Restaurierung wertvoller umweltgeschädigter historischer Grabmale auf dem Stadtfriedhof Querfurt mit modellhafter vergleichender Konservierung mittels Kieselsäureester und Kunstharzen (Sachsen-Anhalt)

Aktenzeichen 19660/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.11 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Stadt QuerfurtStädtisches Bauamt
Markt 1
06268 Querfurt
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Telefon: 034771/601-0
Internet: -
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Ziele des Vorhabens waren das Wiederaufgreifen der im LfD Sachsen- Anhalt durch Herrn Materna seit 1965 begonnenen Versuche zur Steinfestigung mit Kunstharzen; der Vergleich von Kunstharzen und Kieselsäureester als Festigungsmaterial für Loderslebener Sandstein in einer angeschlossenen Diplomarbeit sowie die Entwicklung eines durchgängigen Mörtelsystems vom Festiger über Injektionsmörtel, Schlämme bis Antragmörtel speziell für das im Querfurter Umland verarbeitete Sandsteinmaterial. Die modellhafte Umsetzung der Erkenntnisse in einer anschließenden Restaurierung der genannten Grabmale hatte zum Ziel, ortsansässige Firmen zur Anwendung auf ähnlich problembehaftete Steinobjekte zu befähigen.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn einer sehr ausführlichen Diplomarbeit wurden vier Kunstharze (Epoxid-, Silikon-, Polyurethan- und Acrylharz) mit einem Kieselsäureester als Festigungsmittel für Loderslebener Sandstein (dem für die Grabmale verwendetem Steinmaterial) verglichen. Die Voraussetzung dafür war eine genaue Analyse der für die Festigung relevanten Kenndaten des Gesteins. Um die dann für den Stein besten Materialien anwenden zu können, war eine genaue Untersuchung der Schadensursachen an den Steinen notwendig. Als Hauptgrund der Schädigung erwies sich CaSO4 (Gips) im oberflächennahen Bereich. Diesen zu beseitigen bzw. deutlich zu reduzieren, erwies sich als sehr kompliziert und hat dazu geführt, dass der Schwerpunkt des Projektes in diese Richtung verschoben werden musste. Ohne eine Entsalzung wären aber alle weiteren Schritte unsinnig gewesen, da das Schadsalz in kurzer Zeit alle Restaurierungsmaßnahmen wieder zerstört hätte. Unter mehreren Möglichkeiten erwies sich die Wannentränkung als die ef-fektivste Methode und wurde demzufolge an den meisten Teilen durchgeführt. Nach erfolgter Entsalzung war dann erst die Festigung gelockerter Gesteinspartien möglich. Danach folgten die Arbeitsschritte mit dem zwischenzeitlich von Dr. Wendler entwickelten Mörtelsystem.


Ergebnisse und Diskussion

1. Die Diplomarbeit hat ein Kunstharz (Silikonharz, Wacker 440 von Wackerchemie) und ein KSE (Funcosil 300E von Remmers) als ebenbürtig und gutes Festigungsmaterial für den Loderslebener Sandstein ermittelt. Kunstharz kann entgegen der landläufigen Meinung durchaus neben dem fast ausschließlich als Festigungsmaterial verwendeten KSE bestehen. Allerdings ergibt sich ein Problem mit dem als Lösungsmittel verwendeten Xylol. Es ist hochgiftig und erfordert zur Verarbeitung ein Absauggerät, bzw. das Tragen einer Schutzmaske. Das macht den Einsatz in der Praxis schwierig, schafft eine mentale Hemmschwelle. Kunstharze haben gegenüber KSE nur eine Chance, wenn zusätzlich zur Ebenbürtigkeit noch ein weiterer Vorteil gegenüber KSE hinzukäme. Das könnte in Folgendem liegen: bei einer sehr starken Entfestigung des Steinmaterials kommt ein Punkt, an dem KSE nicht mehr in der Lage ist, die Räume zwischen den Quarzteilchen zu überbrücken. Kunstharz könnte an dieser Stelle weiterhelfen. Durch die notwendige, aber zeitaufwendige Arbeit an der Entsalzung, verblieb keine Zeit mehr, diesen Ansatz zu verfolgen. Es könnte aber unserer Meinung nach ein sehr lohnendes, gesondertes Forschungsprojekt werden. Die hier vorgelegte Diplomarbeit ist eine sehr gute Grundlage dafür.
2. Nach verschiedenen Versuchen hat sich die Entsalzung im Wannenbad als effektivste Methode erwiesen, den Gips aus dem Stein zu lösen. Dazu muss aber das Teil ausgebaut sein. Eine weitere Methode war die Entsalzung mit einem gerichteten Feuchtigkeitsstrom. Dabei löst das Wasser, welches von einem Punkt aus ständig durch den Stein strömt, den Gips und transportiert ihn in eine aufgelegte Kompresse. Eine weitere Möglichkeit bietet ein neues Kompressenmaterial (Cocoon der Firma Westox Europa). Wenn man entgegen dem Hinweis des Herstellers die Kompresse nur kurze Zeit auflegt, ergibt sich doch eine effektive Möglichkeit, da man mit mehreren Kompressen einen guten Entsalzungserfolg erzielen kann, gleichzeitig aber den Ausbau spart.
3. Das schon erwähnte Mörtelsystem ist als Denkansatz ein hervorragendes Instrument für die Denkmalpflege. Im Labor funktionieren die einzelnen Elemente auch gut. In der Praxis jedoch ergaben sich beim Antragmörtel Schwierigkeiten. Er ist in seiner Zusammensetzung so komponiert, dass man mit dem ungeschmeidigen Material komplizierte Teile nicht in einer qualitätsvollen Weise ausführen kann. Außerdem reißt das Material beim Aushärten. Dieses Problem ist sicher noch zu lösen. Dann hat man mit diesem Mörtelsystem ein Instrument zur Hand, welches geeignet ist, dem Stein hervorragend angepasste Antragungen zu fertigen. Wir mussten im konkreten Fall auf mineralischen Mörtel ausweichen.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Das Projekt wurde in der örtlichen Presse verfolgt. In von Projektbeteiligten verfassten Artikeln wurde sowohl die Geschichte der Grabmale als auch die Zielsetzung und Vorgehensweise im DBU-Projekt dargestellt. Eine zusätzliche Information der Bevölkerung über die Maßnahmen erfolgte in Schaukästen am Friedhof Querfurt bzw. am Kirchhof Lodersleben.
In einem zusammenfassenden Papier sind die praktischen Arbeitsschritte in einer solchen knappen Weise zusammengefasst, dass eine ortsansässige Firma danach arbeiten kann, ohne das gesamte Berichtsmaterial durcharbeiten zu müssen.


Fazit

Neben einem KSE ist auch ein Kunstharz (Silikonharz) in der Lage, dem Loderslebener Sandstein seine durch Umwelteinflüsse gelockerte Stabilität zurückzugeben.Der im Stein eingelagerte, die Schäden verursachende Gips ist durch im Projekt ermittelte Methoden soweit zu mindern, dass er keine nennenswerten Schäden mehr bewirken kann. Da sich die Umweltbedingungen inzwischen deutlich verbessert haben, also kein Schwefel mehr in der Luft angereichert ist, kann man davon ausgehen, dass die Steine langfristig saniert sind.Da das Projekt nicht nur die theoretischen Grundlagen lieferte, sondern in einer modellhaften Restaurie-rung diese Ergebnisse auch direkt in die Praxis umgesetzt hat, hat die Region eine Vorgabe zur Hand, mit welcher auch ortsansässige Firmen weitere Steinobjekte, von denen es aus den Loderslebener Steinbildhauerwerkstätten noch viele qualitätsvolle Arbeiten aus mehreren Jahrhunderten gibt, selbstständig zu erhalten.

Förderzeitraum: 26.02.2002 - 26.02.2004 (2 Jahre)
Fördersumme: 44.482,00
Förderbereich: III.12.1
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Konservierung , Stein
Publikationen:
Geografisch:


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