Landwirt - Tier - Gesellschaft. Akteurszentrierte Studien zur Positionierung Nutztier haltender Landwirte im Agrarraum Bayern

Stipendiatin/Stipendiat: Barbara Wittmann

Das Erkenntnisinteresse des Promotionsprojektes besteht darin, mithilfe einer spezifisch kulturwissenschaftlichen Herangehensweise durch qualitativ-leitfadengestützte Interviews mit LandwirtInnen deren Selbstbild, soziale Positionierung sowie Verhältnis zu Umwelt und Nutztieren zu erforschen. Desweiteren wird mit Blick auf die Anwendbarkeit und den gesellschaftsrelevanten Beitrag der Arbeit erfragt, wie sich mögliche Zukunftsszenarien, Problemlösungsstrategien sowie Verhältnisse zu Politik, Verbänden und VerbraucherInnen für die LandwirtInnen darstellen. Das gegenwartsorientierte Forschungsvorhaben verfolgt, wie sich die Ausdifferenzierung des Spannungsverhältnisses aus ökonomischem Druck, Tierrechtskritik und Verbraucheranspruch aus Sicht der landwirtschaftlichen AkteurInnen darstellt, welche Strategien der Selbstverortung stattfinden und wie sich diese verändert haben.
Aufgrund der Brisanz der Debatte um die Zukunft der tierischen Produktion, eines diesbezüglich derzeit stark im Wandel befindlichen Ernährungs- und Verbraucherverhaltens sowie nicht zuletzt zur Generierung einer möglichst homogenen Befragungsgruppe wird bezüglich der Auswahl der InterviewpartnerInnen auf konventionell wirtschaftende Vollerwerbsbetriebe mit Geflügel- oder Schweinehaltung im Bundesland Bayern fokussiert. In den anvisierten 35 mehrstündigen Befragungen sollen sowohl die BetriebsleiterInnen als auch – sofern vorhanden – deren EhepartnerInnen und Angehörige mit in die Interviewsituation einbezogen werden, um gender- und generationenspezifische Aspekte der bäuerlichen Selbstwahrnehmung herausarbeiten zu können. In die Auswertung der Interviews werden ikonografisch-ethnologische Fotoanalysen von selbst erhobenen wie auch von den InterviewpartnerInnen erbetenen Familien- und Hofbildern miteinbezogen. Die Methodik wird zudem durch die Verwendung von Zeitungs- und Medienberichterstattungen über agrarische Themen im Interviewverlauf selbst gestützt, die den LandwirtInnen als Gedächtnis- und Erinnerungsstützen dienen sowie den Redefluss anregen sollen. Dabei sind auch Machtkonstellationen zwischen unterschiedlichen Akteursgruppen aus Politik, Verbänden, Tierschutz und VerbraucherInnen sowie Bewertungen von und eventuelle Abgrenzungen zu biologisch wirtschaftenden LandwirtInnen von Interesse. Zentral sind dabei durch die InterviewpartnerInnen wahrgenommene äußere „Bevormundungen“ ebenso wie stattgefundene Anreize zu Veränderungen der Betriebsstrukturen – also etwa zur Verbesserung von Tierwohlmaßnahmen oder Umsetzung von Umweltschutzvorschriften.
 

Förderzeitraum:
01.03.2016 - 28.02.2019

Institut:
Uni Regensburg
Vergleichende Kulturwissenschaft
Institut für Information und Medien, Sprache und Kultur

Betreuer:
Prof. Dr. Gunther Hirschfelder

E-Mail: E-Mail schreiben

URL: http://www.uni-regensburg.de/sprache-literatur-kultur/vergleichende-kulturwissenschaft/mitarbeiter/barbara-wittmann-m-a-/index.html

Publikationen:

  • Fremde Nähe. Migrantische Perspektiven auf Bayern
    Fremde Nähe. Migrantische Perspektiven auf Bayern. Münster 2013 (gemeinsam mit Gunther Hirschfelder).
  • Einblicke in die Lebenswelt Sexarbeit.
    Einblicke in die Lebenswelt Sexarbeit. In: Studentische Zeitschrift für Kulturforschung 2/2012.
  • Zwischen Fastfood und Öko-Kiste. Alltagskultur des Essens
    Zwischen Fastfood und Öko-Kiste. Alltagskultur des Essens (gemeinsam mit Gunther Hirschfelder). In: Theologisch-Praktische Quartalschrift 2/2014, S. 132-139.
  • „Was der Mensch essen darf“ – Thematische Hinführung
    „Was der Mensch essen darf“ – Thematische Hinführung (gemeinsam mit Gunther Hirschfelder). In: Hirschfelder/Plöger/Rückert- John/Schönberger (Hrsg.): Was der Mensch essen darf. Ökonomischer Zwang, ökologisches Gewissen und globale Konflikte. Wiesbaden 2015, S. 1-18.
  • „Was der Mensch essen darf“ – Abschließende Zusammenschau
    „Was der Mensch essen darf“ – Abschließende Zusammenschau (gemeinsam mit Jana Rückert-John). In: Hirschfelder/Plöger/Rückert- John/Schönberger (Hrsg.): Was der Mensch essen darf. Ökonomischer Zwang, ökologisches Gewissen und globale Konflikte. Wiesbaden 2015, S. 391-404.
  • Mitsommernacht
    Mitsommernacht. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung (gemeinsam mit Gunther Hirschfelder). Hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt. Auf: historicum.net
  • Kassenbon statt Wahlzettel. Zur Politisierung des Ernährungs- und Verbraucherverhaltens.
    Kassenbon statt Wahlzettel. Zur Politisierung des Ernährungs- und Verbraucherverhaltens. In: Rehaag/Rückert-John (Hrsg.): Agrarwende – Bilanz und Perspektiven. (Im Druck, gemeinsam mit Gunther Hirschfelder).