Möglichkeiten der Metallurgie. Materialspezifische Strategien und spekulative Prototypen für antidissipatives Design. Wie kann durch Design die Dissipation von Metallen reduziert werden?

Stipendiatin/Stipendiat: Konrad Schoch

Die Bedeutung von Metallen steigt seit den 2000er Jahren enorm aufgrund der andauernden Digitalisierung und Verbreitung von miniaturisierten und vernetzten digitalen Geräten (Exner, A. et al. 2016). Trotz der für die Menschheit begrenzten Verfügbarkeit von Metallen (Neukirchen, F. und Ries, G. 2014), erfolgt gegenwärtig eine massive Verschiebung der Metallreserven von unter bzw. in der Erde nach oben – unter Inkaufnahme massiver Umweltschäden (Zepf, V. et al. 2014). Dort angekommen, verdinglichen sie sich als ‘designer minerals’ (UNEP 2013) in Form von immer komplexer werdenden Produkten. Obwohl sich ihre Größen nicht wesentlich ändern, nimmt der Umfang an verbauten Funktionen und die Materialvielfalt in Smartphones und anderen Elektronikgeräten zu (Dießenbacher, J. und Reller, A. 2016). Weil die neuen Materialmischungen nicht für die bestehenden Recyclingverfahren ausgelegt sind (EEA 2017) oder eine entsprechende Verwertung als schlicht unwirtschaftlich gilt (COM 2020), dissipieren die enthaltenen Metalle und können von künftigen Generationen nicht erneut genutzt werden (Held, M. et al. 2018). Entlang der gesamten Wertschöpfung von Metallen kommt es zu dissipativen Verlusten. Als natürlicher Umstand sind sie nicht gänzlich zu vermeiden: So kommt es beispielsweise während der Nutzungsphase von Produkten zu Dissipation durch Abrieb (Kümmerer, K. 2018) oder bei Raffinerieprozessen von Roherzen zu Dissipation durch geringe Wirkungsgrade (Bublies, T. 2006). Das Forschungsvorhaben beleuchtet den Bereich der Dissipation von Metallen, der aus dem Ungleichgewicht von technologischer (Über-) Entwicklung von Produkten und den existenten metallurgischen Prozessen resultiert. Als Triebfeder gilt hier ein verantwortungsloses Design von Produkten und den in ihnen enthaltenen neuen Materialmischungen, die nicht für die bestehenden Recyclingverfahren ausgelegt sind (EEA 2017). Deutlich wird dies an der Recyclingeffizienz des Fairphone 2, dem derzeit nachhaltigsten Smartphone (Greenpeace 2017): Sie liegt bei 30-40% (van Schaik, A. und Reuter, M. 2017).

„Künftige Produkte [müssen] [...] nicht nur technologisch innovativ sein, sondern vor allem durch ihr Design zur Verminderung der Dissipation beitragen” (Kümmerer, K. 2018). Mit diesem bedeutsamen Statement wird der Status quo gegenwärtiger Produktgestaltung hinterfragt. Es richtet sich gegen die Selbstverständlichkeit und Art und Weise, wie Metalle gegenwärtig in digital technologischen Produkten zum Einsatz kommen. Durch die Brille des Designs blickt das Forschungsvorhaben auf diese progressive Denkweise über den Einsatz von Metallen und konstatiert: Die Auffassung lässt sich als exzellenter Ausgangspunkt im Sinne eines kritischen Designs (Dunne, A. und Raby, F. 2013) weiterdenken und spekulativ ausgestalten.

  • Wie kann durch Design ein nachhaltiger Metallkonsum provoziert- und die Dissipation von Metallen reduziert werden?

Das Ziel des Forschungsvorhabens besteht darin, Grundlagen und Möglichkeiten der Recycling-Metallurgie für das Design aufzudecken. Es erforscht material- und funktionsspezifische Implikationen für antidissipatives Design und mündet in der Entwicklung von spekulativen Prototypen und Strategien, um sie als mögliche Zukünfte diskutier- und bewertbar zu machen (Beucker, N. 2016).

Förderzeitraum:
01.01.2021 - 31.12.2023

Institut:
Bergische Universität Wuppertal
Fakultät für Design und Kunst - Industrial Design
Interface- und User Experience-Design

Betreuer:
Prof. Dr. Fabian Hemmert

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