Konservierung und nachhaltige Sicherung des stark umweltgeschädigten Weltgerichtsportals in St. Sebald (Nürnberg)

Aktenzeichen 23065/01
Zusammenfassung / Abstract:
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Projektträger: Evang.-Luth. Gemeinde St. Sebald

90403 Nürnberg
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Telefon: -
Internet: http://www.sebalduskirche.de
Bundesland: Bayern
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

St. Sebald hatte, wie sich im Zuge von Bauforschung und Restaurierungsmaßnahmen am Außenbau zeigte, ein sorgfältig durchdachtes System an partieller Farbgestaltung, die sich vorwiegend auf die Portalarchitektur die Außenskulptur und deren Rücklagen bezog. Durch Umwelteinflüsse sind die Fassungen zum Teil nur wie ein Abdruck auf dem Mauerwerk erkennbar. Im Falle des Weltgerichtsportals ist es möglich, ein noch überkommenes Dokument des Farbgestaltungsprogramms nachhaltig zu sichern.
Am Portal hat der Eintrag von Umweltschadstoffen zu erheblichen stofflichen Alterationen der ölreichen tempera- und kalkgebundenen Fassungen geführt, die den Einsatz herkömmlicher Konservierungsmethoden erschweren oder verhindern. Optimierte Methoden zur Sicherung mehrschichtiger, vergipster Kalkfassungen und gealterter, fragiler Öl-Temperafassungen auf Sandsteinuntergrund werden im Projekt erarbeitet. Das langfristige Ziel ist die Sicherung und Restaurierung des mittelalterlichen Fassungsprogramms des Weltgerichtsportals im Zusammenhang mit dem Gesamtgestaltungsprogramm des Außenbaus von St. Sebald.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenFür die Konservierung der kalkgebundenen Malschichten wird das Labor Dr. Wendler mit modifizierten Methoden der Ammoniumcarbonat-Umwandlung experimentieren. Die Konservierung der Öl-Temperafassungen obliegt der Arbeitsgruppe von Dr. Drewello. Sie wird sich in der Anfangsphase vorwiegend auf die Analyse der vorhandenen organischen Bindemittelphasen konzentrieren. Basierend auf den Ergebnissen der mikrochemischen Bestandsanalyse sollen geeignete Konsolidierungssysteme ausgewählt und erprobt werden. Für beide Untersuchungsinhalte gilt, dass die Erprobung erst an nachgestelltem Labormaterial, danach an vergleichbarem Originalmaterial aus dem Lapidarium und erst am Ende am Portal selbst durchgeführt werden sollen. Prof. Snethlage wird die Untersuchungen mit den technischen Kapazitäten des Zentrallabors unterstützen. Das reichhaltige Datenmaterial aus früheren Untersuchungen und Dokumentationen wird von der Fachbauleitung (Prodenkmal GmbH -Dr. Utz) und dem Restaurator (E. Holter) in das Digitale Dombauarchiv (DDA) integriert und somit in Form einer modernen Datenbank für alle Projektpartner zugänglich gemacht. Neben den neuen Ansätzen der Fassungskonservierung ist die synchrone Integration der erarbeiteten Daten in eine umfassende Datenbankstruktur ein Novum in der Forschung an Baudenkmälern.


