Konfliktlösung im Fischereimanagement am Beispiel des Westostseedorsches (Gadus Morhua): Fuzzy Cognitive Mapping als Ansatz zur Lösung des Überfischungsproblems durch Interaktion mit Interessensgruppen

Stipendiatin/Stipendiat: Heike Schwermer

Die nachhaltige Bewirtschaftung der Meeresressourcen profitiert von der Beteiligung einer Vielzahl verschiedener Interessengruppen aus Wissenschaft, Politik, Umweltschutzorganisationen (eNGO) sowie der Berufs- und Freizeitfischerei. Typischerweise führen Konflikte zwischen diesen Interessengruppen zu gegenseitigem Misstrauen und nicht akzeptierten Managemententscheidungen. Um solche Konflikte zu lösen, ist es nicht nur wichtig zu bestimmen, wer in diesem Stakeholder-Netzwerk involviert ist, sondern auch zu wissen, wie die Beteiligten das System wahrnehmen.

Mit einem transdisziplinären Forschungsansatz konzentriert sich meine Forschung auf den Dorschbestand der westlichen Ostsee und dem Management dieser kommerziell genutzten Fischart. 

Mit dem Ansatz der Sozialen Netzwerkanalyse (SNA) werden Interessenvertreter, sogenannte Stakeholder, identifiziert, die am Management des westlichen Ostseedorsches beteiligt sind bzw. durch dieses beeinflusst sind. Mit Hilfe dieser Methode wird ein Netzwerk erstellt, welches die Kooperationen zwischen verschiedenen Interessengruppen beschreibt; eine Analyse dieses Netzwerkes erfolgt unter verschiedenen Fragestellungen

  • Welche Stakeholder sind an der Bewirtschaftung des westlichen Ostseedorsches beteiligt? Wie lässt sich die Netzwerkstruktur beschreiben?
  • Zwischen welchen Stakeholdern besteht sich die stärkste Zusammenarbeit?
  • Welcher Stakeholdergruppen bzw. welche Stakeholder weisen die größte Macht (auch:“Player“) im Netzwerk auf?

Basierend auf den Ergebnissen der SNA wird der Ansatz des Fuzzy Cognitive Mapping (FCM) verwendet, mit welchem wir untersuchen i) wie einzelne Stakeholder und Stakeholdertypen das sozial-ökologische System des westlichen Ostseedorsches wahrnehmen und ii) welche Konfliktfelder innerhalb bzw. zwischen Gruppen bestehen. Hierzu finden Einzelinterviews mit circa 30 Stakeholdern statt, die jeweils die Gruppen Fischerei, Freizeitfischerei, Politik, Umweltschutz, Tourismus und Wissenschaft repräsentieren. Zusätzliche Fragen werden hierzu beantwortet:

  • Wie wird das sozial-ökologische System von Stakeholdern und Stakeholdergruppen wahrgenommen. Gibt es Unterschiede zwischen den Gruppen oder sogar innerhalb der Gruppen?
  • Fokussieren die Interviewten das System von einer ökologischen oder sozial-ökonomischen Perspektive?
  • Wird das System eher einfacher oder komplex beschrieben?

Anschließend hierzu, finden unter der Anwendung von FCMs Workshops statt, die das Ziel haben, ein gemeinschaftliches Verständnis hinsichtlich des sozial-ökologischen Systems zu erarbeiten um somit die Voraussetzung für eine erhöhte Akzeptanz von Managemententscheidung zu schaffen. Zusätzlich dient die Anwendung von FCMs auch der Identifizierung von traditionellen und lokalen Wissen sowie der Analyse von unterschiedlicher Wissenstypen. 

Die Ergebnisse des Promotionsvorhabens bilden den Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen zu Entscheidungsprozessen zwischen den Stakeholder des sozial-ökologischen Systems der westlichen Ostseefischerei aber auch generell zu Themen des Umweltschutzes marine aber auch terrestrischer Ressourcen. Unsere Studie zeigt ebenfalls ein gutes Beispiel für die Anwendung an der Schnittstelle von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik.

Zudem ist zu erwähnen, dass die angestrebte Doktorarbeit als eine kumulative Dissertation verfasst werden soll. Durch diese Herangehensweise wird die Publikation von mindestens drei referierten Artikeln gesichert. Da das geplante Forschungsvorhaben eine hohe Umwelt- und damit Gesellschaftsrelevanz aufweist, betrachte ich in die publikationsbasierte Dissertation als die geeignete Form. Die zeitnahe Veröffentlichung meiner Ergebnisse soll einen frühzeitigen Dialog mit der wissenschaftlichen Gemeinschaft ermöglichen und so den Rückfluss von Feedback und Erfahrungen in die Bearbeitung des Promotionsprojektes ermöglichen.

 

 

Förderzeitraum:
01.07.2017 - 30.06.2020

Institut:
Universität Hamburg
Institut für Marine Ökosystem- und Fischereiwissen-
schaften (IMF)
Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN)

Betreuer:

E-Mail: E-Mail schreiben

URL: https://www.biologie.uni-hamburg.de/einrichtungen/imf.html

Publikationen: