Braunbärenschutz und -management durch Schaffung von Korridoren und Erhebung von dessen Raumnutzung mit Hilfe moderner Untersuchungsmethoden sowie Ermöglichung des Zusammenlebens von Mensch und Bär durch breite Öffentlichkeitsarbeit und moderne Bildungsmaßnahmen

Aktenzeichen 24529/01
Zusammenfassung / Abstract:
Abschlussbericht: DBU-Abschlussbericht-AZ-24529.pdf (0.88 MB)
Projektträger: ENEA European Academy for Natureand Environment e. V.
Goebenstr. 3a
30161 Hannover
weitere Projekte aus der Umgebung
Telefon: 0511/96569-0
Internet: -
Bundesland: Grenzüberschreitend
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Hauptziel des Vorhabens ist die langfristige Sicherung einer überlebensfähigen Braunbären-Population in Bulgarien in Koexistenz mit den Menschen. Während der kommunistischen Herrschaft wurden Bären restriktiv geschützt, und die Jagd war nur wenigen Personen vorbehalten. Seit der politischen Wende 1989 ist die Population zunehmend durch Wilderei und vor allem auch durch Fragmentierung wichtiger Lebensräume gefährdet. Durch den EU-Beitritt sind verkehrsinfrastrukturelle Entwicklungen eingetreten, die eine möglichst enge Koordination von Artenschutz und Habitatmanagement mit der Verkehrsplanung und eine Anpassung des Naturschutzes an die Standards der Europäischen Union dringend erfordern. Eine Grundlage hierfür sind die Entwicklung und Implementierung eines Bären-Managementplans und eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit sowie Informations- und Bildungsmaßnahmen.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenFolgende Projektaktivitäten standen im Vordergrund und werden nach dem Projektende entsprechend weiter verfolgt:
Erhebung der Populationsgrößen und Aufklärung des Migrationsverhaltens (Genetisches Monitoring, Radiotelemetrie)
Genetische Untersuchung der Verwandtschaftsstrukturen der bulgarischen Teilpopulationen
Identifizierung potentieller Wanderkorridore sowie von potentiellen Hemmnissen oder Hindernissen für die Ausbreitung
Erarbeitung und Umsetzung eines Aktionsplanes mit einem Maßnahmenkatalog (Bärenmanage-mentplan)
Geeignete Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit wie z. B. Bewusstseinsbildung und Akzeptanzschaffung bei den betroffenen Zielgruppen
Planung und Umsetzung von (Weiter-)Bildungsinitiativen für Schülerinnen und Schüler und für Er-wachsene
Weiterbildung und Qualifizierung von Bärenmanagern bzw. Bärenanwälten (Training of Bear Emergency Teams)
Management von Konflikten zwischen Bär und Mensch - Verhinderung von Bärenübergriffen (Bear Emergency Teams)
Entwicklung und Erprobung von ökologischen Erlebnis- und Tourismusansätzen
Entwicklung und Erprobung von (internationalen) Foren für einen Experten-Austausch zu Fragen des Bärenmanagements, der Informations- und Bildungsarbeit und der ökologischen Erlebnis- und Tourismusentwicklung


Ergebnisse und Diskussion

Die Projektdurchführung des Projektteils Braunbärenschutz und -management bestand in drei Phasen mit den folgenden Ergebnissen:

1. Phase: Erarbeitung des Bärenmanagement Planes für Bulgarien durch Balkani Wildlife Society.
Diese Phase wurde sehr erfolgreich abgeschlossen und die beteiligten Stakeholder tragen den entwickelten Management Plan weitgehend mit.

2. Phase: Untersuchung der Durchlässigkeit der Landschaft in Bulgarien für ungehinderte Migration zwischen den Teilpopulationen. ?Diese Komponente hatte drei Teilprojekte:
a. Durchgängigkeitsuntersuchung der Lebensräume, die zwischen den Hauptverbreitungsgebieten der Bären in Bulgarien liegen. Hierbei wurden problematische Engstellen identifiziert, die Ansätze für naturschutzfachliches Handeln bieten. Ergebnis: Untersuchung auf der Basis von GIS Analysen mit anschließender Verprobung im Feld ist erfolgreich abgeschlossen.
b. Untersuchung des genetischen Austausches zwischen den Bärenteilpopulationen in Bulgari-en, um die Konnektivität der Teilpopulationen zu analysieren und ferner über sogenannte ‚Fang-Wieder-Fang- Methode eine zuverlässige Abschätzung der Populationsgrößen zu ermöglichen. Diese Untersuchungen, mit den entsprechenden Probensammlungen im Feld und anschließender genetischen Analyse laufen noch. Die Probennahmen im Feld sind schwieriger als zunächst erwartet und daher muss mehr Zeit aufgewandt werden. Immerhin gelang es durch die genetischen Untersuchungen nachzuweisen, dass eine tödliche Bärenattacke auf einen Wanderer nicht von dem kurz darauf erschossenen Bären verübt wurde, sondern von einem anderen Bärenindividuum.
c. Konkrete Schutzmaßnahmen zur Verbesserung der Habitat Qualitäten in den wichtigen Korridoren. Einbindung in italienisches Life+ Projekt zur Verbesserung der Lebensraumqualitäten für Braunbären.

3. Phase: Einbindung der bulgarischen Experten in das Netzwerk Transeuropäische Wildtiernetze TEWN, gefördert über die Deutsche Bundesstiftung Umwelt über EuroNatur. Diese Einbindung war sehr erfolgreich, da innerhalb des Expertennetzwerkes ein wichtiger ‚Know-how Transfer erreicht werden konnte. Hierdurch wurden die fachlichen Kapazitäten der bulgarischen Kollegen erheblich erweitert.

Im Projektteil Informations- und Bildungszentrum für Braunbären (Großcarnivoren) - Large Carnivore Education and Information Center (LCEC) sind folgende Ergebnisse zu verzeichnen:

Das Gebäude des LCEC in Kresna/Vlahi, das aus einer alten Scheune erstanden ist, konnte durch umfänglichen Bau- und Renovierungsarbeiten in einem hervorragenden Zustand gebracht werden - wenn es auch noch nicht vollständig fertig gestellt ist. Dass dieser Zustand ganz entscheidend bis Mitte 2010 herbei geführt werden konnte, liegt an der speziellen Förderung durch die DBU für den baulichen Teil und an der Förderung durch die Darwin Initiative für die Ausstattung des Gebäudes mit Seminarmöbeln und einer Ausstellungsinfrastruktur. Durch zusätzliche Unterstützung weiterer Fördermittelgeber konnte der Ausbau im Jahre 2011 weiter voran gebracht werden mit der Fertigstellung einer zweiten Ausstellungshalle. Der weitere Ausbau von vorgesehenen Besucherzimmern und einer weiteren naturtouristischen Infrastruktur steht noch aus.

Die Funktionsfähigkeit des Gebäudes als Informations- und Bildungszentrum (LCEC) wurde mit einer internationalen Konferenz im Sommer 2010 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das Schulbildungsprogramm für die Primar- und Sekundarstufe mit Studienmaterialien, Bildpräsentationen und Bildungsspielen wurde im Projektverlauf weiter ausgebaut und mit Bildungsangeboten für Erwachsene erweitert. Ein naturtouristisches Bildungsprogramm (Ein-Tagesprogramm) wurde entwickelt und in die Programme von bulgarischen Tourismusanbietern aufgenommen.

Für das LCEC wurde eine Homepage entwickelt, an der man das ehrgeizige Programm zur Natur-schutzbildungsarbeit ablesen kann. Bislang ist diese Website allerdings noch nicht ganz fertig gestellt, sondern befindet sich in der weiteren Entwicklung. Mit einem Link zu Facebook kommt man auf die dortige LCEC-Präsentation, die offensichtlich bei jugendlichen Usern gut ankommt.

