Reduzierung der nicht genutzten Feststofffrachten geschlossener Aquakultursysteme durch die sekundäre Produktion detritivorer Organismen

Stipendiatin/Stipendiat: Dr. Adrian Bischoff-Lang

Bisherige Aquakulturunternehmungen waren meist als Monokulturen konzipiert, in welchen den anfallenden Nährstoffabfällen nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Die gelösten Nährstoffe wurden in ungiftige Formen transformiert und durch einen Wasserwechsel aus den Produktionssystemen entfernt. Die anfallenden Feststoffe wurden durch mechanische Sammeleinrichtungen (Filter, Sedimentbecken oder Wirbelstromseparatoren) aus dem Kreislauf entfernt und über herkömmliche Klärtechnik entsorgt. Sowohl die gelösten als auch die festen Abfälle wiesen jedoch noch eine erhebliche Menge an Nährstoffen auf, die nicht von den Fischen in Körpersubstanz umgewandelt wurde.Um die Ansprüche eines verbesserten Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit moderner Produktionsverfahren zu erfüllen, ist eine umweltbewusstere und ressourcenschonendere Produktion in dieser Hinsicht notwendig. Dies schliesst auch eine Reduzierung bzw. Wiederverwertung der anfallenden Feststoffe mit ein. Der Ansatz der Weiterverwertung der anfallenden Feststoffabfälle einer geschlossenen Aquakulturanlage durch die Zucht und Produktion detritivorer Organismen wurde während der Projektzeit erfolgreich in einem integrierten Kreislaufsystem umgesetzt. Ein von der Natur unabhängiger Elterntierbestand des marinen Wurmes Nereis diversicolor konnte etabliert werden. Bis zum Abschluss der experimentellen Arbeiten wurden die Würmer bis zur 4.Generation gezüchtet. Nereis diversicolor wurde unter anderem deshalb ausgewählt, da er in der Lage ist, sich von Feststoffabfällen einer Fischzucht zu ernähren und die Feststoffe auf diese Weise zu reduzieren. Ebenso wurde diese Art gewählt, da sie einen festen Bestandteil der natürlichen Nahrung verschiedener heimischer Fisch- und Krebsarten (wie zum Beispiel Dorsch, Scholle, Flunder oder Sandgarnele) darstellt.Durch meine Arbeit konnte ich zeigen, dass eine Kultur von Würmern, mit Feststoffen aus einer Kreislaufanlage, erfolgreich ist und das dies zu einer Verringerung der anfallenden Feststoffe, die sonst aufwendig entsorgt werden müssten, führt.Ausserdem konnte ich zeigen, dass durch die Kultur der Würmer ein Nährstoffrecycling (Stickstoff und Kohlenstoff, aber auch komplette Fettsäuren) in integrierter Aquakultur machbar ist. Die bisherigen Ergebnissen dienen als Grundlage für weitere Arbeiten auf diesem Gebiet, um weitere Schritte auf dem Weg von der Grundlagenforschung hin zu marktfähigen Produkten zu gehen.Durch weitergehende Untersuchungen in meinem jetzigen Anstellungsverhältniss konnten die Erkentnisse der promotion weitergenutzt und vertieft werden. Das Potential detritivorer Organismen konnte durch weitere biochemische Untersuchungen weiter beleuchtet werden. Die Möglichkeiten des Nährstoffrecyclings stellten sich als umfangreicher dar, als zunächst angenommen bzw. erhofft und bieten berechtigte Hoffnung durch eine Umsetzung zur Gewinnung alternativer Rohstoffquellen für die Tierzucht beizutragen und somit einen weiteren Schritt hin zu nachhaltig und umweltverträglich produzierten Nahrungsmitteln zu schaffen.

Förderzeitraum:
01.01.2004 - 31.12.2006

Institut:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Meereskunde
Marine Ökologie/Fischereibiologie

Betreuer:
Prof. Dr. Schnack

E-Mail: E-Mail schreiben

Biologische Feststoffreduzierung in der Aquakultur
Biologische Feststoffreduzierung in der Aquakultur