Nachhaltige Ernährung im Übergang zur Elternschaft

Stipendiatin/Stipendiat: Dr. Adina Herde

Das derzeitige Ernährungsverhalten in der Bundesrepublik entspricht nicht den Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung. Einschneidende Lebensereignisse können Ansatzpunkte für eine Ernährungsumstellung bieten, da sie in der Regel mit einer weit reichenden Umstellung der Lebensweise einhergehen. In der vorliegenden Dissertation wird untersucht, ob mit der Geburt eines Kindes die Wahrscheinlichkeit einer Ernährungsumstellung in Richtung Nachhaltigkeit steigt (Ausgangshypothese I). Dadurch, dass sich der Bedarf an sozialer Unterstützung mit dem Übergang zur Elternschaft erhöht, ergeben sich außerdem Potentiale, mittels persönlicher Ernährungskommunikation eine mögliche Ernährungsumstellung zu unterstützen. Daher wird im Rahmen der Arbeit auch untersucht, welche Bezugsgruppen aus dem sozialen Netzwerk der (werdenden) Eltern als Multiplikatoren für eine nachhaltige Ernährung geeignet sind (Ausgangshypothese II).Die empirische Grundlage für die beiden Ausgangshypothesen besteht aus drei Erhebungen: 1) einer quantitativen Befragung von 286 Ersteltern, 2) Gruppendiskussionen mit 17 Ersteltern und 3) Experteninterviews mit 18 Vertretern von vier Bezugsgruppen, die im Übergang zur Elternschaft verstärkt um Rat gefragt werden. Die Studie ist nicht repräsentativ.Ausgangshypothese I wurde durch die empirischen Ergebnisse bestätigt: Durch den Übergang zur Elternschaft eröffnen sich Potentiale für eine nachhaltige Ernährung. Am auffälligsten sind die positiven Veränderungen beim Lebensmittelkonsum: Die Verzehrshäufigkeit von gesunden und gering verarbeiteten Lebensmitteln steigt, während die Verzehrshäufigkeit von tendenziell ungesunden und stark verarbeiteten Lebensmitteln sinkt. Auch die Wertschätzung von Lebensmitteln mit nachhaltigen Produkteigenschaften (Frische, Gentechnikfreiheit, Saisonalität, ökologischer Anbau, Regionalität) erhöht sich. Alles in allem lässt sich festhalten, dass die Ernährungsumstellung im Wesentlichen durch eigennützige Motive (Gesundheit, soziale Aspekte des Essens) eingeleitet wird. Uneigennützige Motive (Umweltschutz, fairer Handel) stellen keine entscheidenden Faktoren dar. Einschränkend muss erwähnt werden, dass sich die Veränderungen nicht auf alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen beziehen, sondern in unterschiedlichem Ausmaß von soziodemographischen Merkmalen abhängen.Dies gilt für Bildung, Geschlecht, Haushaltsstruktur (Frauen mit Partner vs. Frauen ohne Partner) und Wohnumfeld. Außerdem sinkt bei den Befragten die Sensibilität für Ernährungsfragen mit dem Alter des Kindes.Ausgangshypothese II hat sich ebenfalls bestätigt: Die Befragten wenden sich im Zuge der Elternschaft verstärkt an Bezugspersonen aus dem primären und sekundären Netzwerk. Für die Ernährungskommunikation sind sekundäre Bezugspersonen geeigneter als primäre Bezugspersonen, weil sie besser erreichbar sind und daher leichter in Multiplikatorenprogramme eingebunden werden können. Als Multiplikatoren kommen aufgrund von vier Kriterien (Zeitaufwendung, Kontakthäufigkeit, Nützlichkeit der Ratschläge, Gesprächsthemen) insbesondere Kinderärzte, Hebammen, Kita-Erzieher und Leiter von Eltern-Kind-Gruppen in Betracht. Aus den Experteninterviews ergibt sich allerdings, dass die vier untersuchten Bezugsgruppen eher mit Zurückhaltung reagieren, wenn es um die Einbindung in ein Multiplikatorenprogramm für nachhaltige Ernährung geht.

Förderzeitraum:
01.04.2005 - 31.03.2007

Institut:
Technische Universität Berlin
Zentrum Technik und Gesellschaft

Betreuer:
Prof. Dr. Dr. Martina Schäfer

E-Mail: E-Mail schreiben

Ernährungsgewohnheiten
Ernährungsgewohnheiten