Selbstschutzstrategien im Angesicht des Klimawandels - ein Bedürfnis orientierter Erklärungsansatz psychologischer Handlungsbarrieren für Umweltverhalten

Stipendiatin/Stipendiat: Marlis Wullenkord

Trotz bereits spürbarer Folgen des Klimawandels, weit verbreitetem Wissen um dessen problematische Konsequenzen und überwiegend positiven Umwelteinstellungen handeln wir in Deutschland sowohl auf individueller, als auch auf kollektiver Ebene nur unzureichend, um der Klimakrise proaktiv zu begegnen. Andererseits sind Selbstschutzstrategien wie bspw. Rationalisierung oder selbstwertdienliche Verleugnung weit verbreitet; also solche Strategien, die das Selbst vor negativen Emotionen schützen und positiven Selbstwert aufrechterhalten sollen, wenn wir mit bedrohlichen Informationen konfrontiert werden.  Um zu verstehen, wieso wir trotz besseren Wissens und umweltfreundlichen Einstellungen dennoch häufig solche Selbstschutzstrategien nutzen, wende ich in meiner Promotion die Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan, 1985, 2000, 2017) auf den Klimakontext an.

Die Selbstbestimmungstheorie ist eine Theorie menschlicher Motivation, die die Grundbedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit als Grundbausteine für menschliches Wohlbefinden und Funktionieren postuliert. Die Befriedigung dieser Bedürfnisse ist Grundvoraussetzung für proaktives Coping, während ihre Frustration zu Defensivität, Schutzmechanismen und Ersatzbedürfnissen führt. Im Kontext des Klimawandels konnte bereits gezeigt werden, dass die Befriedigung psychologischer Grundbedürfnisse mit umweltschützendem Verhalten assoziiert ist; Verhalten, welches angesichts der Klimakrise als proaktive Reaktion verstanden werden kann. Assoziationen zwischen Bedürfnisfrustration und defensiven Schutzmechanismen (Selbstschutzstrategien) wurden hingegen bisher nicht untersucht. Ziel dieses Promotionsvorhabens ist es daher, zu untersuchen, inwiefern die Befriedigung bzw. Frustration grundlegender psychologischer Bedürfnisse mit Selbstschutzstrategien und (dem Ausbleiben von) Umweltverhalten einhergeht. Dabei ist es besonders wichtig zu verstehen wieso Menschen in Abhängigkeit von ihrer Bedürfnisbefriedigung im Zusammenhang mit dem Klimawandel Selbstschutzstrategien nutzen und wie individualisierende, selbstverstärkende Wertvorstellungen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene das Zusammenspiel zwischen Bedürfnisbefriedigung, Selbstschutzstrategien und Umweltverhalten beeinflussen.

Um diesen komplexen Zusammenhängen zu begegnen sollen zunächst quantitative Studien durchgeführt werden, die die psychologischen Zusammenhänge korrelativ testen und auf Kausalzusammenhänge prüfen. Darauf aufbauend sollen gesamtgesellschaftliche Werte (individualisierende, selbstverstärkende Werte wie Streben nach Macht, Leistung und Erfolg) als zusätzliche Erklärungen für die Zusammenhänge herangezogen und experimentell untersucht werden.

Damit soll dieses Promotionsvorhaben zu einem besseren Verständnis der Motivation für Umweltverhalten bzw. der psychologischen Handlungsbarrieren, die zum Ausbleiben dringend benötigten Verhaltens führen, beitragen und vor allem durch Mitbeachtung des gesamtgesellschaftlichen Kontexts wertvolle Beiträge und Anhaltspunkte für die sozial-ökologische Transformation liefern.

 

Erste Ergebnisse:

Die angenommenen Zusammenhänge zwischen Bedürfnisfrustration und Selbstschutzstrategien, sowie zwischen Bedürfnisbefriedigung und Umweltverhalten konnten in mehreren Studien korrelativ gezeigt werden. So tendieren die Menschen, deren psychologische Grundbedürfnisse frustriert sind, dazu mehr Selbstschutzstrategien zu nutzen. Besonders ausgeprägt ist der Zusammenhang zwischen Frustration von Autonomie und dem Verdrängen des Klimawandels im Alltag.

Förderzeitraum:
01.10.2018 - 31.03.2021

Institut:
Universität Koblenz-Landau
Fachbereich Psychologie
Professur für Umweltpsychologie

Betreuer:
Gerhard Reese

E-Mail: E-Mail schreiben

URL: https://www.uni-koblenz-landau.de/de/landau/fb8/psychaus/AGUmwelt/Personen/marlis-wullenkord