Fördert ein vermehrtes Blütenangebot die Bestäubungsleistung an Kulturpflanzen oder verstärkt es die Konkurrenz um Bestäuber?

Stipendiatin/Stipendiat: Svenja Bänsch

Die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft führt zu einem Landschaftswandel (u.a. Verlust naturnaher Habitate, Homogenisierung des Nutzpflanzenanbaus), der sich negativ auf die Bestäuber und die von ihnen erbrachten Ökosystemdienstleistungen auswirken kann. Der Samenansatz bzw. der Ertrag von Wild- und Kulturpflanzen kann durch die limitierte Bestäubungsleistung reduziert werden. Bisher ist wenig bekannt, wie sich Trachtangebote (blühender Raps oder blütenreiche Randstreifen) auf den Bestäubungserfolg an Kulturpflanzen auswirken. Eine hohe Ressourcenverfügbarkeit könnte sowohl positive (Förderung der Bestäubung) als auch negative (Konkurrenz um Bestäuber) Auswirkungen haben.
Die zentrale Fragestellung des geplanten Promotionsprojekts ist, ob ein vermehrtes Blütenangebot die Bestäubungsleistung an Kulturpflanzen fördert oder die Konkurrenz um Bestäuber verstärkt. Meine allgemeine Hypothese ist, dass ein zu großes Blütenangebot (wie massenhaft blühender Raps) die Konkurrenz um Bestäuber erhöht, wohingegen kleine Blühflächen Bestäuber anziehen und die Bestäubung fördern. Das Verständnis dieser komplexen Interaktionen könnte zum einem dem Erhaltungsschutz von Wildbienen dienen aber auch der Entwicklung von praxisrelevanten Methoden für das Bestäubungsmanagement in Agrarlandschaften. Diese Studie wird sich mit landschaftsskaligen Effekten von Raps als Massentracht und von natürlich vorkommenden Randstreifen mit blühenden Wildpflanzen auf den Ertrag und die Fruchtqualität von zeitgleich blühenden Erdbeeren, als kleinflächig blühende Nutzpflanze, beschäftigen.
Im ersten Teil des Projektes soll untersucht werden, wie das Sammelverhalten von Bienen im Erdbeerfeld, unter Berücksichtigung artspezifischer Merkmale, von der Landschaftszusammensetzung (Flächenanteile von Raps und naturnahen Habitaten) beeinflusst wird. Dafür wird die Abundanz und Diversität von Bienen erfasst und anschließend Analysen der transportierten Pollen durchgeführt. Parallel dazu, wird der Ertrag und die Fruchtqualität von Erdbeeren untersucht. Des Weiteren soll getestet werden, ob sich kleine Honigbienen- bzw. Hummelvölker aufgrund ihrer voraussichtlich kleineren Flugdistanzen besser für die gezielte Bestäubung eignen als große Völker mit großen Sammelradien. Basierend auf den Ergebnissen, können konkrete Empfehlungen zum Bestäubermanagement gegeben werden (Förderung von Wildbienen, Einsatz domestizierter Bienen).
Der zweite Teil der Studie wird sich mit dem Effekt von blühenden Randstreifen auf den Erdbeerertrag und die Fruchtqualität beschäftigen und die Bedeutung dieser blütenreichen Habitate für die Bestäubungsleistung analysieren. Auf blütenreichen und blütenarmen Randstreifen sollen Phytometerpflanzen (getopfte Erdbeeren) aufgestellt werden. Zusätzlich soll das Sammelverhalten von Hummeln genauer untersucht werden, da der Einsatz domestizierter Hummeln eine einfache Möglichkeit zur Bestäubungsförderung durch Landwirte darstellt.
Neben Bestäubung können Bienen (Honigbienen und Hummeln) auch als Vektor für Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden (entomovectoring), z.B. gegen Botrytis cinerea, Verursacher von Graufäule in Erdbeeren. Der dritte Teil des Projektes wird die Effektivität der Methode sowie die Auswirkungen auf Ertrag und Fruchtqualität vom Erdbeeren im Verhältnis zu traditionellen Pflanzenschutzmethoden in einem geschlossenen Käfigexperiment untersuchen. Die gewonnen Kenntnisse über den Zusammenhang von Sammelverhalten und Volksgröße von Honigbienen und Hummeln sind wichtig, um den Einsatz von entomovectoring im Freiland zu optimieren.
Mithilfe dieses Projekts sollen praxistaugliche Empfehlungen entwickelt werden, wie Landwirte die Bestäubungsleistung kleinräumiger Nutzpflanzen (wie Erdbeeren) unter Konkurrenzbedingungen fördern können. Des Weiteren soll die Bedeutung der Wildbienen für die Bestäubungsleistung von Nutzpflanzen hervorgehoben werden.
 

Förderzeitraum:
01.01.2016 - 31.12.2018

Institut:
Georg-August-Universität Göttingen
Department für Nutzpflanzenwissenschaften
Abt. Agrarökologie

Betreuer:
Prof. Dr. Teja Tscharntke

E-Mail: E-Mail schreiben

URL: http://https://www.uni-goettingen.de/de/svenja-bänsch/543191.html