Hybrid Instruments: too smart to steer? – The case of White Certificate Instruments for energy efficiency in Europe

Stipendiatin/Stipendiat: Dr. Sibyl Steuwer

Weiße Zertifikate in Europa In der Dissertation wird die Einführung von Energiesparverpflichtungen mit (handelbaren) Zertifikaten im Bereich der Endenergieeffizienz, den so genannten Weißen Zertifikaten untersucht. Die Europäische Endenergie- und Energiedienstleistungsrichtlinie fordert von ihren Mitgliedsstaaten die Einsparung von Endenergie von 9% bis 2015. Weiße Zertifikate, verbunden mit einer Energieeinsparquote, werden in der Richtlinie als mögliches Instrument gesehen, um dieses Ziel zu erreichen. Die Weiße Zertifikate sind ein nachfrageorientiertes, auf den Endverbrauch gerichtetes Instrument. Energieunternehmen werden verpflichtet, eine bestimmte Menge an Energie durch Maßnahmen beim Endverbraucher einzusparen. Im Gegensatzu zu Emissionsobergrenzen („Cap“) beim Emissionshandel werden mit Weißen Zertifikaten relative Einsparverpflichtungen realisiert. Eine Einschätzung der Zusätzlichkeit der Einsparungen und der Höhe des Rebound-Effekts sind dementsprechend mit der Einführung des Politikinstrumentes verbunden und erfordern umfassende Monitoring & Verifizierungsverfahren.VorgehensweiseFallstudien derjenigen europäischen Mitgliedsstaaten, die bereits weiße Zertifikate eingeführt haben, soll gemeinsame und individuelle Erfolgsbedingungen für die Politikformulierung und die Einführung weißer Zertifikate identifizieren. Dies betrifft insbesondere die drei Anwendungsbeispiele in Großbritannien, Frankreich und Italien. Durch die Fallstudien werden zudem systematisch diejenigen Faktoren ermittelt, die in den Mitgliedsstaaten Schwierigkeiten bei der Einführung und Implementierung von Weißen Zertifikaten bereiteten. Der Dissertation liegt die Annahme zugrunde, dass neben dem unabdingbaren Verständnis der ökonomischen Funktionsweise der politische Kontext sowohl Einfluss auf die Einführung und Implementierung des Politikinstrumentes als auch auf die Wirkung bestimmter Instrumenteneigenschaften hat. Neuere institutionalistische Theorien geben der Arbeit einen theoretischen Rahmen innerhalb derer Einflussfaktoren untersucht werden, die aus Modellen und Ansätzen der Politikinstrumentenforschung abgeleitet wurden. Dabei wurde insbesondere die Eigenschaft Weißer Zertifikate als Hybridinstrument und die damit verbundene Möglichkeit des „Framings“ des Politikinstruments hinsichtlich möglicher dominanter Wirkmechanismen entlang der Dimensionen „Zwang – Flexibilität“ und „Preis- versus Mengensteuerungsanreiz“ untersucht. Damit verbunden war die Identifizierung und Analyse unterschiedlicher Auffassungen marktwirtschaftlicher Steuerungsansätze und deren Einfluss auf das Design (i.e. Maßnahmenwahl und Wirkmechanismus). Schließlich wurde die Kohärenz von Zielen, Design und Implementierung (d.h. tatsächliches Nutzen bestimmter Designoptionen durch die verpflichteten Akteure) untersucht. Für die Analyse wurden sowohl Primär- als auch Sekundärquellen systematisch ausgewertet. Zudem wurden Protokolle aus teilnehmender Beobachtung sowie Transkripte von 30 Experteninterviews für eine qualitative Dokumentenanalyse verwendet. Der folgende Absatz gibt einen Einblick in die Ergebnisse der Dissertation:Weiße Zertifikate können als Hybrid-Instrumente verstanden werden. Die Abstimmung oder das Matching von Ziel- und Wirkmechanismuswahrnehmung mit den politisch und wissenschaftlich relevanten Diskursen ist durch den Einsatz von Hybridinstrumenten erleichtert. Der Hybridcharakter hat durch vielfältige Framing-Möglichkeiten, d.h. vielfältige Interpretationsmöglichkeiten von Problem- & Problemlösungsdefinitionen, ein hohes Potential Akzeptanz bei Akteursgruppen mit verschiedenen Interessenslagen zu generieren. Gleichzeitig ermöglicht die Vielfalt der Ausgestaltungsoptionen die Wahl einer solchen Variante, die entweder nationalen Regulierungstraditionen und/ oder Politikstilen entspricht.Die Hypothese, dass der Einsatz einer Kombination verschiedener