Erfassung und Bewertung der Auswirkungen von Bibern (Castor fiber) auf gewässernahe Wälder

Stipendiatin/Stipendiat: Maximilian Hohm

Das vorliegende Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit der Erfassung und Bewertung des ökologischen und ökonomischen Einflusses von Bibern (Castor fiber) in deutschen Wäldern. Der europäische Biber war Mitte des 20. Jahrhunderts fast vollständig ausgerottet und nur noch in sehr wenigen Rückzugsgebieten zu finden. Die starke Reduzierung lässt sich insbesondere auf die Verfolgung durch den Menschen zurückführen. Heute steht der Biber als FFH-Art und „streng geschützte Art“ laut BNatschG unter besonderem Schutz und durch verschiedene Maßnahmen wurde ihm wieder zu einer Ausbreitung verholfen. Diese aus arten- und naturschutzfachlicher Sicht sehr positive Entwicklung wird zunehmend von teils heftigen Konflikten begleitet, denn als Bewohner von semiaquatischen Systemen und Landschaftsgestalter hat der Biber einen starken Einfluss auf seine aquatische und terrestrische Umgebung. In Deutschland hat sich der Biber inzwischen auch in Gebieten wieder angesiedelt, die ursprünglich nicht als Bibervorkommen angedacht waren. Insbesondere in bewirtschafteten Wäldern kommt es dadurch immer wieder zu Konflikten, da Biber für ihre Nahrung Bäume fällen um an Knospen und Rinde zu gelangen. Derzeit ist allerdings unklar, wie die Nahrungswahl des Bibers durch die Struktur eines Lebensraumes, wie Baumartenzusammensetzung, Baumdurchmesser, etc., beeinflusst wird. Daher ist es derzeit auch kaum möglich, eine Risikovorhersage für gewässernahe Waldgebiete zu erstellen und rechtzeitig präventive Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gebiete zu ergreifen. Darüber hinaus fehlt derzeit ein transparentes und praktikables Verfahren zur Erfassung und ökonomischen Beurteilung von Biberschäden im Wirtschaftswald, wie es für eine objektive Darstellung des Bibereinflusses, sowie zur Entschädigung von Waldbesitzern zwingend nötig wäre. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, unser Verständnis über den Einfluss des Bibers zu erhöhen und zu einem evidenzbasierten Bibermanagement beizutragen. Konkret soll in dem Projekt drei miteinander eng verzahnte Aspekte bearbeitet werden. Zunächst sollen über deutschlandweite Feldaufnahmen die Nahrungswahl von Bibern in Abhängigkeit der Lebensraumstruktur erfasst werden. Zweitens sollen verschiedene Verfahren erprobt und evaluiert werden, mit denen die Einwirkungen des Bibers insbesondere auf Bäume („Biberschäden“) erfasst werden. Drittens sollen basierend auf den Ergebnissen zu Nahrungswahl und Schadpotential ein Variantenstudium erstellt werden, mit denen besonders gefährdete Waldbestände identifiziert werden können.

Das Forschungsvorhaben soll ausgehend von einer deutschlandweiten Studie aufzeigen, welche Einflüsse die strukturellen Lebensraumbedingungen auf die Nahrungswahl und das Schadpotential haben. Bisherige Ergebnisse in der Nahrungswahl sollen in einer Metastudie zusammengefasst werden. Anschließend sollen möglichst verschiedenen Waldbestände erfasst werden, um festzustellen, wie sich das Nahrungsverhalten bei gewissen Bestandesstrukturen und Baumartenzusammensetzungen verhält. Neben der jeweiligen Baumart wird auch der Durchmesser, die Waldstruktur sowie der Gewässerabstand erfasst.

Neben der ökologischen Sichtweise auf das Verhalten soll auch die ökonomische Sichtweise beleuchtet werden. Der ökonomische Schaden, der durch das Fällen oder Ringeln von Bäumen entsteht, ist insbesondere für Privatwaldbesitzer entscheidend. Eine Entschädigung für Biberschäden gibt es in der Forstwirtschaft kaum. Jedoch kann durch das Auftreten des Bibers die forstwirtschaftliche Nutzung stark eingeschränkt werden und waldbauliche Pläne müssen verändert werden. Die Forschungsarbeit richtet einen wissenschaftlichen Blick auf die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen des Bibers.

Das Forschungsvorhaben hilft dabei, dass Verhalten des Bibers auf Waldbestände zu verstehen. Abgeleitet daraus kann man die Konflikte zwischen dem Einfluss des Nagers und den Zielen des Waldbesitzers besser verstehen und eine Akzeptanz für die Biber schaffen.

Förderzeitraum:
01.07.2020 - 30.06.2023

Institut:
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Abt. Wildtierwissenschaften

Betreuer:
Prof. Dr. Niko Balkenhol

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