Die rechtliche Steuerung der Ambivalenzen energetischer Biomassenutzung - Bioenergie und nachhaltige Landnutzung unter besonderer Berücksichtigung von Klima- und Biodiversitätsschutzrecht

Stipendiatin/Stipendiat: Dr. Bettina Elisabeth Hennig

Das Recht der erneuerbaren Energien und mit ihm das Recht der energetischen Verwertung von Biomasse ist seit einiger Zeit in immenser Bewegung: Im Jahr 2009 sind verschiedene neue Regelwerke in Kraft getreten, die in diesem Bereich für zahlreiche Veränderungen und neue Dynamik sorgen (u.a. die neu gefasste EE-Richtlinie, das novellierte EEG, das EEWärmeG und insbesondere zwei Nachhaltigkeitsverordnungen für den Strom- sowie den Kraftstoff- und Wärmesektor). Der gemeinschaftsrechtliche und nationale Gesetzgeber reagiert in den meisten der neuen Regelwerke auf den in den letzten Jahren an Schärfe und Polarisierung gewinnenden Diskurs um die ökologischen, klimapolitischen und sozialen Ambivalenzen der energetischen Biomassenutzung. Aus rechtswissenschaftlicher und steuerungstheoretischer Perspektive ist das Förderregime der energetischen Biomassenutzung deswegen ein außerordentlich interessantes Betätigungsfeld, da hier nahezu sämtliche Steuerungsinstrumente zur Anwendung kommen, die das Umweltrecht bereithält (strikte ordnungsrechtliche Vorgaben, ökonomische Anreizsetzung, teilweise selbstregulative Ansätze in Zertifizierungssystemen, etc.). Somit scheint dieses Rechtsgebiet auch prädestiniert, um eine steuerungstheoretisch überwölbte Analyse dieses überaus vielschichtigen Förderungssystems zu unternehmen, die die nach wie vor aktuelle Debatte um die ?richtige? Steuerung im Umweltrecht mit den konkreten Vorgaben der lex lata abgleicht.Ziel der Dissertation ist die Erarbeitung von möglichen Empfehlungen de lege ferenda, wie das gemeinschaftsrechtliche und nationale Förderregime der energetischen Biomassenutzung (Kraftstoffe, Strom, Wärme, Gas) so weiterentwickelt werden kann, dass (a) die Ambivalenzen der Biomassenutzung hinsichtlich der Zielkonflikte besonders im Bereich Landnutzung in einen möglichst nachhaltigen Ausgleich gebracht werden können und (b) dies steuerungstechnisch möglichst effektiv und effizient geschieht. Die dafür gewählte Methode ist die umfassende rechtsinterpretative Analyse der als einschlägig identifizierten nationalen, europäischen und völkerrechtlichen Rechtssätze. Dabei ist die Leitfrage, welche Steuerungswirkung vom jetzigen Regelungsinstrumentarium ausgeht und ob das Recht in seiner jetzigen Form insbesondere den landnutzungsbezogenen Ambivalenzen der energetischen Biomassenutzung gerecht wird.Publikationen:Hennig, Bettina/ Wilke, Martin: Gentechnikrecht und Naturschutz – Eine Darstellung und Analyse für die Praxis, NABU, Berlin 2008.Hennig, Bettina: „Mit Aarhus gegen Willkür“ – Interview zu Fragen des Gentechnikrechtes und der Prozeduralisierung, in: GID (Gen-ethischer Informationsdienst), Nr. 191, 2008, S. 35-39.Ekardt, Felix/ Hennig, Bettina/ Wilke, Martin:„Gentechnik und Naturschutz: Beteiligungs- und Klagerechte der Umweltverbände“, JbUTR 2009, S. 157-205.Ekardt, Felix/ Hennig, Bettina:„Die Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung: Chancen und Grenzen von Nachhaltigkeits-Kriterienkatalogen“, ZUR 2009, S. 543-551.Ekardt, Felix/ Hennig, Bettina/ Steffenhagen, Larissa:„Nachhaltigkeitskriterien für Bioenergie und das WTO-Recht – Am Beispiel der BioSt-NachV“, JbUTR 2010, S. 151-185.Ekardt, Felix/ Heitmann, Christian/ Hennig, Bettina:Soziale Gerechtigkeit in der Klimapolitik – Ansätze und Optionen in nationaler und globaler sowie kurzfristiger und langfristiger Perspektive, Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, veröffentlicht als: Staat und Zivilgesellschaft, Bd. 249, edition der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf 2010.Ekardt, Felix/ Hennig, Bettina: „Gentechnikrecht und Artenschutz – Welche Rechte hat der Natur- und Artenschutz beim Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen?“, NABU, Berlin 2010.Felix Ekardt/ Bettina Hennig: „Landnutzung, Klimawandel und Emissionshandel – Nationale, europarechtliche und völkerrechtliche Aspekte im Post-Kyoto-Prozess“, ZNER 2010, S. 441-451.Felix Ekardt/ Bettina Hennig/ Anna Hyla: Klimawandel, Emissionshandel und Bioenergie – Studien zu Governance- und Menschenrechtsproblemen der völker- und europarechtlichen Klimapolitik im Post-Kyoto-Prozess, LIT Verlag, Berlin 2010.Felix Ekardt/ Bettina Hennig: „Landesbehördliche Befugnisse im Spannungsfeld von Naturschutz- und Gentechnikrecht“, UPR 2010, S. 419-429.Felix Ekardt/ Bettina Hennig:„Gentechnisch veränderte Organismen im Artenschutzrecht“, NuR 2011, S. 95-103.Felix Ekardt/ Bettina Hennig: „Artenschutz im Gentechnikrecht – Zugleich zu Problemen von Effektivität, Demokratie und Abwägung im Gentechnikrecht“, NuR 2011, S. 176-183.Felix Ekardt/ Bettina Hennig/ Steffi Ober (Hg.):Gentechnikrecht und Artenschutz – Probleme von effektivem Umweltschutz und Demokratie bei der grünen Gentechnik, LIT Verlag, Berlin 2011 (i.E.).Felix Ekardt/ Bettina Hennig/ Hartwig von Bredow:„Land use, climate change and emissions trading – European and international legal aspects of the post-Kyoto process”, CCLR 2011 (i.E.).Felix Ekardt/ Bettina Hennig:Landnutzung und Klimaschutz als Rechtsproblem, in: Czybulka, Detlef (Hg.): Die Zukunft des Naturschutzrechts, Baden-Baden 2011 (i.E).Felix Ekardt/ Hilke van Riesten/ Bettina Hennig:„CCS als Governance- und Rechtsproblem“, 2011 (i.E.).Mitarbeit an Publikationen ohne eigene Autorenschaft:Felix Ekardt: Kommentierung der §§ 2, 3, 13-22, 27 EEG sowie Einleitung, in: Frenz/ Müggenborg (Hg.), EEG. Kommentar, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2010.Felix Ekardt: Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm – Kommentar im Rahmen der Sammlung Das Deutsche Bundesrecht (1097. EGL – Okt. 2010), Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2010.

Förderzeitraum:
01.06.2009 - 30.11.2011

Institut:
Universität Rostock
Ostseeinstitut für Seerecht,
Umweltrecht und Infrastrukturrecht

Betreuer:
Prof. Dr. Felix Ekardt

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