Welches Wissen zu Klimawandel dokumentieren jugendliche UmweltschützerInnen und welche lebensweltlichen Konzepte von Klimaschutz entwickeln sie? Eine explorative Studie zu Jugendumweltgruppen aus Freiburg, Frankfurt/Main, Berlin und Leipzig

Stipendiatin/Stipendiat: Jenny Lay-Kumar

Mein Forschungsprojekt wirft einen soziologischen Blick auf abstrakte und lebensweltliche Klimawandel- und Klimaschutzkonzepte. Der Problematik der Klimaerwärmung steht ein drastischer Veränderungsdruck im Denken und Handeln der modernen Gesellschaften gegenüber, doch noch ist keine Trendwende erkennbar. Klimawandel bleibt für Jugendliche ein abstraktes Thema, das in der Lebenswelt kaum eine Rolle spielt. Anstatt bei der Ursachenerforschung fehlender Veränderungen zu verweilen, gehe ich von der Lösungsseite aus. Ich erforsche die kollektiven Wissensfiguren derjenigen, die bereits aktiv sind: Jugendliche in Jugendumweltgruppen. Obwohl es von sehr hohe gesellschaftlicher Relevanz ist, die Erwachsenen der Zukunft zu erforschen, bleiben jugendliche UmweltschützerInnen eine Leerstelle in der Forschung.

Mein Forschungsdesign besteht aus acht Gruppendiskussionen mit je vier Jugendgruppen von zwei großen Jugendumweltverbänden in sechs bundesdeutschen Großstädten. Die gewählten Städte weisen eine große Bandbreite auf von Nord nach Süd, von Ost nach West und von kleinen zu großen Großstädten. So ergeben sich Kontrastierungen und Vergleichsmöglichkeiten. Mein Forschungsprojekt gehört der qualitativ-empirischen Sozialforschung an. Ich arbeite mit dem Gruppendiskussionsverfahrens, das ich nach der dokumentarischen Methode auswerte. Zusätzlich werte ich die Homepages der Jugendgruppen und event. vorhandene Flyer anhand der Dokumentenanalyse aus und vergleiche sie mit den Ergebnisse der Gruppendiskussionen.


Ich vertrete die wissenssoziologische These, dass nicht abstraktes, explizites Wissen das Handeln und die Weltentwürfe leitet, sondern erfahrungsbasiertes, implizites Wissen. Deshalb beschränke ich mich nicht auf abstraktes Wissen zu Klimawandel und Klimaschutz, sondern untersuche das erfahrungsbasierte Wissen, das die UmweltschützerInnen im Kontext ihres Engagements in den Jugendumweltgruppen entwickeln und in Gruppendiskussionen dokumentieren. Mit meinem Forschungsprojekt leiste ich einen konzeptionellen sowie empirisch fundierten Beitrag zum Umwelt- bzw. Klimaschutz, indem ich soziologische, umweltethische und gendertheoretische Konzepte beleuchte, die Klimawandel und Umweltschutz innovativ betrachten und dadurch neue Perspektiven ermöglichen. 

Zunächst entwerfe ich ein sozial-ökologisches Rahmenkonzept zu Klimawandel und Klimaschutz. Ein Schwerpunkt liegt auf der wissenssoziologischen Analyse der Gruppendiskussionen. Wie sprechen die Jugendgruppen über Klimawandel und Umweltschutz? Welche Wissensinhalte präsentieren sie, welchen Wissenstypen entspricht es und welche impliziten Orientierungsmuster prägen ihr Wissen? Aus dem qualitativ-rekonstruktiven Forschungsprozess hat sich gezeigt, dass die Einbettung von Wissensbeständen in eine praxeologische Perspektive sinnvoll ist. Ich untersuche Wissensbestände und Deutungen als Bestandteile sozialer Praktiken, im Zusammenspiel mit Handlungsvollzügen, Organisationsstrukturen und Material. Den Werkzeugen des Gruppendiskussionsverfahrens und der dokumentarischen Analyse folgend, werde ich Vergleichshorizonte zwischen den verschiedenen Gruppen aufzeigen und kollektive Orientierungsmuster zu Klimawandel und Umweltschutz heraus arbeiten. Dieses qualitativ-rekonstruktive Verfahren besticht durch hohe methodische Transparenz und ist hervorragend geeignet, um mit der Normativität des Forschungsfeldes umzugehen. Ich werde gegenstandsbezogene Theorie generieren, die ich an den theoretischen Rahmen rückbinden kann. Dies ermöglicht eine qualifizierte und komplexe Betrachtung des abstrakten sowie erfahrungsbasierten Wissens von Jugendumweltgruppen.

 

Förderzeitraum:
01.01.2014 - 30.09.2017

Institut:
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Institut für Soziologie

Betreuer:
Prof. Dr. Nina Degele

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