Wirkmechanismen zu einer größeren Akzeptanz und daher präferierten Einführung führt, konnte in den frei Fallbeispielen bestätigt werden.Weiterhin wurde festgestelllt, dass Framing nicht nur für die Phase des Agenda-Settings relevant war sondern auch während der Politikformulierung auf den Wirkmechanismus und demzufolge auf die Maßnahmenwahl Einfluss nehmen konnte. Mit Hilfe einer kriteriengestützten Wirksamkeitseinschätzung konnten Hinweise gefunden werden, dass diese Dynamik verstärkend auf die im folgenden aufgeführten Schwachstellen Weißer Zertifikate hatte:Während formal die Verpflichtung erfüllt wurde, gibt es Zweifel an dera) Zusätzlichkeit der Maßnahmenb) Kosteneffizienz des Instruments gegenüber Nicht-Hybrid-Variantenc) Zielgenauigkeit des Instrumentes gegenüber Nicht-Hybrid-Varianten.Die Hypothese, dass der Hybridcharakter zu einer effektiveren Implementierung führt konnte für die drei Anwendungsbeispiele nicht ohne Einschränkung bestätigt werden.Gleichzeitig wurden aber eine Vielzahl an (nicht-intendierten) qualitativen Mehrnutzen beobachtet. Für den Policymaker stellt sich infolge die Aufgabe qualitative und quantitative Kosten und Nutzen miteinander abzuwägen und an der politischen und institutionellen Machbarkeit zu messen. Dazu stellt ihm die Dissertation einen Hinweiskatalog an Erfolgsfaktoren und potentiellen Hemmnissen zur Verfügung.White Certificate Instruments in EuropeThe PhD Project analyses the introduction and implementation of (tradable) certificates in the area of energy efficiency. White Certificates are already introduced in the United Kingdom, France and Italy. A comparative policy analysis aims at identifying factors for the successful implementation of this market-based policy instrument.The European End-Use and Energy Service Directive requires the EU Member States to reduce energy in the end-use sectors of 9 % until 2015. Tradable White Certificates, combined with an energy saving obligation, are seen as a possible policy instrument to reach the target. White Certificates Instruments are demand-side oriented. Combined with an energy saving obligation, actors, e.g. energy distributors, are required to achieve certain energy savings by introducing measures at the consumer?s site.It was assumed that the hybrid characteristics of white certificate instruments offers various possibilities to “frame” the relevant mode of action along the dimensions “coercion-flexibility” and “price versus quantity mechanism”. Part of the research process aimed at identifying and analyzing different experts’ perceptions of market-based steering mechanisms and their influences on design (i.e. choice of measures and mode of action). Finally, objectives, design and implementation (i.e. actual utilization of certain design options by the obligated actors) were compared and tested regarding coherence and compatibility.In-depth case studies analyzing the process of agenda-setting and policy formulation of white certificate instruments in Great Britain, France, and Italy are helping to distinguish general and specific factors leading to a successful introduction of the policy instrument. The analysis further enables to detect those factors and institutional conditions impeding the implementation of White Certificate Instruments. Primary and secondary literature was taken into account in the analysis. In addition, participatory observation and 30 semi-structured expert interviews provided additional material for a qualitative document analysis. The analysis provides us with a good basis for how to deal with pitfalls in the political process. It is the aim of the PhD project to depict and explain limitations and potentials of White Certificate Instruments in delineation with other policy instruments in the field of end-use energy efficiency.

Förderzeitraum:
01.02.2007 - 31.01.2010

Institut:
Freie Universität Berlin
FB Politik- und Sozialwissenschaften
Forschungsstelle für Umweltpolitik

Betreuer:
Dr. Lutz Mez

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