Modellhafte Beseitigung von anthropogenen Umweltschäden und denkmalgerechte, nachhaltige Sanierung einer bedeutenden historischen Orgel

Aktenzeichen 30200/01
Projektkennblatt:
Abschlussbericht: DBU-Abschlussbericht-AZ-30200.pdf (15.76 MB)
Projektträger: Katholische Pfarrei "St. Mariä Himmelfahrt"
Spanntigstr. 3
02899 Ostritz
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Telefon: 035823/86357
Internet: http://www.zittauer-jakobsweg.de
Bundesland: Sachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Ziel des Vorhabens ist die modellhafte Beseitigung von anthropogenen Umweltschäden und die denk-malgerechte, nachhaltige Sanierung einer Carl Eduard Jehmlich-Orgel von 1878 im Raumkontext.
Mit dem Projekt wird einerseits die Rettung und Erhaltung des Instrumentes bezweckt, andererseits mo-dellhaft der Umgang mit einem komplexen Schadensbild an der kulturhistorisch wichtigen Orgel demonstriert. Das Vorgehen zur Dekontamination, Energieeffizienz und präventiven Konservierung durch raumklimatische Stabilisierung an einem Musikinstrument berührt gleich mehrere Fragen aktueller konservierungswissenschaftlicher Forschung.



Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUntersuchung der Orgel in technischer, klanglicher und historisch-denkmalpflegerischer Hinsicht mit Be-wertung der Substanz und Empfehlung für die geplante Sanierung in Abstimmung mit anderen Fachkräf-ten und Experten.
Typisierung des Schimmelpilzes auf Art und Aggressivität mit Empfehlung zu dessen nachhaltiger Be-kämpfung. Qualitative und quantitative Untersuchung der Hylotox-Kontaminierung, insbesondere auf de-ren gesundheitliche Relevanz für Besucher der Kirche. Erarbeitung von Empfehlungen für eine behutsa-me, sparsame und ressourcenschonende Sanierung und deren Durchführung sowie umweltgerechte Entsorgung kontaminierter Stoffe. Intensivreinigung aller Bauteile von umweltbedingter Verschmutzung durch Kraftwerksasche und Braunkohlestaub, Schimmelsporen, Holzschutzmitteln.
Untersuchung des Orgelprospektes auf historische Fassungen und Empfehlung für die Sanierung im Einvernehmen mit den Behörden der Denkmalpflege. Durchführung der festgelegten Sanierungsmaß-nahmen mit Beseitigung vorhandener Umweltschäden, nichtoriginaler Bauteile und Installationen bis hin zur Applikation der Farbfassung gemäß gutachterlichen Untersuchungen und denkmalpflegerischer Ziele.
Reparatur von umweltbedingten Schädigungen an Orgelkomponenten, Ergänzung fehlender Pfeifen und Ersatz von nichtoriginalen Zinkpfeifen durch solche aus Zinn.




Ergebnisse und Diskussion

Die anthropogenen Umweltschäden wurden beseitigt. Die Dekontamination wurde erfolgreich durchge-führt, so dass keine sichtbaren bzw. nachweisbaren Spuren mehr vorzufinden sind. Eine präventive Kon-servierung fand gleichzeitig mit den angewandten Dekontaminierungs- und Sanierungsverfahren statt. Dadurch kann die Rettung der Orgel festgestellt werden. Zu rettende Originalteile unterzog man einer denkmalgerechten Sanierung und Restaurierung. Unwiederbringlich verloren gegangene Originalteile wurden unter strengen restauratorischen und denkmalpflegerischen Gesichtspunkten originalgetreu wie-der hergestellt. Hervorzuheben ist die wohl erstmalige Wiederherstellung eines historischen Kastenbalges zur Komplettierung der größtenteils erhalten gebliebenen originalen Windanlage. Sie wurde mit einer motorischen Aufzugsanlage nebst elektronischer Steuerung bestückt. Die fachlichen Abnahmegutachten bestätigen die hervorragende Einhaltung strenger denkmalpflegerischer Anforderungen und die hohe Qualität der Ausführung, die auch in besonderer Weise das wieder eingerichtete historische Klangbild des Instrumentes umfasst.
Eine besondere Herausforderung bildeten die Maßnahmen zur Energieeffizienz und raumklimatischen Stabilisierung, die das Restaurierungsergebnis schützen und sichern sollen. Durch Messung, Auswertung und Diskussion zwischen den Projektpartnern wurde das komplexe Gefüge der raumexternen und internen klimatischen Bedingungen analysiert. Im Ergebnis dessen waren Konsequenzen für die Justie-rung der modernisierten Heizungssteuerung sowie der ergänzten Belüftungsanlage bezüglich ihres Zu-sammenspiels zu ziehen und vorzunehmende Einstellungen festzulegen. Es findet ein Langzeitmonitoring zur weiteren Optimierung statt.



Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die Öffentlichkeit wurde mittels Pressemitteilungen, die diverse Medien aufgriffen, vom Vorhaben, sei-ner Finanzierung (Zuwendungsgeber), von den Arbeiten an sich und ihrer Fertigstellung informiert. Die wissenschaftlichen Ergebnisse werden nach Abschluss des Langzeitmonitorings veröffentlicht.
Da die Maßnahme gleich mehrere Fragen aktueller konservierungswissenschaftlicher Forschung berührt, die von mehreren Projektträgern separat bearbeitet wird, wie den Medien während der Projektlaufzeit zu entnehmen war, lassen sich vorliegende Ergebnisse vergleichend und ergänzend hinzuziehen. Das Phä-nomen in den letzten Jahren stark vermehrt auftretenden Schimmels in vielen Kirchen und besonders an Orgeln mit einhergehender akuter Bedrohung wertvoller Kunst- und Klangschätze wird aktuell stark dis-kutiert und bearbeitet (u.a. Start eines Langzeitprojektes der ev.-luth. Landeskirche Sachsen).
Das Projektergebnis kann von interessierten Besuchern nach Anmeldung besichtigt werden.



Fazit

Die Rettung des Kulturgutes und Klangdenkmals Carl Eduard Jehmlich-Orgel in Ostritz ist festzustellen. Ihre fachgerechte und denkmalpflegerische Sanierung und Restaurierung hat stattgefunden. Es ist davon auszugehen, dass eine zuverlässige Nutzung für viele Jahrzehnte gesichert ist, wenn es gelingt, be-stimmte Raumklimaparameter einzuhalten

Förderzeitraum: 17.04.2012 - 17.10.2013 (1 Jahr und 6 Monate)
Fördersumme: 79.766,00
Förderbereich: III.9.1
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Metall, Holz
Publikationen:
Geografisch:


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