Ergebnisse und Diskussion

Alle vorhandenen und während der Projektlaufzeit entstandenen restauratorischen Pläne Dokumente, und Bilddaten wurden von Prodenkmal digitalisiert und in die Datenbank Digitales-Dombauarchiv-Weltgerichtsportal eingepflegt. Vom IABD konnte der komplexe Malschichtaufbau für Tympanon, Archivolten, Kapitelle und Dienste weitgehend entschlüsselt werden. Auch die Fassungen der anderen Portale wurden berücksichtigt. Auf dem Tympanon sind die Reste von insgesamt vier Farbfassungen erhalten: eine ursprüngliche ma. Fassung vor/um 1330, eine zweite ma. Fassung um etwa 1379, dem Zeitpunkt der Weihe des neuen Ostchors; danach eine im Wesentlichen weißgoldene barocke Fassung. Für diese Schicht, gibt es keine archivalischen Nachweise. Den Abschluss bildet eine fast monochrom erschei-nende Fassung aus dem mittleren 19. Jahrhundert (Historismus). Eine spätere, auf wenigen Bildelemen-ten festzustellende graue Schicht ist bisher nicht definiert. Alle Farbschichten sind als Ölmalerei ausgeführt. Der Zustand der ersten Grundierung wurden als Schwachstelle des Fassungspaketes identifiziert, während die dichte und spröde Ausführung der letzten Fassung als Motor der Spannungsbewegungen und Ablösungserscheinungen anzusehen ist. Vom Restauratorenteam um Herrn Holter wurde ein digitaler Plan für das Relief geschaffen, auf dessen Grundlage es im Mobile Mapping System Musterkartierungen zu Bestand und Schaden der vierten Fassung erstellte. Diese Erfassung bestätigte der vierten Fassung eine besondere denkmalpflegerische Relevanz, die eine Abnahme derselben als Konservierungsoption ausschließt. Bei der Erprobung der stofflichen Ansätze zur Konsolidierung der Grundierungsschicht durch Dr. Wendler lieferte eine Mischung aus Kieselsäureester mit reaktiven Silanen die besten Resultate, weil die teils polaren, teils unpolaren Moleküle dieses Festigers sich chemisch sowohl an polare anorganische als auch an unpolare organische Oberflächen anlagern. Im Vorfeld der neuen Versuche zur Gipsumwandlung wurden die alten Umwandlungsmustern von Dr. Simon und Dr. Wendler, die um 1996 ausgeführt worden sind, untersucht. Die alten Ergebnisse haben sich zehn Jahre nach der Bemusterung bestätigt. Zur Erprobung einer tiefergreifenden Umwandlung als man sie bisher erreicht hat, arbeitete Dr. Wendler mit Sandsteindummies, die mit einer vereinfachten Version der vergipsten mittelalterlichen Kalkfassung bestrichen sind. Ammoniumcarbonat, Ammoniumoxalat und Ammoniumphosphate kamen bei diesen Versuchsreihen zum Einsatz. Im Ergebnis hat sich eine der Formulierungen mit Ammoniumphosphat und die klassische Formulierung mit Ammoniumkarbonat als am geeignetsten zur tiefgreifenden und strukturverbessernden Umwandlung der Vergipsungen erwiesen. Mit diesen Formulierungen wurden zwei neue Testflächen an den Archivolten bemustert. Auch die mineralogischen und konservierungswissenschaftlich relevanten Vorteile des bei der Phosphatumwandlung entstehende Brushit gegenüber dem umgesetzten Gips wurden untersucht. Entscheidende Beiträge zum Verständnis der Befunde lieferten Studien zur Restaurierungsgeschichte. Archivalische Zeugnisse belegen, dass das Tympanon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgeformt wurde. Dadurch hat es eine Tränkung mit einem Industrieöl erfahren, dessen Spuren heute in allen Fassungsschichten nachweisbar sind.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

- Vorstellung des Projektes auf dem Stand der DBU, Fachmesse Denkmal 2006, Leipzig.
- Thomas C. (2007) Das Weltgerichtsportal der Sebalduskirche Nürnberg: Restaurierungs- und Entwicklungsgeschichte. Masterarbeit am Aufbaustudiengang Denkmalpflege der Otto Friedrich-Universität Bamberg, WS 2006/7.
- Snethlage, R., Wendler, E. (2008): Transforming gypsum into calcium phosphate - a better way to preserve lime paint layers on natural stone?. International symposium for stone consolidation in cul-tural - heritage research and practice, Lisbon.
- Am Abschlusskolloquium am 29.07.2008 in Nürnberg haben etwa 60 Restauratoren und Konservierungswissenschaftler aus ganz Deutschland teilgenommen.
- Exner, M., Snethlage, R. (2008): Modell Weltgerichtsportal an Sankt Sebald in Nürnberg. Ein Kolloquium zu neuen Konservierungstechniken für gefasste Steinskulptur, in BLFD INFO Nr. 141, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München.


Fazit

Das Projekt hat trotz der kurzen Laufzeit und der begrenzten Förderung für die Erhaltung von polychromen Farbschichten auf Stein neue und innovative Erhaltungsmöglichkeiten aufgezeigt, die sicher auch auf andere Konservierungsgebiete ausstrahlen werden. Neuartige Produkte und Techniken, wurden erarbeitet, die sich zukünftig in der Arbeitspalette von Restaurierungsplanern und Ausführungsfirmen finden werden.

Förderzeitraum: 20.01.2006 - 30.09.2008 (2 Jahre und 8 Monate)
Fördersumme: 80.500,00
Förderbereich: III.9.1
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Kulturgüter, Umwelttechnik
Publikationen:
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