Nutzung mehrjähriger Geolokatordaten zur Untersuchung von Migrationsstrategien der Flussseeschwalbe in einer sich ändernden Umwelt

Stipendiatin/Stipendiat: Nathalie Kürten

Der inzwischen bekannte Klimawandel hat Auswirkungen auf Arten aller taxonomischen Gruppen und ist ein bedeutender Faktor für den Verlust der Biodiversität. Arten mit einem saisonalen Wanderverhalten, wie z. B. Zugvögel, sind einem ganz besonderen Risiko ausgesetzt, da sie innerhalb ihres Jahreszyklus in verschiedenen Habitaten leben, die unterschiedlich starken Veränderungen unterliegen. Weltweit zeigen viele Zugvogelarten deshalb bereits starke Rückgänge, wobei Langstreckenzieher deutlich stärker betroffen sind als Kurzstreckenzieher oder Standvögel.

Um eine Vorhersage für Reaktionen auf den zukünftigen Klimawandel treffen zu können und hoffentlich einen weiteren Biodiversitätsverlust zu verhindern, müssen wir verstehen, ob Populationen sich anpassen, wie sie sich anpassen und welche Konsequenzen das für sie hat. Im Moment sind Anpassungen aber meist nur für das Brutgebiet bekannt, da für die Zugrouten und/oder Überwinterungsgebiete weitgehend individuenbasierte Informationen fehlen.

Helldunkelgeolokatordaten können hier einen wesentlichen Informationszuwachs liefern, denn sie ermöglichen ein individuenbasiertes Tracking außerhalb des Brutgebietes vieler verschiedener leichter Vogelgruppen, wie z. B. bei kleinen Seevögeln. Während individuenbasiertes Tracking bei marinen Arten zunehmend durchgeführt wird, sind weiterreichende Studien zu orts- und zeitspezifischen Umwelteffekten auf das Zugverhalten und Konsequenzen für Fitness in dieser Vogelfamilie noch relativ selten. Diese sind aber essentiell, denn nur wenn wir ein grundlegendes Wissen über den ganzjährigen Aufenthalt der Vögel, deren Interaktion mit der Umwelt und die Fitnesskonsequenzen haben, wissen wir auch zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort sie Schutz benötigen.

Die Flussseeschwalbe (Sterna hirundo, Indikatorart, Rote Liste Deutschland: stark gefährdet), die wie viele Millionen anderer Zugvögel aus Überwinterungsgebieten in Westafrika über den Ostatlantischen Zugweg in ihre Brutgebiete in Europa zieht, ist in einem ihrer Brutgebiete, dem Banter See in Wilhelmshaven, seit 1992 im Fokus einer individuenbasierten Langzeitstudie. Durch zwei erste Studien zu phänologischen Anpassungen dieser Population wissen wir bereits, dass verschiedene Umweltfaktoren unterschiedlich mit Ankunftstag, Ankunftsgewicht und Legetag der Flussseeschwalben im Brutgebiet zusammenhängen. Mit Daten über das Zugverhalten und entsprechenden orts- und zeitspezifischen Umweltdaten für die Zugrouten und die Überwinterungsgebiete könnten wir einen wichtigen nächsten Schritt machen und Anpassungen an Umweltfaktoren sowie Carry-over-Effekte auf Fitness darstellen.

Deshalb ist es mein Ziel, in den Jahren 2018-2021 jeweils insgesamt bis zu 75 Flussseeschwalben mit Helldunkelgeolokatoren auszustatten, Zeitpunkt und Aufenthaltsort der Vögel mithilfe der Geolokatoren zu bestimmen und entsprechende orts- und zeitspezifische Umweltdaten zu sammeln. Anschließend werden diese individuenbasierten Daten mit den Langzeitdaten verschnitten, um Plastizität, selektive Mortalität und Konsequenzen für die individuelle Fitness zu untersuchen.

Die spezifischen Ziele meines Promotionsvorhabens lauten:

1. Effekte von Geolokatoren auf Verhalten, Reproduktionsleistung und Überleben ausschließen Kurz- und Langzeiteffekte von Geolokatoren auf Verhalten, Reproduktionsleistung und Überleben ausschließen

Ziel 1: wurde erfolgreich abgeschlossen (siehe Publikationsliste)

2. Zugrouten und Überwinterungsgebiete lokalisieren

Ziel 2: Publikation eingereicht

3. Wiederholbarkeit der individuellen Zugrouten und Überwinterungsgebiete untersuchen - Sind Individuen statisch oder flexibel?

Ziel 3: Publikation eingereicht

4. Umweltfaktoren während des Zugs und im Überwinterungsgebiet erfassen und untersuchen - Beeinflussen sie das Zugverhalten und/oder den Phänotyp bei der Ankunft im Brutgebiet?

Ziel 4: in Bearbeitung

5. Verbindung zwischen Zug, Überwinterungsgebiet und Fitness (Überleben, Carry-over-Effekte auf Reproduktionsleistung) in Bezug auf Umweltbedingungen herstellen.