Machbarkeitsstudie und modellhafte Erprobung des SON-Programms: Dynamik-Inseln für die Kulturlandschaft

Aktenzeichen 22929/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.07 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
Abschlussbericht: Kein Treffer. Bitte versuchen Sie noch die Suche im OPAC.
Projektträger: Hochschule Osnabrück Fakultät Agrarwissenschaften & Landschaftsarchitektur
Oldenburger Landstr. 24
49090 Osnabrück
weitere Projekte aus der Umgebung
Telefon: 0541-969-0
Internet: http://www.fh-osnabrueck.de
Bundesland: Niedersachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Anlass des Vorhabens war die intensive Beschäftigung des Antragstellers mit der Wildnisentwicklung in Deutschland und einigen Anrainerstaaten seit Ende der 1990er Jahre. In diesem Zusammenhang kam auch der Kontakt mit der Stiftung für Ornithologie und Naturschutz zustande, und es wurde vereinbart, ein Wildnisprojekt in der Region Osnabrück zu verankern.
Das SON-Programm Dynamik-Inseln für die Kulturlandschaft ist gerichtet auf die langfristige Sicherung von Flächen in der Normallandschaft, auf denen sich die Natur ohne jegliche Eingriffe frei entfalten kann. Als erster Lebensraumtyp wurde von der SON der Wald ausgewählt, da sommergrüne Laubwälder die ursprünglich vorherrschende Vegetationsform Mitteleuropas darstellen, in den heutigen Wirtschaftswäldern natürliche Dynamik aber weitgehend fehlt. Grundlage des Programms ist der Erwerb von Flächen, was in zwei Fällen bereits vor Projektbeginn geschehen war (zwei Waldparzellen im Wiehengebirge). Neben Waldflächen sollen jedoch auch Flächen des Offenlandes und des Halboffenlandes einbezogen werden, und neben dem Ankauf können die Flächen auch auf anderem Wege akquiriert werden.
Übergeordnete Zielsetzung des Vorhabens war die Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie und die modellhafte Erprobung in einem Teilbereich des Landkreises Osnabrück. Teilziele des Programms sind:
die Ermöglichung dynamischer Entwicklungsprozessen,
die Nutzung von Dynamik-Flächen für eine wildnisbezogene Umweltbildung und
die Nutzung von Dynamik-Flächen für Monitoringprogramme zur Klärung naturschutzfachlicher Fragen.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden- Erstellung eines Konzeptes für die Flächenauswahl, das sich sowohl auf offene bzw. halboffene Flächen als auch auf Wald bezieht, d. h. Erarbeitung von Kriterien, die auch auf andere Regionen übertragbar sind.
- Erster Kartierdurchgang hauptsächlich im Bereich des Naturparks TERRA.vita entlang der Hauptwanderwege (Wittekindsweg und Friesenweg) zur Erfassung der potenziell geeigneten Bereiche.
- Zweiter Kartierdurchgang zur gezielten Erfassung der geeigneten Bereiche auf Karten im Maßstab 1:5.000.
- Ermittlung der Eigentümer und Prüfung der Verfügbarkeit geeigneter Flächen.
- Ermittlung des Gesamtflächenbedarfs.
- Erarbeitung der Inhalte eines Monitoringprogramms.
- Grunderwerb, Vertragsabwicklung, Akquirierung von Flächen über langfristige Vereinbarungen.
- Erarbeitung und Erprobung von Konzeptbausteinen wildnisbezogener Umweltbildung.
- Erstellung von Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit (Flyer, Poster).
- Erste Basisuntersuchungen im Rahmen des Monitoringprogramms.


Ergebnisse und Diskussion

Zur konkreten Umsetzung der Machbarkeitsstudie - insbesondere zur modellhaften Erprobung des SON-Programms Dynamik-Inseln für die Kulturlandschaft - hat die Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON) zunächst systematisch nach geeigneten Flächen in der Stadt und im Landkreis Osnabrück gesucht. Potenzielle Flächen wurden nach weitgehend standardisierten Kriterien bewertet und ihre Verfüg-barkeit für die Eingliederung in das Programm geprüft. Dabei erwies sich das ursprünglich ins Auge gefasste Procedere, ein Dynamik-Insel-Netz entlang von Wanderwegen im Naturpark TERRA.vita zu gewinnen, als kaum machbar. Dafür eröffneten sich andere Möglichkeiten der Flächenakquirierung, sodass sich insgesamt zwölf Areale mit einer Gesamtfläche von 195,6 ha dauerhaft sichern ließen. Sie verteilen sich auf verschiedene naturräumliche Einheiten sowie Lebensraumtypen und stellen unterschiedliche Ausgangssituationen für ablaufende Sukzessionsprozesse dar. Als Referenzfläche steht - in Absprache mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen - die 42 ha umfassende Naturwald-zelle Großer Freeden zur Verfügung, die vor allem vergleichend in ein Monitoring einbezogen wird.
Eine Erkennung der Biotoptypen sowie erste Durchgänge faunistisch-floristischer Aufnahmen auf Teilflächen stellen eine Art Grundinventur dar, von der ausgehend künftige dynamische Entwicklungen erkennbar sein werden. Für die Dokumentation solcher Entwicklungen wird ein von der FH Osnabrück entwi-ckeltes Monitoring in Form eines zeit- und kostengünstigen Programms dienen, dass zum Teil von Schülergruppen und Ehrenamtlichen, zum anderen Teil über Diplom- bzw. Bachelor-Arbeiten bewerkstelligt werden wird. Derzeit läuft z. B. eine Diplomarbeit, in der die Laufkäfer der Naturwaldzelle Großer Freeden vergleichend mit waldbestandenen Dynamik-Inseln untersucht werden. Mit dem Artlandgymnasium Quakenbrück wurden schon erste Untersuchungen mit Schülergruppen auf der Dynamik-Insel Hahnenmoor durchgeführt (Biotopkartierung, Vegetations- und zoologische Kartierung). Dabei wurde eine länger-fristige Zusammenarbeit vereinbart.
Weitere Möglichkeiten für ein künftiges Monitoring wie etwa Einbeziehung der Naturpark-Ranger (TER-RA.vita) und ehrenamtlich arbeitender Personen sind angedacht und teilweise schon in Vorgesprächen (Naturpark-Ranger) geklärt worden.
Mit einer Reihe von Angeboten und Veranstaltungen vor allem für Kinder und Schulklassen wurde damit begonnen, Umweltbildungskonzepte auf zwei suburbanen Dynamik-Inseln (Burenkamp und Piesberg) zu entwickeln.
In einem Folgeprojekt sollen diese Umweltbildungskonzepte mit verschiedenen Kooperationspartnern weitergeführt und um weitere Facetten (Umweltbildung mit Jugendlichen, Einsatz neuer Medien in der Umweltbildung etc.) ergänzt werden.
Ebenso wird die erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit der letzten Jahre kontinuierlich weiter zu führen sein. Insgesamt kann das zweijährige Projekt damit erfolgreich abgeschlossen werden, was aber nicht im Sinne einer Beendigung, sondern als Ausgangspunkt für ein längerfristiges Vorhaben zu verstehen ist.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Während der gesamten Projektlaufzeit wurde das Projekt über die Presse und andere Medien kommuniziert. In diesem Zusammenhang ist eine Diplomarbeit in Kooperation mit der Fakultät für Gesellschaft und Technik der FH Osnabrück (Standort Lingen) entstanden:
JEPSEN, SONJA (2006): Kommunikation im Naturschutz - transparent und verständlich? Bestandsaufnahme und Handlungsempfehlung zur Kommunikation am Beispiel des Naturschutzprojektes Dynamik-Inseln in der Kulturlandschaft. FH Osnabrück, Fakultät Gesellschaft und Technik, 122 S. + Anhang.
Ferner wurde das Projekt 2006 auf dem Ökomarkt (Melle), sowie dem Tag der Niedersachsen (Melle) vorgestellt und war 2007 am Sonntag für den Naturschutz mit zwei Aktionen vertreten (NDR 1 berichte-te).

Folgende Vorträge wurden auf Fachtagungen im Laufe des Projektes gehalten:
27.10.2005: Vortrag von H. Zucchi am Urwald vor den Toren der Stadt in der Scheune Neuhaus in Saarbrücken. Thema: Wagnis Wildnis
11.11.2005: Vortrag von H. Zucchi auf der Tagung Gewässer- und Auenökologie der Arbeitsgemeinschaft Artenschutz Thüringen e. V. (AAT) und der Fachhochschule Lippe-Höxter in Jena. Thema: Wildnis - brauchen wir sie? (vgl. Zucchi 2006)
23.06.2006: Vortrag von H. Zucchi auf der Tagung Des Waldes neue Kleider im Umweltzentrum Schloss Wiesenfelden vom Bildungswerk des Bund Naturschutz Bayern. Thema: Warum brauchen wir Wildnis?
05.10.2006: Vortrag von P. Stegmann auf der Tagung Vision Wildnis vom Ministerium für Umwelt des Saarlandes, NABU Saarland und SaarForst Landesbetrieb in Saarbrücken in Zusammenarbeit mit der FH Osnabrück. Thema: Dynamik-Inseln für die Kulturlandschaft
27.10.2006: Vortrag von P. Stegmann auf der Tagung Perspektiven und Bedeutung von Stadtnatur für die Stadtentwicklung vom Kompetenznetzwerk Stadtökologie CONTUREC in Darmstadt. Thema: Über die Bedeutung von Dynamik-Inseln in Urbanlandschaften (vgl. Stegmann & Zucchi 2007)
17./18.11.2006: Durchführung der 35. Osnabrücker Kontaktstudientage der Fachhochschule Osnabrück (Teil Landschaftsarchitektur) zum Thema Neue Wege in Landschaft und Stadt: Prozessschutz und Wildnisentwicklung.
Präsentation eines Posters zum Projekt und Vorstellen ausgewählter Dynamik-Inseln auf einer Exkursion am 18.11.2006 durch P. Stegmann
05.07.2007: Vortrag von H. Zucchi auf der Tagung Reif für die Wildnis (Wildnispädagogische Ansätze im europäischen Raum) im Umweltzentrum Schloss Wiesenfelden vom Bildungswerk des Bund Naturschutz Bayern. Thema: Warum brauchen wir Wildnis?

Folgende Publikationen sind während der Projektlaufzeit entstanden:

DREWS, F. & TIEMEYER, V. (2007): Natürliche Dynamik - neue Wege im Naturschutz. Heimat-Jahrbuch Osnabrücker Land: 193-196.
STEGMANN, P. & ZUCCHI, H. (2007): Über die Bedeutung von Dynamik-Inseln in Urbanlandschaften. CONTUREC 2: 47-52.
ZUCCHI, H. (2006): Wildnis: Brauchen wir sie? Artenschutzreport 20: 16-21.
ZUCCHI, H. & STEGMANN, P. Hrsg. (2006): Wagnis Wildnis. Wildnisentwicklung und Wildnisbildung in Mitteleuropa. oekom-Verlag, München.
ZUCCHI, H. & STEGMANN, P. Hrsg. (2008): Dynamik-Inseln für die Kulturlandschaft - Ein Projekt im Raum Osnabrück. Haupt-Verlag, Zürich (In Vorbereitung).

Internetpräsenz:
http://son-net.de/html/dynamik-inseln.html
http://www.al.fh-osnabrueck.de/dynamikinsel.html

Förderzeitraum: 01.05.2005 - 17.12.2007 (2 Jahre und 8 Monate)
Fördersumme: 89.600,00
Förderbereich: II.6.1
Themengebiet: Naturschutz
Stichworte: Naturschutz, Landnutzung
Publikationen:
Thematisch verwandt...
Lädt...