Weil es auf kommunaler (und regionaler) Ebene bislang keine erkennbare Strategie zur Entwicklung eines Tourismuskonzeptes gibt, besteht allerdings die Gefahr, dass die natürlichen Potenziale des Ortes Kresna/Vlahi durch mittlerweile entstandene und weiter entstehende Privatinitiativen nicht im Sinne eines naturnahen Tourismus entwickelt werden, sondern aus rein ökonomischen Interessen Einrichtungen entstehen im Sinne der Freizeitindustrie und des Massentourismus.
Mit dem nahe gelegenen Pirin-Nationalpark gibt es zwar Kontakte und auch Kooperationen, aber es be-stehen auch Interessenunterschiede hinsichtlich der Integration des sich entwickelnden Wintertourismus (Bansko Ski Resort) mit den bereits eingetretenen negativen Auswirkungen auf den Nationalpark.
Für das LCC besteht daher die Herausforderung, mit eigenen Initiativen zur Entwicklung eines Naturtourismus einen entsprechenden Leuchtturm zu setzen, der auf andere interessierte lokale und regionale Akteure ausstrahlt. Anzustreben wäre es zweckmäßigerweise, Kooperationen und Allianzen zu schmieden mit der Gemeinde- und Provinz-Administration, mit anderen Umwelt- und Naturschutzverbänden, mit der Nationalparkverwaltung und mit privaten lokalen Investoren, die eine wünschbare Entwicklung im Sinne des Naturschutzes gewährleisten könnten. Mit der durch das Projekt geleisteten Unterstützung verfügt das LCC nunmehr über hervorragende Voraussetzungen hierfür.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Örtliche und regionale Pressearbeit in Kresna und der Provinz Blagoevgrad fortlaufend während der ge-samten Projektlaufzeit

Website BWS: www.balkani.org
Website ENEA: www.enea-net.eu
Website LCEC: www.visitcarnivorebg.org

Internationale Konferenz Large Carnivore Conservation in a trans-boundary Network - Challenges and Pespectives vom 30.06. - 01.07.2010 in Kresna/Vlahi

Filmbericht des Bulgarischen Nationalen Fernsehens über das LCEC im August 2010, der im Ergebnis viele neue Besucher/innen aus ganz Bulgarien mobilisiert hat.

Filmbericht über die internationale Konferenz im Bürgerfernsehen H1 (Hannover) im Juli 2010

Rundfunkberichte in verschiedenen bulgarischen Sendern

Projektbericht im BUND-Magazin in der Regionalbeilage Niedersachsen (vorgesehen im Mai 2012)


Fazit

Für das LCC besteht nach dem Projektende nunmehr die Herausforderung, die Umsetzung des Bärenmanagementplanes weiter voran zu treiben und mit eigenen Initiativen zur Entwicklung eines Naturtourismus einen entsprechenden Leuchtturm zu setzen, der auf andere interessierte lokale und regionale Akteure ausstrahlt. Anzustreben wäre es zweckmäßigerweise, Kooperationen und Allianzen zu schmieden mit der Gemeinde- und Provinz-Administration, mit anderen Umwelt- und Naturschutzverbänden, mit der Nationalparkverwaltung und mit privaten lokalen Investoren, die eine wünschbare Entwicklung im Sinne des Naturschutzes gewährleisten könnten. Mit der durch das Projekt geleisteten Unterstützung verfügt das LCC nunmehr über hervorragende Voraussetzungen hierfür.

Förderzeitraum: 01.10.2006 - 30.09.2011 (4 Jahre und 12 Monate)
Fördersumme: 124.940,00
Förderbereich: II.6.4
Themengebiet: Naturschutz
Stichworte: Naturschutz, Umweltkommunikation, Internationale Aktivitäten
Publikationen: