Proaktive Konfliktlösung und Kooperationsaufbau in der Gewässerrevitalisierung am Beispiel der Hase in Osnabrück

Aktenzeichen 21876/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.07 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
Abschlussbericht: DBU-Abschlussbericht-AZ-21876.pdf (0.29 MB)
Projektträger: Stadt Osnabrück Fachbereich Umwelt und Klimaschutz
Hannoversche Str. 6 - 8
49074 Osnabrück
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Telefon: 0541/323-3162
Internet: -
Bundesland: Niedersachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Der Fluss Hase in Osnabrück soll als natürlicher, geschichtlicher und städtebaulicher Raum revitalisiert werden. Insbesondere geht es um die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit an sieben Querbauwerken, davon drei historische Wehranlagen, und um die Anlage eines lückenlosen Uferweges durch die bebaute Innenstadt. Vor dem Hintergrund vielfältiger konkurrierender Nutzungsansprüche ist es Ziel dieses Projektes, durch frühzeitige Konfliktlösung und gezielten Kooperationsaufbau die Voraussetzungen für eine ökologische Aufwertung des Flusses und eine naturverträgliche Erlebbarkeit für die Menschen zu schaffen.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUnter systematischem Einsatz von Kommunikationswissen und -methoden soll ein von den relevanten Akteuren aus Fachverwaltungen, Interessengruppen und engagierten Bürgern getragenes Entwicklungskonzept für die Hase entstehen. Bei diesem weit über die Standards gesetzlich verankerter Beteiligungsverfahren hinaus gehenden Prozess geht es um die Klärung und das wechselseitige Verständnis der unterschiedlichen mit der Durchgängigkeit und Revitalisierung der Hase verbundenen Interessenlagen, den Aufbau von Zusammenarbeit zwischen bislang nicht kooperierenden Akteuren, die Konfliktlösung und den Interessenausgleich zwischen konträren Interessen, die Kommunizierung der Gemeinwohlinteressen an der Hase-Revitalisierung, die Information der Bürger bzw. bestimmter Bürgergruppen über das Projekt, die Profilierung und Positionierung des Gesamtprojektes bei potenziellen Geldgebern und die Mobilisierung von nachhaltigem bürgerschaftlichem Engagement. Dabei kamen entsprechend dem Projektverlauf und dem spezifischen Kommunikationserfordernis eine gezielte Auswahl und Kombination besonders kooperationsfördernder Methoden wie partizipative Informationsveranstaltungen, aktionsorientierte Workshops, teilnehmerverantwortete Großgruppentechniken oder Konfliktmediation zur Anwendung. Wesentliche Schritte zu Beginn waren die Analyse der Interessenlagen, der Aufbau einer Förderer- und Multiplikatorengruppe sowie einer Medienpartnerschaft mit der örtlichen Presse.
Ablauf:
Januar 2005 - Mai 2005 Vorphase
Hintergrundgespräche mit Akteuren
Information örtlicher Entscheider und Meinungsbildner über das Projekt
Gründung einer Arbeitsgruppe der Verwaltung, Dezember 2004
Konstituierung der Hase-Paten, Februar 2005
Erste Fachtagung
Eingrenzung der Themenkomplexe für die Hauptphase
Juni 2005 - Dezember 2006 Hauptphase
Workshops zum Thema Wasserkraft contra Naturschutz zur Vorbereitung einer Entscheidungsfindung
Gründung eines Netzwerks Schulen für eine Lebendige Hase
Erarbeitung von Konzepten für einen durchgehenden Haseuferweg/Initiierung eines landschaftsplanerischen Wettbewerbs
Kontinuierliche Beteiligung der Hase-Paten und der AG Verwaltung
Zweite Fachtagung


Ergebnisse und Diskussion

Im Rahmen des hier beschriebenen Projektes wurde ein Kommunikationsprozess konzipiert und erprobt, der dazu diente, das Ziel der ökologischen Entwicklung der Hase konstruktiv mit anderen Entwicklungszielen zu verbinden, die sich aus den vielfältigen Nutzungen und Interessen an einem Stadtfluss ergeben. Das Projekt konzentrierte sich auf drei Themenkomplexe, mit denen etwa einhundertfünfzig Akteure aus der Osnabrücker Bürgerschaft, Politik und Verwaltung aktiv in das Thema Revitalisierung einbezogen werden konnten:
Vereinbarkeit von Wasserkrafterzeugung und Durchgängigkeit: Wasserkraft contra Naturschutz?
Lebendige Umweltbildung im Schulnetzwerk: Netzwerk Schulen für eine lebendige Hase
Revitalisierung im verdichteten Innenstadtbereich: An der Hase entlang ins Zentrum
Die Kommunikationsziele konnten aus Sicht der Projektleitung und des Projektbüros erfolgreich praktisch umgesetzt werden:
Die Klärung und ein wechselseitiges Verständnis sowie Ansätze zur Konfliktlösung zwischen unterschiedlichen mit der Revitalisierung der Hase verbundenen Interessenlagen, insbesondere zur Entwicklung an der Pernickelmühle und am innerstädtischen Haseuferweg.
Der Aufbau von Zusammenarbeit zwischen bislang nicht kooperierenden Akteuren, insbesondere in den Bereichen Umweltbildung, bürgerschaftliches Engagement, Durchgängigkeit des Flusses für Mensch und Natur sowie durch eine intensivierte Koordination zum Haseuferweg innerhalb der städtischen Verwaltung.
Die Information der Bürger über die Entwicklungsaufgabe Haserevitalisierung, insbesondere durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit mit Hilfe der Presse, einer Projektwebsite, von Events und Tagungen.
Die Profilierung und Positionierung des Gesamtprojektes bei potenziellen Geldgebern, insbesondere durch die Vorbereitung der Einwerbung von Landesmitteln, durch die Gewinnung von örtlichen Sponsoren für ein schulisches Umweltbildungsnetzwerk und durch die Vorbereitung der konkreten politischen Entscheidung über einen innerstädtischen Lückenschluss des Haseuferwegs.
Die Mobilisierung von nachhaltigem bürgerschaftlichem Engagement gelang im Zusammenhang mit allen behandelten Schwerpunktthemen


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Events, Aktionen und Kultur
Teilnahme an 3 Bürgerfesten, 1 Fahrradtour, Kanu- und Paddeltouren durch die Innenstadt, Teilnahme an Int. Tag des Wassers, Musik und Geschichten zur Hase - begleitende Öffentlichkeitsarbeit mit Flyern und Plakaten
Presse und Hörfunk
Intensive Medienarbeit zu dafür geeigneten Anlässen, mehrere Sendungen im Lokalsender OS-Radio
Website
Start Dez. 2005, regelmäßige Aktualisierung, ca. 250 Artikel: Fakten, Geschichten, Veranstaltungshin-weise, Pressearchiv, Kommentarfunktion, Newsletter (im Aufbau) RSS-Feed
Überregionale Fachtagungen
Entdecken! Nicht verstecken! Revitalisierung von Gewässern im urbanen Bereich am 18. März 2005
Netzwerktagung Lebendige Gewässer im städtischen Raum am 30. und 31. Oktober 2006 mit Gründung des Netzwerk für lebendige Gewässer im urbanen Bereich


Fazit

Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg des Projektes lag in der möglichst frühzeitigen Ansprache aller relevanten Akteure, einer transparenten Dokumentation der Ergebnisse und der Bereitstellung regelmäßiger Information für alle Interessierten. Die Aktivitäten des Projektes, insbesondere die Intensivierung der Kooperation Naturschutz - Kanusport haben einen Beitrag zur Vorbereitung der Umsetzung von Maßnahmen zur ökologischen Durchgängigkeit und damit einen Beitrag im Rahmen der Umsetzung der Zielsetzung der WRRL für die Hase geleistet. Mit dem durch das Projekt aufgebauten Kontaktnetzwerk der an der Hase interessierten Akteure und den praxisbezogenen konzeptionellen Ergebnissen der bisherigen Arbeitsschritte konnte eine gute Grundlage aufgebaut werden, auf der ein Gesamtentwicklungskonzept für die Hase gezielt angegangen werden kann.
Mit dem Projekt konnten etwa einhundertfünfzig Akteure aus der Osnabrücker Bürgerschaft, Politik und Verwaltung aktiv in das Thema Revitalisierung einbezogen werden.
Das Thema Fließgewässer im urbanen Raum fand im Rahmen der durchgeführten Fachtagung überregionale Resonanz. Die Aktivitäten des Projektes führten zur Gründung eines bundesweiten Netzwerkes, das sich zum Ziel setzt, den Erfahrungsaustausch zwischen den Städten und Gemeinden zur Revi-talisierung von Stadtgewässern organisieren.

Förderzeitraum: 27.10.2004 - 31.12.2006 (2 Jahre und 2 Monate)
Fördersumme: 123.500,00
Förderbereich: II.6.2
Themengebiet: Umweltforschung
Stichworte: Naturschutz, Landnutzung, Umwelttechnik, Ressourcenschonung
Publikationen: