesätes Deichgrünland vom Zielzustand ab (‚Passung‘)?

  • Effekte unterschiedlicher Phosphorkonzentrationen auf das Grünland?

    Wie stark ist der Einfluss des P-Gehalts von Ackerböden und zusätzlicher Phosphordüngung auf die Etablierung von Deichgrünland?

    Lassen sich durch funktionelle Merkmale angepasste Saatmischungen für Deiche erstellen?

Förderzeitraum:
01.06.2021 - 31.05.2024

Institut:
Technische Universität München
Wissenschaftszentrum Weihenstephan
Lehrstuhl für Renaturierungsökologie

Betreuer:
Prof. Dr. Johannes Kollmann

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