Agrar-Umweltpolitik in Polen nach dem EU-Beitritt: Bewertungs- und Gestaltungsansätze und Fallstudie für die Wojewodschaft Vorkarpaten

Stipendiatin/Stipendiat: Dr. Jadwiga Ziolkowska

Das Ziel der Dissertation ist die Entwicklung eines Optimierungsmodells für eine zielgerichtete Finanzierung der Agrarumweltpolitik in Polen als neues EU-Mitgliedsland. Ein besonderer Schwerpunkt wird auf die Finanzierung von Agrarumweltprogrammen in Bezug auf Umweltbedingungen gesetzt. Die Kardinalfrage der Untersuchungen ist es, wie die Umweltziele im landwirtschaftlichen Sektor mit Agrarumweltprogrammen bestmöglich erreicht werden können.Die Agrarumweltpolitik hat in Polen seit Anfang 90er Jahre an Bedeutung gewonnen. Die Agrarumweltprogramme werden jedoch erst seit Polens EU-Beitritt im Mai 2004 nach der Verordnung der Europäischen Gemeinschaft über die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums realisiert. Mit 20% polnischen und 80% EU-Beitrag werden im Rahmen des Nationalen Agrarumweltprogramms folgende Maßnahmen gefördert: ?Nachhaltige Landwirtschaft?, ?Ökologischer Anbau?, ?Extensive Wiesenbewirtschaftung?, ?Extensive Weidenbewirtschaftung?, ?Boden- und Wasserschutz?, ?Pufferzonen? und ?Erhalt lokaler Nutztierrassen?. Da die Agrarumweltmaßnahmen neu sind und Polen wenig Erfahrungen auf diesem Gebiet hat, ist die Frage nach einer zielgerichteten Finanzierung von besonderer Bedeutung. Die Problematik der Finanzierung von Agrarumweltprogrammen wird am Beispiel der Wojewodschaft Vorkarpaten in Südostpolen dargestellt. Die Region zeichnet sich durch eine Vielzahl natürlicher Umwelt- und Kulturvorzüge. Der landwirtschaftliche Sektor beschäftigt ca. 47% der erwerbsfähigen Bevölkerung in der Wojewodschaft. Durch die differenzierten Umweltbedingungen in der Region sowie spezifische ökonomische und soziale Probleme ist die Wojewodschaft Vorkarpaten für die Analyse der Entwicklungsperspektiven von Agrarumweltprogrammen besonders gut geeignet.Um die Bedeutung der Agrarumweltmaßnahmen in der Region zu ermitteln, wurden Experten zu Landwirtschaftsfragen, Agrarumweltberater und Landwirte befragt. Das Ziel der Befragung war es, das Interesse der Landwirte an Agrarumweltmaßnahmen sowie deren Bewertung über den Beitrag von Agrarumweltmaßnahmen zur Zielerreichung zu ermitteln. Für die Ermittlung der Bedeutung von Agrarumweltmaßnahmen in Bezug auf die Umweltziele wurde der AHP-Ansatz (Analytic Hierarchy Process) nach Saaty (SAATY, KEARNS, 1985) angewandt. Zur Bewertung der Agrarumweltmaßnahmen in Polen wird die Nutzwert-Kosten-Analyse sowie ein interaktiver, PC-gestützter Programmierungsansatz (KIRSCHKE und JECHLITSCHKA 2002, 2003; KIRSCHKE et al., 2004) eingesetzt, um somit umweltzielgerichtete Finanzierungsszenarien zu erarbeiten.Mit der Dissertation werden Finanzierungsschwerpunkte und -strategien für das Nationale Agrarumweltprogramm aus der Sicht der befragten Akteure unter Berücksichtigung regionaler Umweltaspekte ermittelt. Die Simulationsrechnungen unter veränderten Annahmen sollen die Bedeutung von Rahmenbedingungen für die Gestaltung und Finanzierung politischer Strategien erkennen lassen. Abschließend wird eine verbesserte und zielgerichtete Finanzierung von Agrarumweltmaßnahmen in der Region Vorkarpaten und in Polen diskutiert.

Förderzeitraum:
01.01.2005 - 30.06.2007

Institut:
Humboldt-Universität zu Berlin
Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät
Fachgebiet Agrarpolitik

Betreuer:
Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Kirschke

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